Große Erleichterung: Weißenauer haben Glück mit dem Wetter

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Günter Peitz

Es hat mal wieder alles gepasst: Das Gewitter frühmorgens am Festsonntag verzog sich rechtzeitig, der Regen hörte auf, die Sonne brach durchs Gewölk und ließ die Farbenpracht der Kostüme Hunderter Kinder und des üppigen Blumenschmucks auf den Festwagen voll zur Geltung kommen. Wie sie es nur immer wieder hinbekommen, die Weißenauer, mit ihrem Festwetter? Jedenfalls war die allgemeine Erleichterung groß, und man sah viele fröhliche Gesichter auf den Festwagen, auf der Tribüne auf dem Torplatz, wo die Ehrengäste Platz genommen hatten, und zu beiden Seiten des Festzugsweges.

Sonntag, 9 Uhr: Die Glocken der Peter-und-Pauls-Kirche rufen zum ökumenischen Gottesdienst. Doch an der Requisitenhalle geht das harmonische Geläut im Motorenlärm glatt unter. Dort nämlich „nageln“ die alten Schlepper, liebevoll gepflegte Oldtimer, die wieder zahlreiche Festzugwagen ziehen werden, um die Wette. Auch die Wagen sind bereits aus der Halle gezogen worden, längst abgestaubt und hergerichtet, wobei frischer Blumenschmuck nicht fehlen darf. Ziel der Gespanne ist die Mariataler Allee, idealer Aufstellungsraum für den Festzug im Schatten der mächtigen Bäume.

Dem Außenstehenden ist schleierhaft, wie es die vielen Verantwortlichen der Festkommission schaffen, sich ohne Hektik in genau der richtigen Reihenfolge aufzustellen, aber sie schaffen es. Dabei geht es gut eingespielt ganz unaufgeregt zu. Nur der Fahrer eines alten Lanz-Bulldogs ist nicht so ganz gelassen, weil nämlich der Motor des Oldtimers vor der historischen Dreschmaschine falsch herum läuft, vorwärts mit den Rückwärtsgängen gefahren werden muss und umgekehrt. Er hängt am Handy, um sich Tipps zu holen, wie er das ändern kann. Aber es bleibt ihm dazu ja noch einige Zeit bis zum Festzugsbeginn.

9.30 Uhr: Noch ist der Gottesdienst in der Barockkirche in vollem Gange. Das prächtige barocke Gotteshaus ist gut gefüllt von vielen kostümierten Kindern, ihren Eltern und anderen Gläubigen. Die Geistlichen gestalten den Gottesdienst kindgerecht. Ulrich Höflacher lässt die Holzhey-Orgel brausen. Die Kollekte ist für den Schulförderverein Weißenau bestimmt. Besonders eindrucksvoll: Der Auszug der großen Kinderschar und der vielen Erwachsenen aus der Kirche auf den sonnenüberfluteten Kirchvorplatz.

10 Uhr: Gegenüber der Ehrentribüne, wo inzwischen Sozialminister Manfred Lucha, Oberbürgermeister Daniel Rapp, der neue Eschacher Ortsvorsteher Thomas Faigle und zahlreiche andere Ehrengäste Platz genommen haben, etwas verspätet auch Bundestagsabgeordneter Axel Müller, legen sich die Musikantinnen und Musikanten der Musikkapelle Gornhofen mächtig ins Zeug. Dann begrüßt Höflacher die vielen Festgäste, insbesondere Ortsvorsteher Faigle, den Schirmherrn des Festes, der anschließend als erste Amtshandlung vor großem Publikum eine Rede hält und sich tief beeindruckt zeigt von der Leistung der vielen Ehrenamtlichen, ohne die es dieses echte Heimatfest nicht gäbe. Faigle zollt ihnen seinen Respekt.

10.30 Uhr: Dröhnende Böllerschüsse kündigen den Festzug an. Was da eine Stunde lang durchs Torgebäude, über den Torplatz und weiter durch Weißenau zieht, das ist eine wahre Augenweide und zeugt vom Bürgersinn und der Heimatliebe der Weißenauer. Kindergarten- und Schulkinder mit ausländischer Herkunft sind selbstverständlich integriert. Und weil ein junger Moslem nur ungern in ein Mönchsgewand schlüpfen will, was man nachvollziehen kann, darf er kurzerhand als Feuerwehrmann mitmarschieren. Prächtig aufgezäumte Pferde vor einigen Festwagen, ein Geißengespann, die Sieben Schwaben, die Festzugskommentator Ralph Kirchmaier alle einzeln kurz zu Wort kommen lässt, auch den verfressenen Knöpflesschwaben und nicht zuletzt nach längerer Pause auch wieder die Schwäbsche Eisebahn – es fehlt nichts im Festzug. Ein besonderes Glanzlicht setzt ihm der gründlich renovierte Wagen „Übergabe der Blutreliquie an das Kloster Weißenau 1283“ auf, der viele Blicke auf sich zieht. Wie die Weißenauer die Landwirtschaft früher in ihrem Festzug wieder lebendig werden lassen, das dürfte ziemlich einmalig sein. Und dass ihnen auch diesmal wieder Kaiser Maximilian I., der letzte Ritter aus Füssen samt Gemahlin Bianca Maria Sforza hoch zu Ross und Hofstaat die Ehre geben, das haben sie dem Fanfarenzug St. Florian zu verdanken, den eine lange Freundschaft mit den Kaiserlichen verbindet. Gemeinsam tritt man im In- und Ausland bei großen Festen auf.

Am Vorabend, auf dem Festplatz, hatten sich vor vielen Zuhörern die Landsknechte aus Ravensburg die Ehre gegeben, noch ganz frisch und wie verklärt ob der großen Begeisterung des Publikums über ihren Auftritt. Im Jahr ihres 175-jährigen Bestehens in Hochform präsentierten sich die Musikantinnen und Musikanten des Musikvereins „Sternberg“ Weißenau unter der Leitung von Helmut Diesch mit ihrer temperamentvollen Sängerin Tanja Fimpel. Sie können einfach alles, die Sternberger, von der schmalzigen „Bodensee-Nationalhymne“ mit der Fischerin und dem weißen Schwan bis hin zu fetzigen Jazz-Stücken. Eine eindrucksvolle „Mancucela-Feuershow“ rundete das Samstag-Programm ab. Feurig war es bereits am Vorabend bei einer Fackelserenade und dem traditionellen Feuerwerk zugegangen.

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