Gibt es ein Happy End für die syrische Familie von Malik B.?

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 Sie helfen den Migranten in allen Dingen des täglichen Lebens: Ramona Lock von den Johannitern und Uwe Hertrampf vom Helferkrei
Sie helfen den Migranten in allen Dingen des täglichen Lebens: Ramona Lock von den Johannitern und Uwe Hertrampf vom Helferkreis Asyl. (Foto: WoLfgang Steinhuebel/Johanniter)
Schwäbische Zeitung

Im „Pakt für Integration“ hat das Land Baden-Württemberg in diesem und im kommenden Jahr insgesamt 320 Millionen Euro eingeplant. Davon erhalten 180 Millionen Euro die Kommunen pauschal als Unterstützung für die Integrationsarbeit vor Ort. Das Kernelement des „Paktes für Integration“ ist die Förderung von Integrationsmanagern. Mit 116 Millionen Euro werden rund 1000 Stellen für Integrationsmanager in Städten, Gemeinden und Landkreisen finanziert. Diese sollen vor Ort Geflüchtete im Alltag individuell unterstützen, beraten und an Regeldienste verweisen. Die Johanniter stellen den Kommunen hierfür qualifizierte Integrationsmanager zur Verfügung.

Gibt es ein Happy End für die syrische Familie von Malik B.? (Name wurde von der Redaktion geändert). In einer 7000 Einwohner zählenden Gemeinde nördlich von Ravensburg hat die Familie ein neues Zuhause gefunden. Nach Jahren von Flucht und Trennung hat die vierköpfige Familie wieder eine Perspektive, heißt es in einer Pressemitteilung der Johanniter – und die liege in Deutschland.

Begonnen hatte das Unglück im Jahr 2011 mit dem Arabischen Frühling. Viele Syrer wollten eine friedliche Revolution, das Regime schlug die Proteste gewaltsam nieder. Malik B. war damals in leitender Position im Staatsdienst. Ihm wurde befohlen, auf Demonstranten zu schießen. Als er dies verweigert, kommt er für 45 Tage ins Gefängnis. Darauf folgte ein sechsmonatiger Hausarrest. Nachdem die Repressalien immer mehr zunahmen, flüchtete er mit seiner Frau und seinem damals 43 Tage alten Sohn in den Libanon. In einem kleinen Koffer hatten sie zum größten Teil Babysachen. Mehr konnten sie nicht mitnehmen, da ein Grenzfluss zu Fuß überquert werden musste. Als bekannt wird, dass das Regime nach ihm sucht, flüchtet er überstürzt allein in die Türkei. Frau und Kind bleiben im Libanon bei den Freunden zurück. Er will die Familie nachholen, das geht aber nicht, da der Reisepass der Frau abgelaufen ist.

Im Dezember 2015 landet er in einer Gemeinde bei Ravensburg. Zuerst wohnt er in einem 12 Quadratmeter großen Zimmer in einem Container, zusammen mit zwei anderen Landsleuten. Er versucht möglichst rasch Deutsch zu lernen und trifft dabei auf Uwe Hertrampf vom Helferkreis Asyl, der Deutschunterricht für Flüchtlinge, die bereits Englisch können, erteilt. Die Eheleute Hertrampf holen ihn und seine zwei Landsleute aus dem Container und quartieren sie bei sich zu Hause ein. „Es hat im Großen und Ganzen gut funktioniert“, wird Hertrampf in dem Pressetext zitiert.

Im Mai 2016 findet er eine eigene Wohnung. Nun versucht er seine Familie nach Deutschland zu holen – und nach einer Trennung von 20 Monaten kann Malik seine Frau und seinen Sohn wieder in die Arme schließen. Intensiv bemühen sich die Eheleute um Integration. Sie wissen beide, dass die Hauptvoraussetzung dafür ein gutes Deutsch ist. Malik spricht fast schon perfekt Deutsch, seine Frau bald auch.

Ein wenig Sorge bereitet ihnen ihr Status als Flüchtling, kann man dem Pressebericht entnehmen. Malik hat eine Aufenthaltserlaubnis von drei Jahren, sie einen sogenannten „Subsidiären Schutz“ von einem Jahr. Dann wird jeweils geprüft, ob im Heimatland die Voraussetzungen für eine Rückkehr gegeben sind. Zurzeit steht die Verlängerung ihres „Subsidiären Schutzes“ an. Dabei gibt es viele bürokratische Hindernisse zu überwinden, nicht ganz einfach für eine fremde Familie.

Hier hilft ihnen Ramona Lock, die Integrationsmanagerin ist. Seit Januar 2018 ist sie von den Johannitern für diese Aufgabe abgestellt, so der Pressetext. Im Rahmen des „Pakts für Integration“ betreut sie Menschen mit Migrationshintergrund. Sie hilft beim Ausfüllen von Formularen, Anträgen, knüpft Netzwerke und erstellt Zielvereinbarungen zu Ausbildung, Arbeitsplatz oder Sprachniveau. Ramona Lock betreut 144 Migranten aus 14 verschiedenen Nationen. Ursprünglich war einmal eine Quote von 1:80 im Gespräch. „Es ist ein gutes Gefühl, wenn man helfen kann, sei es nur ein Formular auszufüllen. Und ganz besonders beeindruckt mich immer wieder die Gastfreundschaft der Menschen“, sagt sie.

Die nächsten Wochen werden spannend für die Familie von Malik B. mit dem ungewissen Ausgang der Verlängerung des Aufenthalts für seine Frau. Dabei sind die Voraussetzungen gut, heißt es in dem Bericht weiter. Er hat den LKW-Führerschein gemacht und eine Arbeit als Kraftfahrer angetreten, die Familie ist gut in der Nachbarschaft integriert, es gibt gegenseitige Einladungen. Der inzwischen sechsjährige Sohn ist gerade eingeschult worden und die kleine Tochter fühlt sich wohl im Kindergarten. Eine Rückkehr nach Syrien schätzt Malik als unrealistisch ein. Die dort verbliebenen ehemaligen Kollegen würden ihn immer als Verräter ansehen.

Im „Pakt für Integration“ hat das Land Baden-Württemberg in diesem und im kommenden Jahr insgesamt 320 Millionen Euro eingeplant. Davon erhalten 180 Millionen Euro die Kommunen pauschal als Unterstützung für die Integrationsarbeit vor Ort. Das Kernelement des „Paktes für Integration“ ist die Förderung von Integrationsmanagern. Mit 116 Millionen Euro werden rund 1000 Stellen für Integrationsmanager in Städten, Gemeinden und Landkreisen finanziert. Diese sollen vor Ort Geflüchtete im Alltag individuell unterstützen, beraten und an Regeldienste verweisen. Die Johanniter stellen den Kommunen hierfür qualifizierte Integrationsmanager zur Verfügung.

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