Glücksmomente im Konzerthaus

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 Cellist Maximilian Hornung war der Publikumsliebling beim festlichen Silvesterkonzert mit der Sinfonietta Bodensee-Oberschwaben
Cellist Maximilian Hornung war der Publikumsliebling beim festlichen Silvesterkonzert mit der Sinfonietta Bodensee-Oberschwaben. (Foto: Maria Anna Blöchinger)
Maria Anna Blöchinger

Unter der Leitung des Konzertmeisters Ulrich Gröner gelang der Sinfonietta Bodensee-Oberschwaben mit „Cellissimo“ ein prickelndes Konzertprogramm im Ravensburger Konzerthaus. Ein reizendes Zwischenspiel ergab die Stimmungsmusik von Victor Herbert. Aufmerksamkeits-Magnet und Publikumsliebling im Konzerthaus war Cellist Maximilian Hornung.

Mit einem Fortissimo überraschte die „Simple Symphony” von Benjamin Britten die Zuhörer im ersten Satz, der in feinem Piano endete. Schwarz gekleidet mit minimalem Glitzern beeindruckte das Streichensemble mit raschen Zupfbewegungen im „Spielerisches Pizzicato“ betitelten Satz. Das Publikum raunte anerkennend. In der mit Kindheits-Themen spielenden Sinfonie konnte man kleine Füße trappeln und traumhaft tiefes Atmen hören. Die Streicher verwirklichten das ursprünglich wohl für Schulorchester geschriebene Werk streckenweise übersinnlich intonationsrein und dann wieder mit satter Fülle oder feuriger Fröhlichkeit. Das Kammerorchester, das seit Jahren das Publikum mit seinen Silvesterkonzerten erfreut, gehört zu der 1992 gegründeten Kammerphilharmonie Bodensee-Oberschwaben. Ihr Konzertmeister Ulrich Gröner unterrichtete Violine und Kammermusik an der Zürcher Hochschule der Künste.

Vier Bläser ergänzten in Joseph Haydns Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 1 in C-Dur das Ensemble. Solist Maximilian Hornung 1986 in Augsburg geboren, ist seit 2017 Professor an der Hochschule für Musik und Theater in München. Vor zehn Jahren war er schon einmal mit Ulrich Gröner auf der Konzerthausbühne. In barocker Festfreude breitete nun die Sinfonietta Bodensee-Oberschwaben ihren Klangteppich aus für den souveränen Auftritt des fürstlichen Violoncellos. Der Solist spielte auswendig, ganz dem inneren und äußeren Raum hingegeben und auf seine Mitspieler achtend. Nach der Reminiszenz an die vorangegangene Epoche ist Haydn im Adagio in seiner Zeit angekommen. In seinem Solo betonte Maximilian Hornung im Zauber einzelner Töne die größere Freiheit. Mühelos bewältigte er die relativ hohe Lage. Offen wie ein Cliffhanger endete der langsame Satz. Im Allegro molto, dem letzten Satz, blies das Horn zum fröhlichen Jagen. Beim Applaus war das Publikum vor Begeisterung außer Rand und Band.

Eine völlig andere Szenerie eröffneten die Stücke für Violoncello und Streicher von Victor Herbert. Der 1859 in Dublin geborene US-amerikanische Komponist hat hauptsächlich Operetten geschrieben. Die ausgewählten Stücke für Violoncello und Streichorchester versetzten die Zuhörer in amerikanische Geselligkeit des frühen 20. Jahrhunderts. In einem amourösen Geplänkel ließ das Cello mit fraulicher Stimme aufhorchen. Ein ländlich flottes Tänzchen bekam Zwischenapplaus. Ein stürmischer und rhythmisch fordernder Applaus verdiente sich eine Zugabe. Mit einer Bachsequenz nahm Maximilian Hornung Abschied.

Die Sinfonie Nr. 36 Es-Dur, eine frühe Sinfonie Joseph Haydns, kann man mit ihren Wiederholungen geradezu totspielen. Aber die Sinfonietta Bodensee-Oberschwaben weckte mit herausgearbeiteten Details, einer ausgefeilten Dynamik und Klangschönheit das Leben, Glanz und Spannung des Werks. Hörner leuchteten und Oboen schimmerten über dem filigranen Gewebe der Streicher. Im Gespräch mit dem Violoncello von Matthew Brooke funkelte Ulrich Gröners Violine.

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