Ein Antrag der Ravensburger Grünen zur Biodiversität wird umgesetzt: Der Landkreis soll in diesem Jahr dank vieler neuer Blumen
Ein Antrag der Ravensburger Grünen zur Biodiversität wird umgesetzt: Der Landkreis soll in diesem Jahr dank vieler neuer Blumenwiesen aufblühen. (Foto: Symbol: Frank Rumpenhorst/dpa)

Die Grünen erfreuen sich zunehmender Beliebtheit und haben die SPD in vielen Kommunalparlamenten längst überholt – was sich mittlerweile auch auf Bundesebene abzeichnet. Bei der anstehenden Kreistagswahl im Mai hoffen die Ravensburger Grünen, noch stärker zu wachsen. Roland Zintl (Weingarten) hält es sogar für möglich, dass die Umweltpartei zweitstärkste Fraktion im Kreistag wird und konkurriert dabei mit den Freien Wählern. „Wir haben keine Probleme damit, die Listen vollzukriegen. Das war auch schon anders“, meint Zintl.

Im Aufwind fühlt sich die Partei auch, weil sich neue Ortsverbände gegründet haben, etwa in Isny, und die Kandidaten in vielen Gemeinden diesmal unter dem eigenen Parteinamen „Bündnis 90/Die Grünen“ antreten und nicht mehr unter verschämt-verschwurbelten Konstrukten wie „G+U“ in Weingarten oder „GAL“ in Bad Waldsee. In manchen Gemeinden wie Baindt stehen die Grünen sogar erstmals zur Wahl.

„Wir sehen uns als Ideengeber und freuen uns, dass diese Ideen mittlerweile auch aufgenommen werden“, sagt Ulrich Walz aus Bad Wurzach. Beispiel „Biodiversität“. Als die Fraktion vor zehn Jahren einen ähnlichen Antrag gestellt hat wie vor einem Jahr, wurde das Vorhaben Walz zufolge einfach abgebügelt. Beim jüngsten Vorstoß hingegen seien die Kreisverwaltung und die Kreistagskollegen sehr positiv darauf eingegangen – vielleicht auch vor dem Hintergrund der dramatischen Forschungsergebnisse zum rasanten Insektensterben. Jetzt strebe der Landkreis an, Musterregion für Biodiversität zu werden – und somit Vorbild für seine Städte und Gemeinden. Im Februar werde in einer Auftaktveranstaltung „Landkreis blüht auf“ mit der Anlage von bienenfreundlichen Blühwiesen begonnen. Gewerbebetriebe und Landwirte mit Brachflächen, aber auch Privatpersonen können sich daran beteiligen.

Fraktionschefin Liv Pfluger (Ravensburg) betont, dass es nicht reiche, globale oder bundespolitische Versäumnisse beim Umwelt- und Klimaschutz zu beklagen. „Wir müssen schauen: Was können wir auf unserer Ebene tun?“ Dazu haben die Grünen eine Reihe von Anträgen gestellt, mit denen sich die Ausschüsse des Kreistages in naher Zukunft beschäftigen werden. Beispiel fairer Handel: Der Kreis könnte selbst mehr fair gehandelte Bioprodukte und regionale Produkte verwenden, etwa bei Sitzungen des Kreistages und seiner Ausschüsse. Beispiel Müllvermeidung. „Statt nur darüber zu reden, ob und wie der gelbe Sack abgeholt wird, wäre es wichtig zu vermitteln, wie nicht mehr so viel Abfall im gelben Sack landet“, meint Pfluger. Bedruckte Recup-Becher und Vesperdosen für Schüler seien ein gut gemeinter Anfang, aber gemessen an der Größe und Dringlichkeit des Plastikmüll-Problems eher symbolischen Charakters.

Kreisverwaltung offen für ökologische Themen

Landrat Harald Sievers, der privat mit dem Zug, dem Fahrrad oder einem E-Smart fährt, habe dabei ein erfreulich offenes Ohr für ökologische Themen, meint Ulrich Walz. Sein Urteil: „Für Innovationen offen, nachhaltig und zukunftsorientiert.“ Die Grünen haben auch das Gefühl, dass er die CDU nicht bevorzugt, obwohl er wie sein Vorgänger Kurt Widmaier CDU-Mitglied ist.

Aber auch die beiden größten Fraktionen im Kreistag, CDU und Freie Wähler, würden die Grünen heute nicht mehr als Schmuddelkinder betrachten, wenngleich sie manche Vorschläge immer noch ablehnten. Der Zusammenhalt im Gremium sei aber mittlerweile sehr gut. So stört es die Grünen auch nicht mehr so wie früher, dass in den beiden Fraktionen besonders viele Bürgermeister sitzen, die neben dem Wohl des Kreises stärker das ihrer eigenen Gemeinden im Blick zu haben scheinen. „Zum einen senken sie den Altersdurchschnitt, zum anderen bringen sie als Berufspolitiker viel Erfahrung mit“, sagt Liv Pfluger. Und fügt mit einem Augenzwinkern zu: „Vielleicht müssten es nicht ganz so viele sein.“

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