Fahnenschwingergruppe des Bildungszentrums St. Konrad wird 40 Jahre alt

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Rosa Laner

Bereits im Januar haben die Trommler, Pfeifer und Fahnenschwinger der Fahnenschwingergruppe des Bildungszentrums St. Konrad mit den Proben losgelegt. Ihre Stücke sind immer ein Ohrenschmaus. In diesem Jahr strengen sich die Jungs ganz besonders an, denn die Gruppe feiert das 40-jährige Bestehen.

Werner Duttle und Ralf Kreuzer, die beiden Begleiter der Fahnenschwingergruppe, schwärmen gleichermaßen. Werner Duttle sagt: „Wir sind die Festzugsgruppe 23 und wir haben oberschwäbischen Charme. Unsere Buben machen so toll mit. Wenn wir am Rutenfest im Bus unterwegs zum Antrommeln sind, ist immer eine Wahnsinnsstimmung.“ Auch Ralf Kreuzer hat seine Freude mit der Fahnenschwingergruppe und beschreibt sie so: „Gemütlich, bodenständig, doch mit Zug dahinter. Wir feiern immer ein frohes Fest und wollen die Rutenfestwelt umarmen.“

Eltern helfen tatkräftig mit 

Knapp 200 Adressen werden angetrommelt. Da seien die Eltern sehr engagiert, sie helfen beim Fahrdienst mit, verköstigen alle, es sei eine rundherum gesellige Angelegenheit. Eingespielte Gelder werden sauber abgerechnet und jeder der Fahnenschwingergruppe bekommt ein kleines Taschengeld. Trommeln und Kleidung gehören der Rutenfestkommission. Die Betreuer selbst nehmen kein Geld, sie machen alles ehrenamtlich.

Ich war von 85 bis 88 selber aktiv, 87 bis 88 Vorschwinger. Es können schon fünf Jahre werden, dass einer aktiv mitmacht

Ralf Kreuzer

Ralf Kreuzer, der in der freien Wirtschaft tätig ist, sagt: „Ich war von 85 bis 88 selber aktiv, 87 bis 88 Vorschwinger. Es können schon fünf Jahre werden, dass einer aktiv mitmacht.“ Heute sei es allerdings schwierig für die Jungs, so lange dabei zu bleiben. Der Leistungsdruck und das Freizeitverhalten habe sich geändert. Dann wurde die Stelle eines Begleiters frei und er habe „hier“ geschrien. Das würde er jederzeit wieder tun. Über 20 Jahre hat er somit das Amt inne, seit 1998 ist er Mitglied in der Rutenfestkommission. Worauf er sich immer freue, sei das gute Vesper bei Familie Duttle, wenn sie dort den Marschplan erstellten, meinte er schelmisch. Apropos Familie: Die Frage, wieviel Zeit sie mit Frau oder Partnerin auf dem Rutenfest verbringen, beantworten beide augenzwinkernd: „viel zu wenig.“

Gemeinsam mit Karlheinz Braunwarth, der anfangs als Mitglied der RFK die Gruppe betreute, war Werner Duttle hauptverantwortlich für die Gruppe. Er war am Bildungszentrum St. Konrad in der Grund- und Hauptschule als Lehrer und dann als Schulleiter tätig. In der Rutenfestkommission ist er Mitglied seit 1981. Unterstützt wurde Duttle von 1979 bis 1985 von seinem Kollegen Martin Stahl und zwischen 1985 und 1995 von Lothar Landsbeck, dem derzeitigen Schulleiter an der Grundschule Oberzell. „Meine Motivation sind natürlich die Buben, von der Schule her. Den Kontakt kann ich gut halten, da ich alle Schularten kenne. Es ist immer beruhigend, wenn die Eltern wissen, dass die Buben gut aufgehoben sind. Bei uns gibt es während des Rutenfests keinen Alkohol. Das ist tabu. Da stehen wir dahinter und haben ein Auge darauf, dass es ordentlich abläuft.“

Auch mit Hilfe des Fördervereins seien zum Beispiel Bierduschen abgeschafft worden. „Das braucht kein Mensch“, sagt Ralf Kreuzer. Der Förderverein wurde im Juli 1996 gegründet. Mitglieder sind Ehemalige, die die Aktiven unterstützen. Über 100 Ehemalige gehören dem Förderverein derzeit an. Zum Team gehört seit einigen Jahren Heiko Herter. Er ist der Gruppe zugeteilt, hat die Homepage eingerichtet und zahlreiche Fotosammlungen erstellt.

