Fracking findet in der Region keine Fürsprecher

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Außerordentlich groß war das Interesse an einer Podiumsdiskussion im Kornhaussaal zum Thema Fracking. Die Naturschutzverbände BU (Foto: Anton Wassermann)
Schwäbische Zeitung
Anton Wassermann

Ein Gespenst geht um im Lande: Fracking. Seit im Fernsehen Bilder gezeigt wurden, welche Folgen diese unkonventionelle Methode der Erdgasgewinnung in den USA für Natur und Umwelt hat, sind die Menschen auch in Deutschland aufgeschreckt. Zusätzlich angeheizt wurde die Angst vor Umweltzerstörung und Grundwasservergiftung, weil zwei Firmen auch in der Bodenseeregion bereit stehen, mögliche Erdgasvorkommen zu erkunden, wenn die Behörden dazu grünes Licht geben.

Wie besorgt die Menschen sind, zeigte eine Podiumsdiskussion, zu der die Verbände BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) und Nabu (Naturschutzbund Deutschland) am Dienstag alle Bundestagskandidaten des Wahlkreises in den Kornhaussaal nach Ravensburg eingeladen hatten.

Mit Ausnahme des erkrankten Kandidaten der Linken stellten sich alle den kritischen Fragen zahlreicher besorgter Bürgerinnen und Bürger im vollen Saal. Hatte der einleitend gezeigte Filmbeitrag des ARD- Politmagazins „Monitor“ noch der Eindruck erweckt, die Fraktionen der schwarz-gelben Bundesregierung stünden der Fracking-Technologie eher wohlwollend gegenüber – im Gegensatz zu den Oppositionsparteien –, so ergab die Diskussion ein wesentlich differenzierteres Bild. Auch der CDU-Wahlkreisabgeordnete Dr. Andreas Schockenhoff und der FDP-Kandidat Rolf Sauer erklärten unmissverständlich, dass sie Fracking in der derzeit in den USA praktizierten Form in Deutschland nie gestatten würden.

Grundwasser ist gefährdet

Nach heutigem Stand der Technik werden beim Fracking etwa 3000 Meter tiefe Vertikalbohrungen ins Schiefergestein niedergebracht. Über eine weitere rund 1000 Meter lange Horizontalbohrung wird ein Gemisch aus Sand, Wasser und hoch giftigen Chemikalien in den Schiefer gepresst, so dass dieses Gestein aufbricht und vorhandene Erdgasvorkommen frei gibt. Durch Risse in oberen Gesteinsschichten können Giftstoffe auch ins Grundwasser gelangen. Außerdem ist die gefahrlose Entsorgung der giftigen Chemie-Abwässer unklar, wie der Ingenieur Edmund Dehmel in seiner Eingangserklärung ausgeführt hat.

Solche Gefahren und Risiken wollten auch die Bundesregierung und die sie tragenden Fraktionen nicht eingehen, versicherte Schockenhoff.

Uneins sei man sich mit der Opposition allerdings über die weitere Vorgehensweise. Der vom Umwelt- und vom Wirtschaftsministerium gemeinsam vorgelegte Gesetzentwurf geht Dehmel nicht weit genug, weil darin nur vom Schutz des Trinkwassers die Rede sei, nicht aber des Grundwassers. Er werde im weiteren Verfahren sicher noch verändert, beteuerte der CDU-Politiker: „Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir noch vor der Bundestagswahl zu einer von allen Parteien getragenen Lösung kommen können; denn die Grundpositionen liegen eng beieinander.“

Seine grüne Bundestagskollegin Agnieszka Brugger beharrte dennoch auf dem von ihrer Fraktion beantragten zweijährigen Moratorium – also einem befristeten Fracking-Verbot, um Zeit zu gewinnen. Schockenhoff will vor einem solchen Schritt eine Expertenanhörung im Bundestag zu einem Gutachten, das das Bundesumweltamt erstellt hat.

Einig waren sich die Vertreter aller Parteien, dass das geltende Bergrecht geändert werden muss. Ohne Umweltverträglichkeitsprüfung und ohne Zustimmung der unteren Wasserrechtsbehörde dürfe keine Genehmigung von Fracking erteilt werden, erklärte Schockenhoff. Dies gelte bereits für eine örtliche Erkundung.

Dem stimmten auch Agnieszka Brugger und die anwesenden Kandidaten von SPD, FDP, Piraten und ÖDP bei. Sie und die Teilnehmer der von dem Journalisten Rudi Schönfeld geleiteten regen Diskussion aus dem Publikum äußerten allerdings Zweifel, ob ein solches Gesetz ausreicht, um alle Gefahren abzuwenden.

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