Händler fürchten um ihre Kundschaft

Lesedauer: 11 Min
Ravensburger Einzelhändler plädieren dafür, dass während der Sanierung der Marienplatztiefgarage etwa die ehemaligen Parkplätze
Ravensburger Einzelhändler plädieren dafür, dass während der Sanierung der Marienplatztiefgarage etwa die ehemaligen Parkplätze am Kornhaus reaktiviert werden. (Foto: Archiv: SZ)
Ruth Auchter und Ron Heinrich

Dass die Marienplatztiefgarage im Herzen der Ravensburger Altstadt wegen Sanierungsarbeiten mindestens eineinhalb Jahre komplett geschlossen werden muss und danach nur teilweise genutzt werden kann, beunruhigt Händler und Gastronomen. Sie fürchten, dass sie über die lange Bauzeit hinweg Kunden verlieren. Zumal nach der Sanierung in der Tiefe noch die komplette Oberfläche des südlichen Marienplatzes aufgegraben werden muss. Die Geschäftsleute appellieren an die Stadtverwaltung, übergangsweise Parkplätze in der Innenstadt zu schaffen.

Eins steht für Juwelier Eckart Binder, der sein Geschäft am Marienplatz 14 hat, außer Frage: Die Auswirkungen der Tiefgaragensanierung mit den wegfallenden Parkplätzen „strahlt auf die gesamte Innenstadt aus – da sitzen wir alle im gleichen Boot“. Darum gibt auch Claus Erb von Optik Wollensak-Erb am Marienplatz 17 die Devise aus: „Wir müssen zusammenhalten.“ Denn schon jetzt äußerten sich Kunden verunsichert nach dem Motto: „Wenn die Tiefgarage umgebaut wird, brauchst du gar nicht mehr nach Ravensburg zum Einkaufen fahren“, berichtet Erb. Darum hält er es für dringend angezeigt, so früh wie möglich Alternativen anzubieten.

„Heerscharen von Politessen“

Da während der Sanierungszeit die Tiefgaragen-Abbiegespur in der Seestraße nicht gebraucht werde, könnte man dort Parkplätze einrichten, schlägt Erb vor. Binder bringt darüber hinaus Kurzzeitparkflächen in Kirch- und Herrenstraße sowie vor dem Kornhaus ins Spiel. Denn dass sich die Leute per Shuttlebus von Weißenau oder der Oberschwabenhalle zum Einkaufen in die Innenstadt kutschieren lassen, wie es der Stadtverwaltung vorschwebt – das kann sich Binder nicht vorstellen: Die Stadtoberen wollten „die Kunden erziehen, das machen die Kunden aber nicht mit“. Seiner Ansicht nach solle die Stadt daher schleunigst ihren „aggressiven Einnahmekurs“ mittels hoher Parkgebühren bis 21 Uhr mitsamt der Entsendung von „Heerscharen von Politessen“ korrigieren und den Druck herunter fahren, „alle Autos aus der Innenstadt zu beseitigen“. Schließlich „leben Handel und Gastronomie von Kunden aus dem Umland – darum sollte man es diesen Kunden hier möglichst einfach machen“.

Claudia Haller-Schuler von der „Ratsstube“ am Marienplatz 19 schlägt in dieselbe Kerbe: „Damit die Kunden sich in Ravensburg weiterhin wohl und willkommen fühlen, müssen wir uns Gedanken über alternative Kurzzeitparkplätze machen.“ Am liebsten wäre es ihr, wenn die Sanierung der Tiefgarage dergestalt über die Bühne gehen könnte, dass zumindest ein Parkdeck immer noch offen bleibt. In jedem Fall sei „nichts schlimmer als der Eindruck nach außen, dass man nach Ravensburg eh nicht mehr reinfahren kann“.

Brandschutz ist ein Argument

Gordon Schick vom „Kupferle“ am Marienplatz 20 hofft „auf die bestmögliche und schnellste“ Sanierungslösung, macht aber zugleich deutlich, dass er sein Geld im Sommer verdient, wenn die Gäste draußen sitzen. Sollte diese Einnahmemöglichkeit dann wegbrechen, wenn auch die „Decke“ der Tiefgarage – der südliche Marienplatz – auf Vordermann gebracht wird, könne es „existenziell eng werden“. Schick setzt daher auf „unbürokratische Hilfe“ seitens der Stadt – beispielsweise die Erlaubnis, während der kritischen Phase in der Rathausstraße zu bestuhlen.

