Dieses Foto des „Gambia Verein Ravensburg“ entstand bei einer Mitgliederversammlung am 6. August. In der Mitte Claus Scheuber,
Dieses Foto des „Gambia Verein Ravensburg“ entstand bei einer Mitgliederversammlung am 6. August. In der Mitte Claus Scheuber, dahinter der Vorsitzende Foday Jallow. (Foto: privat)

Der Landkreis Ravensburg hat einen neuen Kulturverein: Seit 4. April gibt es den Gambia-Verein Ravensburg, seit Anfang Juli ist er als „Gambia Verein Ravensburg e.V.“ ins Vereinsregister eingetragen. Die Ziele des Vereins sind vielfältig: Anlaufstelle für Menschen aus Westafrika, Netzwerk zu sein und vor allem: sich der Probleme der Menschen aus diesem Kulturkreis anzunehmen.

Die meisten der Menschen aus Gambia kamen nämlich als Flüchtlinge nach Oberschwaben, wenn man zum Beispiel an die Gemeinschaftsunterkünfte in Berg-Kanzach, im Haus am Weiher in Altshausen oder auch an die Schützenstraße in Ravensburg denkt. Dort waren viele Gambier untergebracht. Jetzt, nach etwa zwei Jahren, endet deren Zeit in der Erstunterbringung. Viele von ihnen haben bereits eine Arbeitsstelle gefunden und befinden sich auf Wohnungssuche.

257 gambische Staatsangehörige

Claus Scheuber schätzt, dass allein in Ravensburg und Weingarten etwa 120 Gambier leben. Laut Zahlen der Ausländerbehörde des Landratsamts Ravensburg (nicht zuständig für die Städte Ravensburg, Weingarten, Isny, Leutkirch und Wangen) leben in den Kommunen des Landkreises 257 gambische Staatsangehörige. Davon befinden sich 207 Personen im Asylverfahren (vorläufige Unterbringung und Anschlussunterbringung), 25 Personen sind geduldet (das heißt abgelehnt, können aber nicht abgeschoben werden, da ein Abschiebehindernis vorliegt), bei einer Person wurde ein Abschiebeschutz hinsichtlich Gambia festgestellt. Die verbleibenden 25 Personen verfügen entweder über einen Aufenthaltstitel (zum Beispiel Aufenthaltserlaubnis, Visum, Blaue Karte).

„Der Gambia Verein will hier tätig werden und die Menschen unterstützen“, sagt Claus Scheuber, der der Initiator für den Gambia-Verein Ravensburg war. Denn oft wollen Vermieter ihre Wohnungen nicht an Flüchtlinge vermieten. Hier kann der Verein einspringen, als tragende Körperschaft auftreten, und somit den Asylbewerbern, einige von ihnen seien bereits anerkannt, eine Chance auf Wohnraum geben. Wenn der Verein die Verantwortung übernimmt, haben nämlich die Vermieter eine Sicherheit, meint Claus Scheuber. Er stellt sich zum Beispiel vor, im ersten Schritt leer stehende Immobilien in Ravensburg konkret anzugehen, „denn Wohnraum ist da“. Aber es ist nicht nur Wohnraum in Ravensburg gefragt, sondern überall, wo Flüchtlinge leben und arbeiten. Überall im Schussental und auch darüber hinaus.

Außerdem habe es bereits Gespräche mit der Ravensburger Handwerkervereinigung „Handwerk Pro Ravensburg“ gegeben, die sich bereit erklärt habe, manche Wohnungen, die vielleicht auch nur ein paar wenige Jahre noch Bestand haben mit einfachen Mitteln („low budget“) herzurichten und bewohnbar zu machen. „Das Handwerk braucht die Arbeitskräfte, und deswegen sind auch viele Gambier im Handwerk tätig“, berichtet Claus Scheuber, der sich schon seit Jahren im Helferkreis Ravensburg engagiert, die Bedürfnisse und Probleme – speziell von Gambiern und Menschen aus Westafrika – genau kennt. Bei Themen wie etwa Abschiebungen, was auch vorkommt, wird der Verein an die entsprechenden Stellen wie etwa Pro Asyl oder Amnesty International verweisen, die in diesen Fragen kompetent sind.

