Gesundheitsreport: So krank und süchtig ist der Kreis Ravensburg

Lesedauer: 5 Min
Der Krankenstand im Landkreis Ravensburg ist 2018 gesunken.
Der Krankenstand im Landkreis Ravensburg ist 2018 gesunken. (Foto: Archiv: Jens Büttner)
Wolfgang Steinhübel

Der Krankenstand im Landkreis Ravensburg ist 2018 gesunken. Die Ausfalltage nahmen um 0,1 Prozentpunkte ab.

Mit 3,5 Prozent gab es in der Region nur einen etwas geringfügigeren Krankenstand als im Landesdurchschnitt mit 3,7 Prozent. Laut DAK-Gesundheitsreport waren somit an jedem Tag des Jahres von 1000 Arbeitnehmern 35 krankgeschrieben.

Die aktuelle Analyse, die nun schon zum zwölften Mal für den Landkreis Ravensburg durchgeführt wurde, zeigt die wichtigsten Veränderungen bei der Zahl und Dauer der Krankschreibungen.

Die Fehltage bei den psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Angstzuständen sanken um 16 Prozent. „Das kann aber auch unter anderem an der kürzeren Krankheitsdauer liegen“, sagte Markus Leibfahrt, Oberarzt für niederschwelligen Drogenentzug im ZfP Südwürttemberg, der Details und Auswirkungen des Reports in einem Pressegespräch kommentierte. Bei Bronchitis, Erkältungen und Mandelentzündungen nahmen die Fehlzeiten um 14 Prozent zu. Ihr Anteil am gesamten Krankenstand beträgt mittlerweile fast 15 Prozent.

Ravensburg hat Rücken

Rund jeder vierte Ausfalltag hatte eine Muskel-Skelett-Erkrankung als Ursache. Rückenschmerzen und Co. rangierten damit erneut auf Platz eins. „Mit unseren Analysen zum Krankenstand im Landkreis setzen wir gezielt beim Betrieblichen Gesundheitsmanagement an und bieten Arbeitgebern konkrete Hilfe,“ sagte Ute Spiess-Kaplan, Chefin der DAK-Gesundheit in Ravensburg.

 Im Pressegespräch werden Details und Hintergründe zum Gesundheitsreport 2019 erläutert (von rechts): Markus Leibfarth, Oberarzt
Im Pressegespräch werden Details und Hintergründe zum Gesundheitsreport 2019 erläutert (von rechts): Markus Leibfarth, Oberarzt für niederschwelligen Drogenentzug im ZfP Südwürttemberg, Ute Spiess-Kaplan, Leiterin des DAK-Servicezentrums Ravensburg und Heike Amann-Störk, Leiterin der Unternehmenskommunikation im ZfP. (Foto: Wolfgang Steinhübel)

Untersucht wurde auch, wie viele Erwerbstätige im Südwesten mit gravierenden Problemen durch Alkohol, Zigaretten und Computerspiele zu kämpfen haben. Analysen aus der ambulanten und stationären Versorgung, eine repräsentative Befragung von 5000 Beschäftigten sowie eine Expertenbefragung haben ergeben: Hunderttausende Beschäftigte in Baden-Württemberg haben ein Suchtproblem. Konkret bedeutet das: Rund 431000 Arbeitnehmer zeigen einen riskanten Alkoholkonsum – das ist jeder 13. Beschäftigte.

14,3 Prozent der Arbeitnehmer hierzulande sind zigarettenabhängig. Erstmals untersuchte der DAK-Report das Thema Computerspielsucht in der Arbeitswelt. Ergebnis: Rund 400 000 Beschäftigte in Baden-Württemberg zeigen ein riskantes Nutzungsverhalten.

Süchtige noch öfter krank

Der Gesundheitsreport zeigt, dass Arbeitnehmer mit Hinweisen auf eine so genannte Substanzstörung deutlich mehr Fehltage im Job haben, als ihre Kollegen ohne auffällige Probleme haben. Der Krankenstand der Betroffenen liegt mit 6,8 Prozent fast doppelt so hoch, bei psychischen Erkrankungen sind es sogar dreimal so viel Fehltage. ZfP-Oberarzt Leibfahrt dazu: „Bestimmte Erkrankungen treten in Folge von problematischem oder abhängigem Substanzkonsum häufiger auf. Dies trifft sowohl auf körperliche Erkrankungen, wie auch auf psychische zu.“

Klassisch sind natürlich beispielsweise Atemwegserkrankungen bei Nikotinabhängigkeit, aber auch psychische Störungen wie Depressivität oder Angststörungen können durch chronischen Substanzkonsum, zum Beispiel Alkohol, mit ausgelöst werden. Denkbar ist auch, dass Symptome wie Rückenbeschwerden in einem Teil der Fälle vorgeschoben werden, um Fehltage, die eigentlich durch Substanzkonsum bedingt sind, zu erklären.

Betroffene können sich unter anderem an ihre Krankenkasse wenden. Die Unterstützung ist vielfältig. Die DAK-Gesundheit bietet zum Beispiel mit einem neuen Online-Programm „Vorvida“ Hilfe bei Alkoholproblemen. Das Coaching hilft, den Alkoholkonsum zu reduzieren.

Die Zahlen im Überblick

Krankenstandquote 2018 im Vergleich

Bund: 4,2 Prozent

Baden-Württemberg: 3,7

Prozent Landkreis Ravensburg: 3,5 Prozent

Anteile der Erkrankungen an den Fehltagen im Landkreis Ravensburg 2018

Muskel-Skelett-System 24,5 Prozent

Atmungssystem 14,7 Prozent

psychische Erkrankungen 14,3 Prozent

Verletzungen 13,2 Prozent

Fehltage nach Erkrankungen im Jahresvergleich 2017/2018 im Landkreis Ravensburg

Muskel-Skelett-System 310/309

Atmungssystem 163/185

psychische Erkrankungen 214/180

Verletzungen 159/166

Meist gelesen in der Umgebung
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen