Gambier nach Geständnis wegen Marihuana-Handel verurteilt

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 Wegen des Handelns mit Marihuana muss ein Asylbewerber aus Gambia für vier Jahre und sechs Monate ins Gefängnis.
Wegen des Handelns mit Marihuana muss ein Asylbewerber aus Gambia für vier Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. (Foto: dpa)
Wolfgang Steinhübel

Der Prozess gegen einen Asylbewerber aus Gambia ist am Mittwochnachmittag bereits am zweiten Verhandlungstag vorzeitig zu Ende gegangen. Die Erste Große Strafkammer des Landgerichts Ravensburg verurteilte den Mann wegen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten.

Gleich zu Beginn des zweiten Prozesstages hatte der Mann auf Anraten seines Verteidigers ein umfangreiches Geständnis abgelegt und damit die Verfahrensdauer entscheidend verkürzt. Er gab an, einmal mit fünf und einmal mit sechs Kilo Marihuana gehandelt zu haben.

Zweifel an Alkoholkonsum des Angeklagten

Damit war nur noch zu klären, ob der Angeklagte wegen hohen Alkoholkonsums bei den Taten beeinträchtigt war und ob eine Entziehungskur angeordnet werden sollte. Der psychiatrischen Sachverständigen Kerstin Schwarz hatte er berichtet, dass er täglich bis zu einem Kasten Bier konsumiere oder eine Flasche Wodka plus Bier. Außerdem berichtete er von Schlafstörungen und Albträumen.

Die Gutachterin schloss eine Alkoholabhängigkeit aus. Aus forensisch psychiatrischer Sicht hätten sich keine Hinweise auf Erkrankungen gezeigt. Dass er gewissenhaft seine Arbeit als Küchenhilfe verrichtete und sogar Aussicht auf Beförderung gehabt hätte, spreche nicht für eine Abhängigkeit. Sie stellte die Angaben des Gambiers in Zweifel. „Wenn Sie jeden Tag eine Kiste Bier trinken, können Sie nicht am nächsten Morgen ohne Restalkohol arbeiten und das hätte man bemerkt.“ Sie schloss eine Kausalität zur Tat aus, eine Unterbringung zur Entziehung ebenfalls.

Beim Plädoyer der Staatsanwaltschaft fließen Tränen

Auch der Staatsanwalt sah keine Steuerungs- und Funktionsstörung gegeben und alle Tatvorwürfe seien bestätigt. Keineswegs sei der Beschuldigte nur ein Vermittler gewesen – er habe das Marihuana gekauft und in Umlauf gebracht. Er forderte in seinem Plädoyer eine Strafe von fünf Jahren und drei Monaten. Als der Angeklagte dies hörte, schlug er die Hände vor das Gesicht und begann zu weinen.

Rechtsanwalt Norbert Kopfsguter beantragte ein wesentlich milderes Urteil. Er bemängelte unter anderem die seiner Ansicht nach zu lange Überwachungsdauer durch die Kriminalpolizei. Ein Zugriff hätte schon viel früher erfolgen, weitere Straftaten verhindert werden können. Zudem wären dann die sechs Kilo Marihuana aus der zweiten Lieferung nicht in den Umlauf gekommen.

Hoher Wirkstoffgehalt erhöhrt Strafmaß

Der Vorsitzende Richter Veiko Böhm betonte in seiner Urteilsbegründung, dass es sich in diesem Fall um eine große Menge Marihuana gehandelt habe. Auch der hohe Wirkstoffgehalt von acht Prozent THC (Tetra-Hydrocannabinol) habe bei der Strafbemessung eine Rolle gespielt.

Für den Angeklagten habe in allererster Linie sein voll umfängliches Geständnis gesprochen, außerdem sei er nicht vorbestraft. Gegen ihn sprach das vernetzte, eingespielte und konspirative Verhalten: „Sie haben problemlos mehrere Kilo innerhalb von ein bis zwei Wochen unters Volk gebracht“, sagte Böhm.

Zum Schluss redete er dem Angeklagten ins Gewissen: „Sie haben großes Unrecht begangen. Ihre Motive bleiben im Dunkeln. Es ist tragisch, weil Sie eigentlich eine vorbildliche Entwicklung in Deutschland genommen haben. Sie haben Ihre berufliche Chance genutzt, aber wenn das nicht reicht, muss man die Konsequenzen tragen und dafür gehen Sie ins Gefängnis.“ Mit diesem Urteil sind die Chancen auf eine Asylbewilligung fraglich geworden. Gegen das Urteil kann er innerhalb einer Woche Revision einlegen.

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