Grüne warnen vor Verkehrskollaps

Lesedauer: 5 Min

 Hunderte neue Wohnungen entstehen in der Ravensburger Oststadt. Das wird mehr Verkehr mit sich bringen. Die Grünen fordern dah
Hunderte neue Wohnungen entstehen in der Ravensburger Oststadt. Das wird mehr Verkehr mit sich bringen. Die Grünen fordern daher das Nachdenken über attraktive Alternativen zum Auto. Im Bild die frühere Firma Bezner, wo derzeit das neue Mühlenviertel entsteht. (Foto: Archiv: Derek Schuh)
stellv. Redaktionsleiter

Angesichts der großen Zahl neuer Wohnungen, die in der Ravensburger Oststadt gebaut werden sollen, warnt die Gemeinderatsfraktion der Grünen vor einem Verkehrskollaps. Sie mahnt daher bei der Stadtverwaltung an, über mögliche Alternativen zum motorisierten Individualverkehr nachzudenken.

54 Wohneinheiten entstehen derzeit im Mühlenviertel, früher Bezner. Gleich nebenan, auf dem Rinker-Areal, früher Firma Vetter, sollen bis 2025 fast 300 Wohnungen gebaut werden. Maria Weithmann, Vorsitzende der grünen Gemeinderatsfraktion, rechnet in der gesamten Oststadt mit einer Bevölkerungszunahme von bis zu 1500 Menschen.

Schon jetzt sei die Verkehrssituation auf der Wangener Straße „besorgniserregend“, so die Stadträtin. „Zu allen Tageszeiten ist dort mit Verkehrsstaus zu rechnen, die Schadstoffbelastung der Anwohnerschaft ist bedenklich“, schreibt Weithmann in einem Brief an Ravensburgs Oberbürgermeister Daniel Rapp. Durch die neue Wohnbebauung sei „mit einer weiteren, erheblichen Zunahme des Individualverkehrs“ zu rechnen, wenn es nicht gelingt, Alternativen zu schaffen.

Radfahrer haben Probleme

Konkret schlagen die Grünen Verbesserungen für Fußgänger und Radfahrer vor, aber auch für Menschen, die den Bus benutzen. „Der Radverkehr hat, auch durch Pedelecs, spürbar zugenommen“, sagt Maria Weithmann. Der Radweg nach Hinzistobel sei durch die Anbindung in Richtung Schlier für weitere Radfahrer interessant geworden, die nun ebenfalls über die Oststadt fahren.

Das Problem: Entlang der Wangener Straße gibt es eigentlich keinen Radweg; Zweiradfahrer dürfen lediglich den Gehweg mitbenutzen. Der ist relativ schmal, zu gewissen Zeiten aber stark frequentiert von Fußgängern – und von Radfahrern, die den Weg in beide Richtungen benutzen.

Hinzu kommt, dass die Radler eine ganze Reihe gefährlicher Ausfahrten zu überwinden haben, zum Beispiel oberhalb der freien Tankstelle. Und bei der Abzweigung Marktstraße/Leonhardstraße unweit des Obertors hört der Radweg plötzlich auf, Radfahrer müssen die Straße queren – an Stelle, an der es auch für Autofahrer eng zugeht. „Wir müssen beim Bund vorantreiben, dass wir hier eine zufriedenstellende Lösung bekommen“, fordert Maria Weithmann.

Ein weiterer Punkt ist das Thema Bus. Die Grünen plädieren für Kurzstreckentarife ebenso wie für eine bessere Taktung der Linie 21. Dort fährt beispielsweise am Sonntag nach 21.45 Uhr gar kein Bus mehr. Ein weiteres Thema in diesem Zusammenhang: „Für die großen Wohnquartiere Mühlenviertel und Rinkerareal gibt es keine Bushaltestellen in guter fußläufiger Entfernung“, so die Grünen-Fraktionschefin. Um Bus fahren für die neuen Bewohner der Oststadt attraktiv zu machen, müsste daher eine weitere Haltestelle angelegt werden, zum Beispiel im Bereich der kostenlosen Parkplätze an der Wangener Straße – mit einer sicheren Querungsmöglichkeit für Fußgänger. Auch eine separate Kleinbusanbindung des Quartiers an die Innenstadt ist aus Sicht der Grünen denkbar. „In jedem Fall müssen Pläne entwickelt werden, wie die Bevorrechtigung des Busverkehrs umgesetzt werden kann“, sagt Maria Weithmann.

Brücke über die Wangener Straße?

Neben einer Fußgängerampel an einer neuen Bushaltestelle könnte sich die Fraktion der Grünen auch eine zweite Querungsmöglichkeit zwischen freier Tankstelle und Abzweigung zum Obertor vorstellen. In Form einer Fußgängerbrücke, die das Mühlenviertel mit dem St.-Christina-Hang verbindet.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen