Flappachbad ist am Wochenende geschlossen

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Trotz der erwarteten Sommertemperaturen ist das Ravensburger Flappachbad an diesem Wochenende geschlossen. Der Grund: Wenn das Naturbad seine Pforten bei schönem Wetter öffnet, muss auch eine Badeaufsicht vor Ort sein. Am Wochenende ist das nicht der Fall. Sämtliches Personal ist noch im Hallenbad im Einsatz. Und ohne Aufpasser am Flappachbad ist das Risiko zu groß, dass Besucher baden gehen und ihnen etwas zustößt. Deshalb hat die Stadt entschieden: Das Tor bleibt zu. Über den öffentlichen Zugang ist der Weiher aber zu erreichen.
Crossmediale Redakteurin

Der Bundesgerichtshof hat im November ein Urteil gesprochen, das die Pflichten bei der Schwimmbadaufsicht konkretisiert und die Beweislastfragen bei Badeunfällen klärt. Dem Urteil war ein jahrelanger Prozess vorausgegangen, bei dem ein zwölfjähriges Mädchen wegen eines Badeunfalls in einem kommunalen Freibad auf Schadenersatz geklagt hatte. Am Ende entschieden die Richter: „Zwar besteht keine Verpflichtung zur lückenlosen Beobachtung eines jeden Schwimmers. Die Schwimmaufsicht ist jedoch verpflichtet, den Badebetrieb und damit auch das Geschehen im Wasser fortlaufend zu beobachten und mit regelmäßigen Kontrollblicken daraufhin zu überwachen, ob Gefahrensituationen für die Badegäste auftreten. Dabei ist der Beobachtungsort so zu wählen, dass der gesamte Schwimm- und Sprungbereich überwacht werden kann, was gegebenenfalls häufigere Standortwechsel erfordert. Zu den Aufgaben der Aufsichtspersonen in einem Schwimmbad gehört es weiter, in Notfällen für rasche und wirksame Hilfeleistung zu sorgen.“ Das BGH-Urteil bestätige die Ravensburger Haltung zu dem Thema, sagt der städtische Sportamtsleiter Karlheinz Beck: „Wenn das Flappachbad geöffnet ist, braucht es unbedingt eine Badeaufsicht. Hinweisschilder allein reichen nicht aus.“ (jab)

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Trotz der erwarteten Sommertemperaturen bleibt das Ravensburger Flappachbad an diesem Wochenende geschlossen. Klingt paradox, ist aus Sicht der Stadt aber leicht zu erklären: Denn wenn das Naturbad seine Pforten bei schönem Wetter öffnet, muss auch eine Badeaufsicht vor Ort sein. Am Wochenende ist das nicht der Fall. Und ohne Aufpasser ist das Risiko einfach zu groß, dass Besucher baden gehen und ihnen etwas zustößt.

Winteröffnung seit zehn Jahren

Vor rund zehn Jahren hat die Stadt die Winteröffnung im Flappachbad eingeführt. Seither können Besucher in den kalten Monaten durch die Grünanlage spazieren und die Idylle des Naturweihers genießen. Eine Aufsicht gibt es im Winter nicht, denn bei Minusgraden traut sich ohnehin so gut wie keiner ins Wasser. Zudem weist ein Schild auf das Badeverbot hin. Die Versicherung gestattet die Winteröffnung des Bades.

Wenn das Fläppe im Mai offiziell in die Sommersaison startet, dieses Jahr ist es am 10. Mai so weit, dann sorgt das Aufsichtspersonal für die Sicherheit der Badegäste. „In einem Naturbad gibt es kein Baden auf eigene Gefahr“, erklärt Till Pfluger vom städtischen Amt für Schule, Jugend und Sport (ASJ). Der Betreiber müsse seiner Aufsichtspflicht nachkommen, so Pfluger. Mit anderen Worten: Steht das Eingangstor zum Flappachbad auf, haftet die Stadt.