Claus Erb, seines Zeichens auch Stadtbrandmeister der Ravensburger Feuerwehr, führt für seine Forderung, der südliche Marienplatz müsse während der gesamten Sanierungszeit „benutzbar bleiben“, noch ein weiteres Argument ins Feld: den Brandschutz. Die historischen Häuser müssten schon allein deshalb anfahrbar sein, um jeweils einen zweiten Rettungsweg sicherzustellen.

Julia Sterk, Filialleiterin des Friseursalons „Ryf Of Switzerland“ am Marienplatz 21, gibt sich momentan zwar noch optimistisch, was die Tiefgaragensanierung anbelangt – schließlich müsse das Ganze eben „einfach gemacht werden“. Patrizia Reichert vom Hotel „Waldhorn“ sieht das Mammutprojekt ebenfalls „positiv, weil es gar nicht anders geht“. Sie ist, wie viele Kollegen, davon überzeugt, „dass wir das nun gemeinsam durchstehen müssen“.

Keine Bedenken

Johnny Sturm von der Café Bar „Zoe’s“ am Marienplatz ist zwar nicht begeistert von den Maßnahmen, wartet aber erstmal ab. Eine „totale Baustelle“ fände er „bescheuert“. Er hofft stattdessen, dass der Belag des südlichen Marienplatzes „parzellenmäßig“, also häppchenweise, wieder hergerichtet wird.

Franz-Josef Schultes von Schultes Uhren & Schmuck am Marienplatz 13 hegt als einziger der befragten Händler und Gastronomen keine Bedenken, dass ihm durch die lang gezogene Renovierung der Tiefgarage Kunden wegbrechen könnten. Im Übrigen ärgert ihn momentan vor allem „das Riesenchaos an der Burgstraße“, welches dort herrsche, seit der Zebrastreifen für Fußgänger entfernt worden sei. Auch der potenzielle Baustellenkrach schreckt ihn, der über seinem Juweliergeschäft wohnt, nicht – auf dem südlichen Marienplatz herrsche nachts „eh ein Höllenlärm“. Claudia Haller-Schuler bleibt diesbezüglich ebenfalls gelassen: „Man darf keine Angst vor Baustellen haben – sonst muss man an den Waldrand ziehen.“ Claus Erb, der über seinem Laden wohnt, ist ähnlich gelassen: Er habe vor 30 Jahren schon den Bau der Marienplatztiefgarage überlebt. „So was muss man ertragen, das geht nicht anders.“ Er kritisiert indes, dass die Verwaltung Anwohner und Geschäftsleute bislang „nicht mit auf den Weg genommen“ und informiert habe, was in Sachen Tiefgaragensanierung denn wann anstehe.

Infoveranstaltung am 18. Oktober

Das sagt die Stadt zu den Ängsten der Händler: „Die Stadt und die Stadtwerke nehmen die Sorgen sehr ernst. Natürlich bleibt Ravensburg auch während der Baustellenzeit sehr gut erreichbar. Allein in den weiteren acht Parkhäusern unmittelbar an der Altstadt stehen 2000 Parkplätze zur Verfügung. Klar ist aber auch, dass die Marienplatzgarage die zentralste und wichtigste Parkeinrichtung ist. Wir tun deshalb alles, um den vorübergehenden Wegfall dieser Parkmöglichkeit einigermaßen zu kompensieren.“

Zur Kritik an der Informationspolitik: „Seit mehr als einem Jahr steht fest, dass es Probleme mit Korrosion am Bauwerk gibt. Dies wurde auch gleich öffentlich gemacht. Allerdings wussten wir damals noch nicht, in welcher Form die Sanierung ablaufen wird. Erst seit kurzem steht gutachterlich fest, dass eine Vollsperrung unumgänglich wird. Darüber haben wir dann sofort informiert. Es gab seitdem Gespräche mit Geschäftsleuten und mit dem Wirtschaftsforum Pro Ravensburg.“

Stadtverwaltung und Stadtwerke Ravensburg laden am Dienstag, 18. Oktober, um 19 Uhr, im Schwörsaal zu einer Infoveranstaltung über das Sanierungskonzept samt der Marienplatzgarage. Ravensburgs Baubürgermeister Dirk Bastin leitet die Veranstaltung, Fachplanerin Susanne Gieler-Breßmer und Stadtwerke-Chef Andreas Thiel-Böhm erläutern das Sanierungskonzept.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen