Heiteres Festkonzert mit den Großen des Barock

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Text, text, text (Foto: Derek Schu)
Schwäbische Zeitung
Dorothee L. Schaefer

Das Neujahrskonzert in der vollbesetzten Evangelischen Stadtkirche feierte dieses Jahr gleichzeitig ein 25-jähriges Jubiläum: Kirchenmusikdirektor Michael Bender hatte zum 1. Januar 1989 in Ravensburg seinen Dienst als Kantor der Stadtkirche angetreten. Doch bevor das Publikum zu einem liebevoll vorbereiteten Empfang im hohen Chorraum seiner Wirkungsstätte gebeten wurde, gab es ein Konzert mit festlicher Instrumentalmusik von J. S. Bach und Händel, in der er als Dirigent der Kammerphilharmonie Bodensee-Oberschwaben und als Cembalist seines Amtes waltete.

Bach als neue Erfahrung

Wenn die Werke so bekannt sind, dass schon der erste Ton einem das ganze Stück in Erinnerung ruft, ist das bei einer guten Aufführung am ersten Tag des Neuen Jahres eine besondere Freude. Und so war es auch diesmal: Bachs Orchestersuite Nr. 3 D-Dur BWV 1068 wurde mit ihrer vom ausgezeichneten Bläserchor durchwirkten „Ouverture“ zu einer Einleitung für eine vorbildlich schöne „Air“, die, wie hingetupft und doch sanft wiegend, eine durchgeistigte, meditative Stimmung erzeugte. Die heiteren und zügig dirigierten „Gavottes I und II“, auch die weiteren Tanzsätze „Bourrée“ und „Gigue“ ließen eines der bekanntesten Werke Bachs fast zu einer neuen Erfahrung werden.

Auch das folgende Brandenburgische Konzert Nr. 5 D-Dur BWV 1050 mit seinen drei Sätzen - es ist das einzige Bach-Konzert mit einem großen Cembalo-Solo und Kadenz - erfreute im kleineren Ensemble mit insgesamt drei Solisten, die sich im zweiten Satz, dem „Affettuoso“, voll entfalten konnten: neben Bender am Cembalo waren es Michael Wieder (Violine) und Richard Nolte (Flöte). Der erste Satz Allegro mit einem sehr schönen Mittelteil war ganz von dem höchst virtuosen Cembalosolo bestimmt, das sich zunächst langsam ankündigt und dann durch die zurücktretenden anderen Instrumente in den Vordergrund tritt. Ein ausziseliertes Werk, das gegenüber den anderen mit orchestraler Wucht auftretenden Stücken im großen Kirchenraum etwas unterzugehen drohte, ist doch solche Musik ursprünglich für kleinere Räume bestimmt gewesen.

Zum Abschluss Georg Friedrich Händels „Feuerwerksmusik“, eine Auftragsmusik, die in fünf längeren Sätzen ein festliches Ereignis - ein großes Feuerwerk zur Feier des unter George II. 1748 geschlossenen Aachener Friedens - musikalisch zu begleiten hatte. Diesmal gab es einen großen Bläserchor, welcher natürlich nicht an die gigantische Originalbesetzung von Händels Werk herankam, denn dieser hatte für eine Aufführung im Freien geplant und sich schlussendlich mit seiner zusätzlichen Streicherbesetzung gegenüber dem königlichen Auftraggeber durchgesetzt.

Dennoch sehr prägnant im Volumen und sorgfältig ausgearbeitet in den Einzelstimmen bei den Bläsern, vor allem den Hörnern und Oboen, wirkte das Ganze beeindruckend wie aus einem Guss. Auch die in anderen Aufführungen oftmals als zu dominant empfundene Perkussion wirkte hier hingegen durch eine sehr schön ausgewogene Pauke dynamisch strukturierend und vitalisierend.

Der riesige Applaus nach dem als Zugabe wiederholten vierten Satz „La Réjouissance“, für den sich Kirchenmusikdirektor Michael Bender mit einer tiefen Verneigung bedankte, war auch der hörbare Ausdruck einer tiefen Wertschätzung des Kantors in seiner Gemeinde, die sich auf weitere Jahre seines musikalischen Wirkens freuen darf.

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