Mann reinigt Regenrinne und löst Fischsterben aus: Was ist auf dem Privatgrundstück erlaubt?

Eine Frau reinigt eine Regenrinne mit einer Bürste und steht auf eine Leiter und ein Mann wäscht sein Auto mit einem Schwamm.
Egal ob es um das Reinigen der Regenrinne oder das private Autowaschen geht: Der Gewässerschutz muss beachtet werden, wenn Abwässer entstehen. (Foto: dpa/Christin Klose/Klaus-Dietmar)
Crossmediale Volontärin

Regenrinne sauber, 800 Fische tot: Das ist die Bilanz, nachdem ein Mann bei Bad Wurzach seine Dachrinne mit Chemikalien gereinigt hat. Was es beim Waschen von Autos, Ablassen des Wassers aus Swimmingpools und Herunterspülen in Toiletten zu beachten gibt.

Wo darf ich außer in einer Waschanlage mein Auto waschen?

Auf der Straße oder auf Parkplätzen darf man generell keine Autos waschen. Für das Autowaschen im eigenen Hof oder vor der Haustür gibt es keine bundesgesetzliche Regelung.

Jede Gemeinde entscheidet selbst, wie sie das Wasserschutzgesetz umsetzt. Darin steht, dass „eine Erlaubnis für das Einbringen und Einleiten von Stoffen in das Grundwasser nur erteilt werden darf, wenn eine nachteilige Veränderung der Wasserbeschaffenheit nicht zu besorgen ist“.

Das bedeutet, dass beim Autowaschen auf dem Privatgrundstück kein anfallendes Schmutzwasser in den Boden versickern darf, welches das Grundwasser belasten könnte. Wie genau diese Regelung ausgelegt wird, entscheidet jede Kommune selbst. Einige Gemeinden erlauben das Waschen von Autos auf privaten Grundstücken, andere nicht.

In Sigmaringen etwa ist das private Waschen von Autos erlaubt, wenn dadurch keine Gewässerverunreinigung zu befürchten ist. Das ist laut einem Merkblatt der Gemeinde dann der Fall, wenn das Auto ausschließlich mit klarem Wasser und ohne chemische Reinigungsmittel gesäubert wird.

In Baugebieten, in denen das Regenwasser versickert und eine getrennte Kanalisation von Regen- und Schmutzwasser besteht, dürfen Fahrzeuge, Geräte oder Maschinen weder auf öffentlichen Straßen noch auf Garagenvorplätzen gewaschen werden.

Ähnlich ist es in Ravensburg. Hier darf man sein Auto zwar waschen, wenn keine Zusatzmittel verwendet werden und keine Glatteisbildung möglich ist.

Sobald Zusatzstoffe ins Spiel kommen, darf man sein Auto nur auf solchen Flächen waschen, wo das Wasser in den Abwasserkanal fließen kann und es ausgeschlossen ist, dass das Wasser versickert. 

Generell verboten ist es laut Bußgeldkatalog, das Auto auf unbefestigtem Grund, zum Beispiel Rasen- oder Schotterflächen und dem eigenen Garten, zu waschen. Hier könnte das Schmutzwasser sonst das Grundwasser im Boden belasten. Eine Motorwäsche ist zu Hause generell verboten, da sich hier im Öl befindende Schadstoffe lösen können.

Wer giftige oder wassergefährdende Stoffe in das Grundwasser einbringt, muss in Baden-Württemberg mit einem Bußgeld von 500 bis 50 000 Euro rechnen.

Gibt es auch bestimmte Regeln zum Reinigen von Fahrrädern?

Beim Säubern von Fahrrädern, Pedelecs oder Mountainbikes gelten die üblichen Richtlinien wie bei allen Reinigungsvorgängen auch - ob das Autos, Dreiräder, Mopeds oder sonstige Fahrzeuge sind.

Insgesamt braucht ein Rad aber vergleichsweise wenig Pflegeaufwand, sagt eine Sprecherin des Fahrradclubs ADFC Baden-Württemberg.

Eingetrocknetes an Rahmen, Gabel, Dämpfer, Laufrädern und Antriebsteilen sollte man mit Wasser, einer weichen Bürste oder einem Schwamm einweichen, dann entfernen.

ADFC Baden-Württemberg

Mit einer weichen Bürste und etwas Wasser und gegebenenfalls etwas biologisch abbaubarem Spülmittel lässt sich der meiste Schmutz entfernen.

„Eingetrocknetes an Rahmen, Gabel, Dämpfer, Laufrädern und Antriebsteilen sollte man mit Wasser, einer weichen Bürste oder einem Schwamm einweichen, dann entfernen. Zudem gibt es spezielle Fahrrad- und Kettenreiniger, hier empfehlen wir natürlich auch umweltfreundliche Produkte, die es mittlerweile gibt“, so der ADFC Baden-Württemberg.

Das gelte auch für Kettenöl. Grundsätzlich sind Ölmengen bei Fahrrädern viel geringer als bei Autos.

Wie reinige ich meine Regenrinne?

Ist die Regenrinne am Regenwasserkanal angeschlossen, so ist es verboten, Reinigungsmittel zu verwenden, so eine Sprecherin der Stadt Ravensburg.

Am besten reinigt man die Regenrinne nur mit klarem Wasser. Das Wasser aus der Regenrinne läuft bei einer Trennkanalisation – hier werden Regenwasser und häusliches Schmutzwasser in zwei getrennten Kanälen abgeführt – nicht in die Kläranlage, sondern in Gewässer oder Versickerungsanlagen.

„Der Hausbesitzer muss klären, wohin das Wasser fließt“, sagt Sevan Tecer vom Wasserwirtschaftsamt im Landkreis Biberach. Chemikalien sollte man beim Reinigen nicht einsetzen, da diese sonst ins Wasser geleitet werden können.

In einem Gewässer können sie Flora und Fauna belasten, wie es beim Fischsterben bei Bad Wurzach der Fall war. Auch in der Kläranlage können giftige Stoffe das Kanalnetz angreifen oder Mikroorganismen im biologischen Klärprozess schädigen.

Wohin mit dem Wasser aus dem Swimmingpool?

Bei Swimmingpools unterscheidet Sevan Tecer zwischen kleinen Becken für Kinder und großen Pools im Garten. „Das Wasser in Kinderbecken wurde meist nicht behandelt, sondern normalerweise mit Trinkwasser gefüllt. Da ist es dann kein Problem, das Wasser zum Beispiel zum Gießen im Garten zu verwenden“, sagt er.

Große Pools, bei denen das Wasser mit Chemikalien wie Chlor behandelt wurde, sollten über die Kanalisation entsorgt werden.

Hier muss darauf geachtet werden, dass das Wasser bei getrennter Kanalisation von Regen- und häuslichem Abwasser nicht in den Regenablauf geleitet wird. Das Regenwasser wird häufig in Versickerungsanlagen oder Gewässer geleitet. Hier könnten Chemikalien das Grundwasser belasten.

Im Alb-Donau-Kreis empfiehlt das Landratsamt den Poolbesitzern, das Abwasser bei trockenem Wetter gedrosselt der öffentlichen Kanalisation (Schmutzwasser- oder Mischwasserkanalisation) zuzuführen. Eine gesonderte Genehmigung der Wasserbehörde sei dafür nicht notwendig, die Kosten sind über die Abwassergebühr der jeweiligen Kommune abgegolten.

Das Versickern oder Einleiten von gechlortem Wasser in Gewässer ist nicht erlaubt. Die Wasserbehörde des Landkreises erteilt dafür nur eine wasserrechtliche Erlaubnis erteilen, wenn kein Chlor oder andere Chemikalien und Zusatzstoffe mehr im Wasser vorhanden sind. Das muss mit einer Wasseranalyse nachgewiesen werden. Diese ist mit Kosten für den Poolbesitzer verbunden.

Was darf ich nicht in der Toilette herunterspülen?

Feuchttücher, Küchenrolle und Taschentücher sollten laut Umweltbundesamt nicht in der Toilette entsorgt werden. Da sich die Faserzusammensetzung von Toilettenpapier unterscheidet, zerfasern Küchenrollen nicht so schnell.

Außerdem werden bei der Herstellung von Küchenrollen und Taschentüchern synthetische Polymere verwendet, die nur schwer biologisch abbaubar sind und deshalb nicht ins Abwassersystem gehören.

Auch Küchenabfälle und Essensreste haben in der Kanalisation nichts zu suchen, sie ziehen Ungeziefer und Ratten an. Außerdem verschmutzen sie die Abwasseranlagen.

Generell sollten Flüssigkeiten, die das Kanalnetz beeinflussen können, nicht eingeleitet werden. „Dazu gehören Chemikalien, die zum Beispiel dazu führen können, dass Betonkorrosionen entstehen“, sagt Sevan Tecer. Dadurch könnten sonst das Kanalnetz und Kläranlagen geschädigt werden.

Medikamente sollten ebenso wie Farben, Lacke und Lösungsmittel nicht über die Toilette entsorgt werden, so das Umweltbundesamt. Diese Mittel enthalten oft Substanzen, die für Mikroorganismen schädlich sind und damit die biologische Reinigung in der Kläranlage gefährden können.

Wir haben die allgemeine Kommentarfunktion unter unseren Texten abgeschaltet. Für einzelne Texte wird es auch weiterhin die Möglichkeit zum Austausch geben. Aufgrund der Vielzahl an Kommentaren können wir derzeit aber keine gründliche Moderation mehr gewährleisten. Mehr Informationen zu unseren Beweggründen finden Sie hier.
Kommentare werden geladen

Persönliche Vorschläge für Sie