Grünes Licht für rasantes Wachstum in Schmalegg

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Sibylle Emmrich

Schmalegg soll wachsen. Gleich für zwei neue Wohngebiete soll die Planung rasch vorangetrieben werden: jeweils für den ersten Bauabschnitt von Brachwiese III mit rund 100 Wohnungen und von Ortsmitte II mit maximal 80 Wohneinheiten.

Dabei hat die hoch auf dem Sonnenplateau über dem Schussental gelegene Ortschaft noch ein drittes Baugebiet in Reserve: Greckenhof II am nordöstlichen Ortsrand. Der Ortschafsrat brachte in einer gut besuchten Sitzung – Corona-bedingt in der locker bestuhlten Ringgenburghalle abgehalten – mit einstimmig gefassten Beschlüssen die weitere Siedlungsentwicklung auf den Weg.

Aussicht auf raschen Baubeginn

Bauinteressenten und Wohnungssuchende verfolgten die von Ortsvorsteherin Regine Rist geleitete Sitzung. Nach gut einstündiger Beratung schienen die meisten mit der Aussicht auf raschen Baubeginn zufrieden. Die Planung für die Ortsmitte II mit Einzel- und Mehrfamilienhäusern soll möglichst noch in diesem Jahr bis zur Satzungsreife gebracht werden, sodass bestenfalls im Frühjahr 2021 die Erschließung und eventuell noch Ende 2021 Baubeginn sein könnte. Das stellten Christian Herrling, Leiter des Stadtplanungsamtes, und sein Kollege Michael Griebe in Aussicht. Eine Bürgerinformation solle es auch noch geben.

Sprecher aller drei Fraktionen des Ortschaftsrates befürworteten den raschen Fortgang der Planung, die nach dem vorübergehend möglichen beschleunigten 13b-Verfahren Anfang 2018 eingeleitet worden ist. Dabei soll für den Geschosswohnungsbau die Regelung des vom Gemeinderat beschlossenen „Bündnisses für bezahlbaren Wohnraum“ gelten, wonach Bauträger einen Teil der Wohnungen zu günstigen Mieten anbieten müssen. Getrennt geplant wird in der Ortsmitte hinter Rathaus und Kirche ein neuer Kindergarten, damit für die erwarteten jungen Familien im Neubaugebiet auch genügend Plätze zur Verfügung stehen werden.

Weitaus länger zieht sich die Planung für das Baugebiet „Brachwiese“ hin. Am südwestlichen Ortsrand Schmaleggs sollen im Anschluss an die vor etwa vier Jahrzehnten gebauten Wohnhäuser auf rund drei Hektar insgesamt bis zu 190 Wohneinheiten entstehen, im ersten Bauabschnitt rund 100 Wohnungen überwiegend in Ein- und Zweifamilienhäusern.

Obstbauer hat erfolgreich gegen Bebauungsplan geklagt

Ein Obstbauer, der südlich der geplanten Wohnhäuser auf 25 Hektar Äpfel und Kirschen anbaut, hatte erfolgreich gegen den Bebauungsplan geklagt. Er fürchtet, dass sich die zukünftigen Bewohner der Brachwiese III am Lärm stören werden, die er beim Spritzen seiner Obstplantagen – über zehn Mal im Jahr und auch nachts – verursacht. Der Verwaltungsgerichtshof Mannheim gab ihm in dieser Angelegenheit recht. Er fürchte zurecht um seine derzeitige und zukünftige Betriebsführung; das habe die Stadt Ravensburg im Planverfahren unzureichend berücksichtigt.

Die Stadt, die bereits vor Jahren die nötigen Flächen gekauft sowie Geld und Zeit in die Planung gesteckt hat, wollte jedoch am Vorhaben „Brachwiese“ festhalten. Sonst droht ein Millionenverlust. Beschritten wurde ein Verfahren unter dem Motto „Heilung von Rechtsverstößen bei städtebaulichen Planungen“.

Stadtplaner Griebe sieht nach neuen Abstimmungen mit Landratsamt, Lärmschutzgutachter und fachlicher Obstbau-Beratung die Hindernisse ausgeräumt. Ein aktualisiertes Lärmgutachten sehe keine Überschreitung von Orientierungswerten für gesunde Wohnverhältnisse auch bei uneingeschränkter Bewirtschaftung der angrenzenden Intensivobstanlagen. Der Landwirt habe inzwischen eine neue Maschine, deren Immission sich im zulässigen Rahmen bewege. Man sei im Gespräch. Es wurde in der Sitzung jedoch nicht gänzlich ausgeschlossen, dass der Landwirt nochmals den Rechtsweg beschreitet.

„Wir haben hier viel Zeit, Geld und Nerven investiert. Ich bin froh, wenn wir das jetzt schnell durchbringen“, erklärte Hugo Adler (CDU). „Jetzt ist es höchste Zeit, dass dieses Baugebiet kommt“, ergänzte Walter Kolb (FLS) und regte für das Gebiet „Ortsmitte“ eine Tiefgarage an. Barbara Hubrich und Rowitha Pohnert (Grüne) sprachen sich ebenfalls für die rasche Planung beider Baugebiete aus, wobei sie dem Geschosswohnungsbau in Mehrfamilienhäusern die Priorität einräumen wollten.

Baugebiet „Greckenhof II“ wird erstmal nicht gebaut

Das dritte, rund zwei Hektar große mögliche Baugebiet „Greckenhof II“, am nordöstlichen Ortsrand gelegen, wurde vorerst auf Eis gelegt. „Drei Baugebiete auf einmal verkraftet Schmalegg gar nicht“, brachte es Ortschaftrat Kolb auf den Punkt. Grünen-Rätin Pohnert sah sich in ihrer Auffassung bestätigt, dass die Erschließung hier problematisch werden könnte.

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