Eine weitere Idee ist, dass der Verein Hilfestellung bei der Arbeitsstellensuche sein soll. Dazu braucht es nämlich vor allem das Engagement der Helferkreise, die sich laut Claus Scheuber über die vergangenen Monate stark ausgedünnt haben. Das Beispiel Waldburg zeigt, dass überall dort, wo sich Menschen darum kümmern und den Asylbewerbern helfen, eine Arbeit zu finden, sie auch Jobs bekommen. Denn gerade Flüchtlinge, die noch nicht so lange in Deutschland sind, brauchen bei diesem Punkt noch Übersetzungshilfe. „Die Gambier sind alle sehr motiviert, wollen eine Ausbildung und hier Karriere machen“, sagt Scheuber.

Der Gambia Verein Ravensburg soll aber nicht nur als Problemlöser auftreten, sondern auch ein Kulturverein sein, bei dem sich Menschen begegnen. Es soll ein aktiver Verein sein, der auch im kulturellen Leben in Oberschwaben auftreten will und wird. Ein Termin steht bereits: Der Gambia Verein wird einen Beitrag beim Afrikatag am 1. Oktober auf dem Gespinstmarkt in Ravensburg leisten.

Ein weiteres Ziel der Idee sei es, so Claus Scheuber, dass der Verein Hilfe zur Selbsthilfe bietet. „Es sollte bewusst kein fremdgesteuerter Verein sein. Die Gambier sollen sich selber organisieren“, sagt er, „es gibt genug, die schon lange da sind und denjenigen helfen können, die noch nicht so lange da sind.“ Der Vorsitzende des Vereins ist Foday Jallow aus Ravensburg, der als Veranstaltungstechniker arbeitet, sein Stellvertreter ist Kebba Jallow, der als Altenpfleger arbeitet. Ihre Treffen und Mitgliederversammlungen veranstalten sie in einem Raum in der Florianstraße in Weißenau, den sie von der Stadt Ravensburg zur Verfügung gestellt bekommen haben.

Wichtig sei es, so Claus Scheuber, dass sich der Verein als kreisweiter Verein und auch darüber hinaus versteht. Er spricht Menschen aus Gambia und Westafrika an, aber auch Deutsche können und sollen Mitglied werden. 24 Mitglieder hat der Verein bereits. Der Beitrag beläuft sich auf 25 Euro im Jahr.

Das ist Gambia

Gambia ist eine Republik mit mehr als zwei Millionen Einwohnern in Westafrika, umschlossen von Senegal. Die Amtssprache ist Englisch. Die Hauptstadt der ehemals britischen Kolonie ist Banjul. In einem aktuelle Bericht aus dem Jahr 2017 über die Lage in Gambia schreibt die Menschenrechtsorganisation Amnesty International: „Restriktive Gesetze schränkten das Recht auf freie Meinungsäußerung 2016 nach wie vor stark ein. Friedliche Proteste wurden gewaltsam unterdrückt und Demonstrierende festgenommen, gefoltert und anderweitig misshandelt. Mindestens drei Regierungskritiker starben in Gewahrsam. Einer von ihnen wurde unmittelbar nach seiner Festnahme zu Tode gefoltert. Mindestens fünf Männer, die 2015 festgenommen worden waren, blieben weiterhin ,verschwunden’.“ Zudem schreibt das Auswärtige Amt auf seiner Internetseite, dass auch Gambia als Teil der Sahelregion seit Jahren einer islamistischen terroristischen Bedrohung ausgesetzt ist. Bei der Parlamentswahl im April hat die langjährige Opposition (Die Vereinigte Demokratische Partei, UDP) die absolute Mehrheit bekommen. Es ist die Partei von Präsident Adama Barrow, der bereits die Präsidentschaftswahlen im Dezember 2016 gewonnen hat. Er ist Nachfolger von Ex-Präsident Yahya Jammeh. Dieser hatte das Land 22 Jahre lang autoritär regiert und weigerte sich zunächst, die Macht abzugeben. Nach einer Militärintervention der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas ging er ins Exil.

Momentan arbeitet der Verein noch an einem Internetauftritt. Solange kann bei Vereinsanliegen mit Claus Scheuber Kontakt aufgenommen werden. Per Post: Claus Scheuber, Untere Burachstraße 96, 88212 Ravensburg. Per E-Mail: claus.scheuber@web.de.

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