Gemeinderäte wollen Laubbläser verbieten

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Für viele ein Hassobjekt: der Laubbläser. Die Bürger für Ravensburg wollen die Geräte verbieten lassen.
Für viele ein Hassobjekt: der Laubbläser. Die Bürger für Ravensburg wollen die Geräte verbieten lassen. (Foto: Archiv: David Ebener/dpa)
Annette Vincenz

Sie reißen Menschen aus dem Schlaf, weil sie einen Höllenlärm verursachen. Besonders umweltfreundlich sind sie auch nicht, denn sie produzieren Abgase, wirbeln Feinstaub, Schimmelpilze, Sporen oder Hundekot auf. Die Rede ist von Laubsaugern, die im Oktober Hochkonjunktur haben. Die Bürger für Ravensburg wollen die Geräte gerne verbieten lassen und haben jetzt einen entsprechenden Antrag an die Stadtverwaltung gestellt.

Wilfried Krauss, der Fraktionsvorsitzende der BfR im Ravensburger Gemeinderat, weiß selbst, „dass das Thema superemotional ist“. Mit Laubsaugern lassen sich die abgefallenen Blätter der Bäume schnell und bequem beseitigen. Die gleiche Arbeit mit der umweltfreundlichen und zudem leisen Alternative – dem Kehrbesen – zu erledigen, kostet deutlich mehr Zeit, Muskelkraft und macht weniger Spaß. „Durch den Laubbläser gelangen mehr als zehnmal so viele Partikel in die Luft wie mit einem Rechen“, meint Krauss. Weil dies nicht besonders umweltfreundlich sei, hätten verschiedene Kommunen wie Starnberg oder Graz bereits freiwillig auf den Einsatz der Geräte verzichtet und an die Bevölkerung appelliert, das Gleiche zu tun.

270 Gramm Kohlenwasserstoffe

Das wäre das Mindeste, was die Ravensburger Stadtverwaltung tun könnte. Lieber wäre es den Bürgern für Ravensburg jedoch, Laubbläser gleich ganz zu verbieten. Bis zum Frühjahr sollte die Verwaltung ein Konzept vorlegen, wie das verwirklicht werden kann.

Am meisten stören Laubsauger wegen des Lärms, den sie verursachen: bis zu 110 Dezibel. Das ist lauter als so mancher Presslufthammer oder viele Kreissägen. Ab 85 Dezibel können Menschen Hörschäden erleiden, weshalb die Nutzer einen Ohrenschutz tragen sollen. Aber auch Tiere leiden unter dem Einsatz der Geräte. Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) warnt, dass Laubsauger einen Sog von 160 Stundenkilometern erzeugen und so nützliche Insekten zerhäckseln. Mitunter werden auch niedliche kleine Igel zerstückelt, die sich in den hohen Laubhaufen verstecken und dort überwintern wollen.

Ältere Laubsauger werden mit Zweitaktmotoren betrieben und stoßen laut einer Studie des Bundesumweltamtes 270 Gramm unverbrannte Kohlenwasserstoffe aus – 200 Mal so viel wie ein Auto mit Katalysator. Wenn schon Laubsauger, sollten deshalb lieber elektrisch betriebene gewählt werden. Aber auch die verhindern nicht, dass beim Einsatz auf Straßen und Wegen Feinstaub mit Dieselruß und Reifen-Abrieb aufgewirbelt wird, also krebserregende Substanzen, die eingeatmet werden können.

In Wohngebieten nur werktags

Was viele nicht wissen: Laubbläser oder -sammler dürfen ebenso wie Freischneider und Grastrimmer beziehungsweise Graskantenschneider laut Bundesimmissionsschutzgesetz nicht von morgens bis abends betrieben werden. Ihre Verwendung ist in Wohngebieten nur an Werktagen zwischen 9 und 13 Uhr und zwischen 15 und 17 Uhr erlaubt. Im Vergleich: Ein gewöhnlicher Rasenmäher darf werktags von 7 bis 20 Uhr durchgängig benutzt werden – die Mittagsruhe wurde in Ravensburg schon vor Jahren abgeschafft.

Die Ravensburger Stadtverwaltung will selbst übrigens nicht auf Laubbläser verzichten. Sie setzt sowohl Kehrmaschinen als auch Laubgebläse ein, äußerte sich Ute Beutel von der städtischen Pressestelle auf Anfrage der „Schwäbischen Zeitung“. „Die Kehrmaschine nimmt das Laub flächig auf, kann aber auf Schotterwegen, Grünanlagen und in engen Bereichen nicht eingesetzt werden. Die Laubgebläse werden dazu verwendet, das Laub so zusammenzublasen, dass es von der Kehrmaschine oder von Hand aufgenommen werden kann.“

Problem sind die privaten Laubbläser

Alternativ zum Laubgebläse könne das Laub zwar auch mit Rechen oder Besen zusammengetragen werden. Die Flächenleistung sei dabei aber deutlich geringer. Bei den großen Flächen – Straßen und Grünanlagen – die die Stadt pflegen muss, sei die Flächenleistung jedoch der Ausschlag gebende Faktor. Beutel: „Ohne den Einsatz von Laubgebläsen muss erheblich mehr Personal – mit Besen und Rechen – eingesetzt werden. Die Kosten währen beträchtlich.“

Immerhin würden von den 20 Geräten des städtischen Betriebshofs aber zwischenzeitlich ein Drittel mit Akkus betrieben. Problematischer ist nach Ansicht der Stadtverwaltung der Trend, dass auch viele private Haushalte mit Laubbläsern ausgestattet sind. „Im Vergleich zu den wenigen Laubgebläsen der Stadt dürfte die Summe in den Privathaushalten um ein Vielfaches höher liegen.“ In den meisten Fällen würden die privaten Laubbläser nur eingesetzt, um wenige Meter Gehweg oder kleine Gartengrundstücke sauber zu halten. Die Flächenleistung spiele in diesen Bereichen keine Rolle.

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