April wird zum Streitfaktor

Jedoch hat die Sache mit der Winter- und Sommerregelung einen Haken – und das ist der April. Denn der Monat, der für seine Wetterkapriolen bekannt ist, fällt eigentlich unter die Regelung der Winteröffnung. Heißt: Bad ist offen, gebadet wird aber nicht. Nun kommt es zuweilen aber vor, dass es bereits im April warm ist – so wie in diesen Tagen.

Zwar hat der Flappachweiher derzeit gerade einmal eine Wassertemperatur von zehn Grad, doch hartgesottene Naturfreunde stört das nicht – sie steigen trotzdem ins kühle Nass. Für die Stadt ist eine solche Situation kritisch. „Wer im Winter badet, macht das auf eigenes Risiko“, so Sportamtsleiter Karlheinz Beck. „Aber die Frage ist, ob der April noch zum Winter gehört.“

Ohne Badeaufsicht könnte etwas passieren

An dieser Frage scheiden sich die Geister. Wie Till Pfluger sagt, sei die Übergangszeit bis zur offiziellen Eröffnung des Bades immer schwierig. „Auf der einen Seite gibt es die Meinung, das Bad sollte bei schönem Wetter offen haben, auf der anderen Seite besteht die Gefahr, dass ohne Badeaufsicht etwas passiert“, beschreibt Pfluger das Dilemma.

Letztlich ist der Stadt das Risiko zu groß, das Bad bleibt am letzten Ferienwochenende zu. Wer legal über den öffentlichen Zugang schwimmen geht oder verbotenerweise über den Zaun klettert, trägt selbst die Verantwortung. Die Stadt übernimmt hierfür keine Haftung.

Das Personal ist im Hallenbad tätig

Doch warum setzt die Stadt am Wochenende nicht einfach jemanden ein, der die Aufsicht im Fläppe übernimmt? „Wir haben Personalmangel“, nennt Pfluger das Problem beim Namen. „Das Hallenbad ist noch voll in Betrieb.“ Das Kernteam bei den Bädern besteht laut dem ASJ-Mitarbeiter momentan aus fünf Personen. „Eine ausgeschriebene Stelle konnten wir nicht besetzen, weil sich niemand beworben hat“, ergänzt Karlheinz Beck.

Ende April wird das Flappachbad für rund zwei Wochen komplett gesperrt. Der Grund: Die Vorbereitungen für die neue Saison beginnen. In dieser Zeit werden unter anderem Kanalarbeiten vorgenommen und Wasser ins Babybecken eingelassen. Regulär und unter Aufsicht baden ist dann ab dem 10. Mai wieder möglich.

Der Bundesgerichtshof hat im November ein Urteil gesprochen, das die Pflichten bei der Schwimmbadaufsicht konkretisiert und die Beweislastfragen bei Badeunfällen klärt. Dem Urteil war ein jahrelanger Prozess vorausgegangen, bei dem ein zwölfjähriges Mädchen wegen eines Badeunfalls in einem kommunalen Freibad auf Schadenersatz geklagt hatte. Am Ende entschieden die Richter: „Zwar besteht keine Verpflichtung zur lückenlosen Beobachtung eines jeden Schwimmers. Die Schwimmaufsicht ist jedoch verpflichtet, den Badebetrieb und damit auch das Geschehen im Wasser fortlaufend zu beobachten und mit regelmäßigen Kontrollblicken daraufhin zu überwachen, ob Gefahrensituationen für die Badegäste auftreten. Dabei ist der Beobachtungsort so zu wählen, dass der gesamte Schwimm- und Sprungbereich überwacht werden kann, was gegebenenfalls häufigere Standortwechsel erfordert. Zu den Aufgaben der Aufsichtspersonen in einem Schwimmbad gehört es weiter, in Notfällen für rasche und wirksame Hilfeleistung zu sorgen.“ Das BGH-Urteil bestätige die Ravensburger Haltung zu dem Thema, sagt der städtische Sportamtsleiter Karlheinz Beck: „Wenn das Flappachbad geöffnet ist, braucht es unbedingt eine Badeaufsicht. Hinweisschilder allein reichen nicht aus.“ (jab)

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