Frei und unabhängig: So nächtigt mancher während des Rutenfestes

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Ein Mann auf einem Liegestuhl mit seine Frau daneben
Unter blau-weißem Himmel, vor blau-weißem Stellplatz-Schild und mit blau-weißem Herzen: Gerd Hörl ist in der Nähe von Grünkraut aufgewachsen und macht nun zum Rutenfest mit seiner Frau Marianne Station in seiner alten Heimat Ravensburg. (Foto: Barbara Sohler)
Barbara Sohler

Zum Fest der Feste reisen alljährlich Ende Juli Hunderte ehemaliger Ravensburger in die Heimat. Doch wo kommt der Rutenfest-Fan am blau-weißen Wochenende unter, wenn er nicht privat Unterschlupf findet? Barbara Sohler hat sich für die „Schwäbische Zeitung“ auf dem Wohnmobilstellplatz in der Mühlbruckstraße unter den Campern umgesehen.

Direkt nebenan feiert eine Horde ehemaliger Landsknechte ein Jubiläumsfest. Ganze Familien haben es sich auf Picknickdecken bequem gemacht, unzählige junge Menschen tanzen zu festivaltauglichen Beats über die Wiese. Keine 30 Schritte entfernt sitzen Marianne und Gerd Hörl im Schatten ihres Wohnmobils. Der Pensionär liegt auf einem in die Jahre gekommenen blauen Liegestuhl, seine Frau hat sich einen Klappstuhl in den Kies neben das Wohnmobil gestellt. Vor der Tür liegt ein grauer Fußabstreifer.

 19 Stellplätze für Wohnmobile weist der Kurzreiseplatz an der Mühlbruckstraße aus. Reservierungen gibt es nicht.
19 Stellplätze für Wohnmobile weist der Kurzreiseplatz an der Mühlbruckstraße aus. Reservierungen gibt es nicht. (Foto: Barbara Sohler)

Hinter ihrem fahrbaren Zuhause stehen zwei hübsche E-Bikes. Damit waren die beiden Saarländer bereits in Sigmarshofen, hinter Grünkraut. In der alten Heimat des 74-Jährigen. Eigentlich sind sie auf dem Weg nach Italien, nahe Triest will das Ehepaar zwei Wochen Urlaub machen. Um der Tradition willen aber haben sie nun noch eine Nacht und einen Zwischenstopp in Ravensburg eingeschoben: zum Rutenfest, das für einen gebürtigen Ravensburger quasi Pflichtprogramm ist.

Der Wohnmobilplatz in der Mühlbruckstraße mit 19 Stellplätzen gehört zur Kategorie Kurzreiseplatz, wie Miriam Renner von der Ravensburger Tourist-Info mitteilt. Seit 2001 ist auf diesem Platz unweit der Meersburger Straße ganzjährig das Parken eines Wohnmobils erlaubt. Laut Statistik verbringen hier rund 1800 Wohnmobilisten im Schnitt zwei Nächte.

Maximal drei Nächte sind erlaubt. Eine Reservierung ist nicht möglich, zudem wäre eine Abwicklung schwierig, da keine Rezeption vor Ort ist. Gäste wie Familie Hörl fahren daher auch mal für eine Nacht auf einen anderen Stellplatz und hoffen, dass aufgrund der schnellen Fluktuation am nächsten Tag etwas frei geworden ist.

Neben einem eierschalenfarbenen Retro-Mobil, einem aufgetunten Schulbus und einem guten, alten VW-Bus steht auch das nagelneue Wohnmobil der Familie Weber. „FÜ“ für Fürth steht auf dem Nummernschild, der weiße Camper hat erst 750 Kilometer auf dem nagelneuen Buckel. Renate und Heinrich Weber sind sozusagen vom Wangener Kinderfest-Regen am Freitag unwissentlich in die Ravensburger Rutenfest-Traufe gefahren, sitzen nun zur Kaffeezeit auch vor ihrem fahrbaren Heim und genießen das bunte Treiben nebenan.

Als jahrzehntelange Camping-Fans wissen die beiden den gut gelegenen Wohnmobil-Stellplatz und den günstigen Tarif von 8,50 Euro pro Tag zu schätzen, den man wie einen ordinären Parkschein am Automaten löst. Zum Frohen Auftakt auf den Marienplatz zog es die beiden am frühen Samstagabend noch nicht. Vielleicht parken sie ja noch um. Nächste Station könnte Weingarten sein. „Denn das ist das Schönste am Wohnmobil: dass wir damit immer frei und unabhängig sind“, sagt Renate Weber.

360-Grad Aufnahme vom Antrommeln in der Bachstraße am Rutensamstag.
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