Gespuckt oder nicht gespuckt?

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Auf den ersten Akt im Streit der Ravensburger Schwarzen-Veri-Zunft mit zwei Mitgliedern folgte diese Woche der zweite. Nachdem sich der Fasnetsverein mit dem ehemaligen Zunftmeister im Juli geeinigt und den Zunftausschluss zurückgenommen hatte, trafen sich in der verbliebenen Streitsache nun die Zunftmeisterin und ein ehemaliges Zunftratsmitglied am Landgericht Ravensburg wieder. Der Mann wehrt sich ebenfalls gegen seinen Rausschmiss. Eine Richterin der Zivilabteilung hat zu entscheiden, ob der Vereinsausschluss wirksam war.

Die närrische Zeit gilt als Zeit der tollen Tage – doch wenn die Fasnet anbricht, ist offenbar längst nicht alles lustig. In der Verhandlung am Dienstag wurde von Missgunst und Zwietracht in der Schwarze-Veri-Zunft berichtet. Ein ehemaliges Zunftratsmitglied wird von der Zunft beschuldigt, über Monate Gift und Galle verbreitet zu haben, nachdem sein Favorit bei der Wahl zum Zunftmeister im Frühjahr 2017 nicht zum Zuge gekommen war. Der neuen Zunftmeisterin soll der Mann vor die Füße gespuckt und sie beschimpft haben, so die schwerwiegendsten Vorwürfe. Der von der Zunft Beschuldigte streitet alles ab und will trotz der Querelen zurück in die Arme der Schwarzen Veri, weil er mit vielen Mitgliedern ein gutes Verhältnis habe, sagte sein Anwalt Andreas Kohnke.

Vor Gericht wurden mehrere Zeugen gehört, die sowohl vom Verein als auch vom Ausgeschlossenen benannt worden waren, weil sie angeblich Erhellendes zum Fall sagen konnten. Zu den Tatorten soll das Oktoberfest in Mochenwangen vor einem Jahr zählen. Eine Schwierigkeit: Es soll auch Alkohol getrunken worden sein – über die genauen Mengen ist nichts bekannt. Eine Zeugin berichtete, dass der inzwischen Ausgeschlossene dort auch sie beleidigt habe. „Er ist an uns vorbeigelaufen und hat sich den Finger in den Hals gesteckt“, sagte sie im Zeugenstand. Dabei habe er ein Würgegeräusch gemacht. „Er fand uns offenbar zum Kotzen.“

Sage und schreibe dreieinhalb Stunden saß die Richterin mit den Streithähnen und ihren Anwälten zusammen. Die Posse hatte sogar einige Zuhörer angelockt. Gespuckt oder nicht gespuckt? Wüste Beleidigungen ausgestoßen oder nicht? Zentrale Fragen der Angelegenheit scheinen weiter offen zu sein. „Es muss ein Fortsetzungstermin bestimmt werden, außer die Parteien werden sich doch noch einig“, teilte das Gericht nach der Verhandlung mit, die sich bis in den Abend hinein zog.

Eine Einigung? Obwohl die Stimmung im Gerichtssaal zwischen den Gegnern eisig war, nimmt der Anwalt des Ausgeschlossenen Tauwetter wahr: Der Wille der Zunft, den Ausschluss um jeden Preis durchzusetzen, sei schwächer geworden und die Gespräche, die man miteinander führe, wieder freundlicher, sagte Rechtsanwalt Kohnke am Freitag. Bis jetzt seien die Vorwürfe gegen seinen Mandanten nicht bestätigt worden, so sein Eindruck. Der Anwalt der Zunft meldete sich auf Anfrage am Freitag nicht zurück.

Apropos um jeden Preis: Das Verfahren kostet nach Angaben des Gerichts nach aktuellem Stand zwischen 4500 und 5000 Euro. Bezahlen muss der Verlierer – oder bei einer Einigung beide Beteiligte zu vermutlich gleichen Teilen.

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