Gedenken soll nicht zur Routine erstarren

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Schwäbische Zeitung

Politisches Gedenken erstarrt oft in Routine und Ritualen. Anders die jährlichen Gedenkveranstaltungen, die am und um den 27. Januar in Ravensburg stattfinden.

Vom Liederabend über die Theateraufführung bis zum Rockkonzert sind es ganz unterschiedliche Veranstaltungen, die in den nächsten Wochen angeboten werden und die geeignet sind, historische Fragen zu beantworten wie aktuelle Bezüge herzustellen.

Seit 1996 wird in Deutschland der 27. Januar als Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus begangen. Der damalige Bundespräsident Roman Herzog hat den Gedenktag eingeführt, das Datum selber erinnert an die Befreiung der Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau durch Soldaten der Roten Armee am 27. Januar 1945.

Eröffnet wird die Reihe der Ravensburger Gedenkveranstaltungen am Montag, 13. Januar: „Ich bin in Sehnsucht eingehüllt“, so lautet der Titel des Liederabends, der im Evangelischen Matthäus-Gemeindehaus stattfindet. Der Ravensburger Uwe Lüer hat Gedichte der jüdischen Lyrikerin Selma Meerbaum-Eisinger vertont, die aus Czernowitz stammte und im deutschen Arbeitslager Michailowka ums Leben kam. Gesungen werden sie von Ulrike Clausen-Köberle, der Komponist selber begleitet sie am Klavier. Ergänzend lesen Anne Klenota und Dirk Polzin aus dem Briefwechsel von Sophie Scholl und Fritz Hartnagel: „Damit wir uns nicht verlieren“. Veranstalter ist die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Begegnung in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt Ravensburg.

Am 28. Januar liest die Jugendbuchautorin Elisabeth Zöller aus ihrem Tatsachen-Thriller über die Edelweißpiraten: „Wir tanzen nicht nach Führers Pfeife“. Die Veranstaltung für Schulklassen findet im Kornhaussaal statt. Weitere Schülerveranstaltungen organisiert das ZfP Südwürttemberg am 21. und 23. Januar; dabei steht die sogenannte Euthanasie im Mittelpunkt: die gezielte Ermordung von psychisch Kranken und Behinderten.

Am 27. Januar selber wird der Opfer der Euthanasie in Weißenau gedacht: mit Kranzniederlegung am Mahnmal Weißenau und 691 Glockenschlägen – ein Glockenschlag für jeden Patienten der damaligen Heil- und Pflegeanstalt Weißenau, der in den Jahren 1940/41 in Grafeneck vergast wurde. Am Abend des 27. Januar, 19 Uhr steht im Theater Ravensburg das Stück „Empfänger unbekannt“ auf dem Programm, in einer Inszenierung des Theaters Lindenhof. Bei dem Stück handelt es sich um die Dramatisierung eines Briefromans, der 1938 erschienen ist und in dem einfühlsam nachgezeichnet wird, wie eine Freundschaft an den politischen Verhältnissen gescheitert ist.

Am Samstag, 1. Februar, schließlich rockt Oberschwaben für Toleranz und gegen rechts. Ab 17 Uhr findet in der Oberschwabenhalle ein Kultur- und Musikfestival statt mit Auftritten von Jennifer Rostock, DJ Troy Savoy, Moveo und vielen mehr. Oberschwaben ist bunt, so lautet das Motto des Festivals.

Zu den Gedenkveranstaltungen ist ein Flyer erschienen, erhältlich im Kulturamt der Stadt Ravensburg, Telefon 0751/82168. Karten sind erhältlich bei der Tourist Information.

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