Selbst die Großen werden von ihren Eltern direkt vor die Schule gefahren. Dafür missachten manche sogar alle Verkehrsregeln
Selbst die Großen werden von ihren Eltern direkt vor die Schule gefahren. Dafür missachten manche sogar alle Verkehrsregeln (Foto: Hannah Bucher)
ACE und Hannah Bucher

Der Auto Club Europa (ACE) hat anlässlich seiner Aktion „Goodbye Elterntaxi“ die Kuppelnauschule in Ravensburg besucht. Ehrenamtliche Helfer beobachteten vor Schulbeginn die Verkehrssituation rund um die Schule und dokumentierten sie. Mit seiner Aktion möchte der Autoclub auf die Gefahr „Elterntaxi“ aufmerksam machen und die häufigsten Verstöße aufdecken. Von diesen gab es einige.

An diesem Morgen herrscht rund um die Kuppelnauschule nur wenig Verkehr. Allerdings scheinen all diejenigen, die ihre Kinder mit dem Auto zu Schule bringen, sämtliche Verkehrsregeln vergessen zu haben. Jeweils zwei ehrenamtliche Helfer des ACE haben sich an verschiedenen Punkten rund um die Kuppelnauschule positioniert. Sie beobachten das Fahrverhalten der sogenannten Elterntaxis und notieren deren Verkehrsverstöße: Insgesamt halten sich an diesem Morgen 19 Autofahrer nicht an die gängigen Regeln im Verkehr. Neben Parken auf dem Gehweg, im Halteverbot, in einer Einfahrt oder mitten auf der Straße mit eingeschalteter Warnblinkanlage sind alle Verkehrssünden dabei. Außerdem kreuzen zahlreiche Eltern in der Schützenstraße die Fahrbahn, um an der linken Fahrbahnseite, und damit näher an der Schule, zu parken. Zudem lässt ein Großteil die Kinder zur Fahrbahnseite aussteigen. Ein weiterer Vater steht gemeinsam mit den beiden Kindern auf der Straße, während diese sich den Schulranzen anziehen. Anschließend begleitet er sie bis in die Schule, während er seinen Wagen auf dem Gehweg stehen lässt. Mit diesem Verhalten bringen die Eltern an der Kuppelnauschule nicht nur ihre eigenen Kinder, sondern auch die übrigen Verkehrsteilnehmer in Gefahr.

Doch warum werden so viele Kinder mit dem Auto zur Schule gebracht? Angesprochen auf diese Frage geben viele Eltern Zeitdruck als Grund an. „Normalerweise kommt meine Tochter mit dem Fahrrad. Aber heute waren wir zu spät dran“, sagt ein Vater, als er seine Tochter direkt am Schulhofvorplatz im Halteverbot aussteigen lässt. Ein weiteres Kind steigt mit den Worten „Mama, wann lässt du mich mal wieder laufen?“ aus. Die murmelnde Antwort der Mutter: „Wenn wir nicht so spät dran sind.“

Roswitha Malewski, Rektorin der Grundschule Kuppelnau, sieht in dem Ergebnis der Auswertung jedoch eine gute Entwicklung. Denn obwohl einige Kinder noch immer mit dem Auto zur Schule gebracht werden, stellt sie eine deutliche Verbesserung der Verkehrssituation fest. Seit Mitte Mai können Eltern ihre Kinder an acht rund um die Kuppelnauschule verteilten Elternhaltestellen aussteigen lassen. Diese liegen knapp 200 Meter von der Schule entfernt, sodass die Kinder den restlichen Weg zu Fuß gehen können. „Der Großteil unserer Schüler kommt zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Roller“, sagt Roswitha Malewski. Dieser Trend habe sich noch weiter verstärkt, seit die Schule mit einer Aktion auf die Elternhaltestellen aufmerksam macht, so Malewski.

Da Initiativen wie die Elternhaltestellen noch nicht an allen Schulen angekommen sind, will sich der ACE mit seiner Aktion „Goodbye Elterntaxi“ bundesweit für eine bessere Verkehrssicherheit bei der Schulanfahrt einsetzen. Dafür analysiert und bilanziert er mithilfe ehrenamtlicher Mitglieder die aktuellen Situationen im unmittelbaren Umfeld ausgesuchter Schulen. „Seit Testbeginn im März sind einige Schulen auf uns zugekommen, sodass wir unsere Aktion bis nach den Sommerferien verlängern werden“, sagt ACE-Regionalbeauftragter Reinhard Mohr. Nach der Auswertung der Ergebnisse können sich die Schulen und Elternbeiräte beraten lassen. Zusätzlich möchte der ACE mit den zuständigen Kommunen die Standortanalysen besprechen, um so Lösungskonzepte zu erarbeiten. Zum Schulbeginn 2019 möchte der Autoclub außerdem einen aktuellen Verkehrssicherheitsbericht veröffentlichen. „Wir wollen die Elterntaxis nicht generell verteufeln“, sagt Reinhard Mohr. Ihm sei bewusst, dass sich Familien verkehrstechnisch organisieren müssen. „Wir wollen Eltern aber dafür sensibilisieren, nicht direkt an den Schulen zu halten.“ So möchte der Autoclub das Verkehrsverständnis der Kinder stärken und die Unfallgefahr besonders im direkten Schulumfeld mit dem Auto reduzieren.

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