Claus Scheuber (rechts) und seinen Kollegen Abdouli (mitte) und Asan (links) mit ihrem neuen Werkzeug, dem Amadeus-Stab.
Claus Scheuber (rechts) und seinen Kollegen Abdouli (mitte) und Asan (links) mit ihrem neuen Werkzeug, dem Amadeus-Stab. (Foto: Jonas Schmitt)
Jonas Schmitt

Seit drei Jahren bekämpft Claus Scheuber im Rahmen seines Springkrautprojekts sogenannte Neophyten im Landkreis Ravensburg. Dabei handelt es sich um Pflanzen, die in unserer Region nicht heimisch sind und die hiesige Flora verdrängen, zum Beispiel Springkraut. Sein Team ehrenamtlicher Helfer besteht zum größten Teil aus Asylsuchenden. Seit zwei Monaten arbeitet sein Projekt mit einem eigens für ihre Arbeit entwickeltem Werkzeug und erzielt große Erfolge, auch jenseits der Neophyten-Bekämpfung, sagt Scheuber.

Bis zu sechsmal in der Woche zieht Claus Scheuber mit seinen Kollegen los, um im Landkreis Ravensburg Drüsiges Springkraut und andere Neophyten zu bekämpfen. Gearbeitet wird vor allem in den Gemeinden Ravensburg, Weingarten, Schlier, Berg, Grünkraut und Horgenzell. Wie erfolgreich sein Springkrautprojekt die unliebsamen Pflanzen bekämpft, veranschaulicht Scheuber anhand einer rund sechs Hektar großen Lichtung nahe des Ermlandhofs in Weingarten. Bei ihrer ersten Begehung zwischen Juni und Juli hätten sie gut zwei Tag benötigt, um alle Exemplare der Pflanze herauszureißen. Bei ihrer letzten Begehung vergangenen Dienstag seien sie den verbliebenen Pflanzen in wenigen Stunden gerecht geworden. Ein weiterer Erfolg des Projekts sei der Erholungswald Hirschgehege: „Der gesamte Wald von Ravensburg bis Weingarten ist frei von Springkraut. Wer trotzdem eins findet darf’s mit nach Hause nehmen“, sagt Scheuber.

Bekämpft werde der Neophyt seit drei Jahren mit der selben Methode. Solange die Samen in der Pflanze noch grün sind und nicht keimen können werden die Pflanzen ausgerissen. Wenn die Pflanze dafür zu stark verwurzelt ist, wird sie von den Helfern bodennah abgeschlagen. Neu in diesem Jahr ist das Werkzeug, mit dem gearbeitet wird: der sogenannte Amadeus-Stab. Seinen Namen verdankt das Hilfsmittel seinem Erfinder, Klaus Stützenberg der den Spitznamen Amadeus trägt und das Springkrautprojekt unterstützt hat. Dabei habe er aus Ermangelung an einem geeigneten Werkzeug kurzerhand eines erfunden, erklärt Scheuber.

15 Amadeus-Stäbe angefertigt

Der Amadeus-Stab erinnert an eine Mischung aus einem Hockeyschläger und einer Sense, die sowohl an der Innen- als auch der Außenseite geschärft ist. Mit diesem Werkzeug kann das Springkraut durch Zieh- und durch Stechbewegungen präzise abgeschlagen werden. Durch den langen Stab erhöht sich außerdem die Reichweite der Helfer. Insgesamt 15 Amadeus-Stäbe wurden eigens für das Projekt angefertigt und machen die Ehrenamtlichen in ihrer Tätigkeit effizienter.

Den Erfolg des Projekts sieht Scheuber nicht nur darin, dass das Springkraut in den bearbeiten Gebieten zurückgedrängt wurde, sondern auch in der Hilfestellung, die er den Flüchtlingen mit denen er zusammenarbeitet gibt. Von den rund 110 ehrenamtlichen Helfern der vergangenen drei Jahre, habe er nach eigenen Angaben gut 100 in Arbeit oder Ausbildungsplätze vermittelt. Über seine Projektarbeit könne er sich ein Bild über die Fähigkeiten und die Persönlichkeit seiner Kollegen machen. Zudem würde ihnen durch die Tätigkeit Teamwork, Pünktlichkeit und Verantwortung näher gebracht. Dann bräuchte es, Scheuber zufolge, für gewöhnlich nur noch einen Anruf zur Vermittlung an einen Arbeitsplatz oder eine Ausbildungsstelle.

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