Hans Riempp hinterlässt bleibende Architektur

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Der Bau der Neuwiesenschule war der erste große Auftrag für den jungen Architekten Hans Riempp. (Foto: SZ-Acrhiv)
Sibylle Emmrich

Hans Riempp, am 11. August im 92. Lebensjahr in Bad Waldsee verstorben, hat in Ravensburg und weit darüber hinaus Zeichen gesetzt und bleibende Architektur hinterlassen. „Es ging mir dabei nicht um eine vordergründige Modernität, sondern nach dem Zusammenbruch des Dritten Reichs und seiner unsäglichen Architektur suchten wir nach einer geläuterten Baukunst“, erklärte er noch vor wenigen Jahren den Grundgedanken seines Schaffens.

Hans Riempp und die Neuwiesenschule: Das ist eine geradezu märchenhafte Geschichte. Nach Kriegsdienst, schwerer Verwundung vor Stalingrad und Hungerleiderjahren als Architekturstudent war dieser Auftrag für den damals knapp 30-jährigen Architekten ein Glücksfall. Er war damals mit seiner Frau Maria, die ebenfalls erst vor wenigen Wochen gestorben ist, mit den beiden ersten der insgesamt sechs Kinder bei Verwandten im Oberland untergekommen. 1950 begann der Bau der Schule, damals, nach der brachialen „Heldenarchitektur“ der NS-Zeit, mit ganz neuen Ideen im Gefolge der Bauhaus-Architektur. „Die Riempp’sche Rede, 1952 zur Einweihung gehalten, liest sich in mancher Passage wie eine Vorwegnahme der 68-er Visionen“, hieß es in einem SZ-Artikel.

Heute steht die Neuwiesenschule unter Denkmalschutz. Eine Schule verteilt mit Pavillons auf einer großen Grünfläche, ein Konzept, ähnlich wie es sein späterer Büropartner Max Schraube ein knappes Jahrzehnt später auch mit der Talschule in Weingarten umgesetzt hat. Riempp + Schraube, dieser Name stand 1978 bis 1982 und zuvor mit einem noch größeren Büro mit bis zu 60 Mitarbeitern für wegweisende Architektur und Städteplanung. Kuppelnauschule und Weststadtfriedhof, die Schussentalklinik in Aulendorf oder die städtebauliche Konzeption für Burach-Ost: Das sind nur ein paar der großen Projekte. Und Max-Walther Schraube verweist auf die vielen später ebenfalls erfolgreichen Ravensburger Architekten, die bei Riempp und Schraube dereinst Mitarbeiter waren, Dieter Rädle und Volker Petzold sind nur zwei davon.

Mit einem Bauwerk, das der junge Architekt Riempp dereinst eigenständig geplant hat, hat sich Ravensburg bis heute noch nicht ganz angefreundet: dem Hochhaus am Goetheplatz. Das sah in der ursprünglichen Planung auch weit eleganter aus, als wie es dann1957 vollendet wurde. Ein architektonisches Zeichen in und für Ravensburg ist es allemal.

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