Gemeinschaftsschule wird nach Schuhmacherwitwe benannt

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Schwäbische Zeitung
Barbara Müller

Die Gemeinschaftsschule in der Südstadt soll – vorbehaltlich der abschließenden Entscheidung des Gemeinderats am kommenden Montag – den Namen „Barbara-Böhm-Gemeinschaftsschule“ erhalten. Diesem Vorschlag stimmten die Mitglieder des Bildungs- und Sozialausschusses der Stadt Ravensburg in ihrer Sitzung am Mittwoch nach eingehender Beratung zu. Bereits am 25. April hatte sich die Schulkonferenz einstimmig für diesen Namen ausgesprochen.

Mit der Namenssuche für die neue Gemeinschaftsschule hatten sich die politischen Gremien bereits im März beschäftigt. Eine Arbeitsgruppe mit politischen und schulischen Vertretern war beauftragt worden, entsprechende Namensvorschläge zu generieren. Zur Wahl in der Schulkonferenz standen letztlich die Namen „Gemeinschaftsschule Neuwiesen“, „Schulzentrum Neuwiesen“, Gemeinschaftsschule Ravensburg-Süd“ und „Barbara-Böhm-Gemeinschaftsschule an Neuwiesen“.

Rolf Engler (CDU) regte an, dass im Namenszug der Gemeinschaftsschule im Süden der Stadt der Zusatz „Neuwiesen“ erhalten bleiben sollte. Ravensburg bekenne sich mit den Gemeinschaftsschulen Kuppelnau und Neuwiesen klar zu zwei Schulstandorten. Der Zusatz „Neuwiesen“ fungiere nach Meinung der CDU-Fraktion daher sowohl als geografisches wie auch als inhaltliches Symbol, so August Schuler (CDU). Die anderen Fraktionen sprachen sich gegen einen Neuwiesen-Zusatz aus. Der Name Barbara Böhm, der für eine starke, innovative Handwerksfrau stehe, sei ein schönes Signal für die neue Gemeinschaftsschule, sagte Maria Weithmann (Grüne) und auch Wolfgang Engelberger (SPD) lobte die „mutige Entscheidung“, für das neue Schulsystem auch einen neuen Namen zu wählen. Der Name „Neuwiesen“ bleibe dennoch erhalten, betonte Oberbürgermeister Daniel Rapp. Die Barbara-Böhm-Gemeinschaftsschule habe ihren Standort schließlich auf dem „Schulcampus Neuwiesen“.

„Eine außergewöhnliche Frau“

Die Schuhfabrikantin Maria Barbara Böhmin sei eine außergewöhnliche Frau gewesen, berichtete die Kulturwissenschaftlerin Dorothee Büker den Ausschussmitgliedern. Was dieser Frau im 18. Jahrhundert gelang, ist fast einzigartig in der reichsstädtischen Geschichte. Büker: „Als Witwe wurde sie zur reichsten Schuhmacherin innerhalb der Ravensburger Schuhmacher-Zunft.“ Maria Barbara Böhmin lebte von 1763 bis 1810. Mit 19 Jahren heiratete die Bäckertochter den Ravensburger Schuhmacher Johann Georg Böhm, der nach nur siebenjähriger Ehe starb. Von den vier Kindern der Böhms erreichte nur eins, eine Tochter, das Erwachsenenalter und überlebte die Mutter. Als Witwe war es der Böhmin erlaubt, den Betrieb des Ehemanns fortzuführen, sofern ein Geselle in der Werkstatt beschäftigt war. „Dieses Witwenrecht war in vielen anderen Reichsstädten in der Regel befristet“, berichtete Dorothee Büker. In Ravensburg aber galt es zeitlich unbegrenzt. Die außergewöhnliche Schuhmacherwitwe heiratete nicht wieder, sondern baute den bestehenden Betrieb aus, wagte den Sprung in eine moderne Produktionsform und erschloss neue Absatzmärkte in der benachbarten Schweiz. Als sie mit 47 Jahren an Tuberkulose starb, hinterließ sie ihrer Tochter ein beachtliches Vermögen.

Rolf Englers Nachfrage nach der sozialen Verbundenheit zur Stadt oder einem etwaigen Sozialengagement von Barbara Böhm beantwortete die Kulturwissenschaftlerin mit dem Hinweis, dass es im 18. Jahrhundert keinen Handwerker gegeben hätte, der sozial tätig gewesen sei. Damals seien die Wirtschaftlichkeit und der Kampf ums Überleben im Vordergrund gestanden.

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