Werner Duttle erinnert sich noch gut: „Als 1969 in der Trägerschaft von Eltern eine Grund- und Hauptschule auf dem Sonnenbüchel in Ravensburg gegründet und 1976 zu einem Bildungszentrum ausgebaut wurde, war für den damaligen Vorsitzenden der Rutenfestkommission, Albrecht Krauss, und den Festzuggestalter, Otto Lutz, klar, dass auch die Schüler von St. Konrad unbedingt beim Rutenfest mit dabei sein müssen. Der Zufall stand dabei Pate: Otto Lutz hatte ein paar Jahre zuvor bei der Ausstellung „500 Jahre Schützengilde Ravensburg“ in einem Buch historische Darstellungen über die großen Schützenumzüge in den Freien Reichsstädten im 16. Jahrhundert entdeckt. Den Schützen gingen dabei immer Trommler, Pfeifer und Fahnenschwinger voraus.“

Diese Darstellungen fand Lutz so gut, dass jene historischen Vorlagen für die Kostüme und Fahnen dienten. So wurden die Trommler mit grau-schwarz gestreiften Kniebundhosen und gelben Strümpfen, schwarz-rot gestreiften Jacken mit weißen Halseinsätzen und federgeschmückten Baretts bekleidet. Die Pfeifer sind in Schwarz-Grün ausgestattet. Die Fahnenschwinger haben keine Jacken, sondern weiße Hemdblusen mit ärmellosen Lederwesten. Ihre Kniebundhosen sind verschiedenfarbig. Die Fahnen, die sie tragen und schwingen, sind bemalt mit Aufschrift und Wappen der früheren Freien Reichsstädte Leutkirch, Lindau, Memmingen, Reutlingen, Überlingen, Ulm, Wangen und Ravensburg.

Mit drei Trommeln war die Gruppe 1979 erstmals beim Festzug dabei

Erstmals beim Festzug wirkte die Gruppe 1979 mit, damals mit drei Trommlern und jeweils sechs Pfeifern und Fahnenschwingern. Werner Duttle weiß um die Entwicklung. „Durch den enormen Zuwachs an Schülern am Bildungszentrum und das gestiegene Interesse an der Gruppe nahm auch die Größe ständig zu.“ Heute tritt die Gruppe mit bis zu neun Trommlern, vierzehn Pfeifern und zehn Fahnenschwingern auf und ist die erste Musikgruppe bei der Festzugs-Darstellung „Freie Reichsstadt Ravensburg“. Zum Jubiläumsjahr wird eine neue Fahne voraus getragen. Es sei einmalig am Rutenfest, dass in dieser Gruppe Jungen aus allen drei Schularten - der Werkrealschule, der Realschule und dem Gymnasium - aus den Klassen acht bis zwölf mitwirkten. Wer Vortrommler, Vorschwinger und Vorpfeifer werde, würde gemeinsam besprochen. „Bei uns ist ein Miteinander. Wir wollen ein tolles gemeinschaftliches Rutenfest erleben und keine Hierarchie“, so Ralf Kreuzer.

Zwischen vier und sechs Neue müssen jedes Jahr das Programm erlernen. Waren es früher vier bis fünf Melodien, die das Repertoire umfasste, sind es heute entschieden mehr. Denn jedes Jahr kreiert die Gruppe eine neue Weise, und das völlig selbstständig. So gibt es inzwischen Stücke wie „Tanze Samba mit mir“ oder „Live is Life“, stets abgestimmt mit den Synchronschwingern. Den Jubiläumsmarsch haben die Jungs vor kurzem am Festabend vorgestellt und er sei eine wirklich gelungene Sache. „Bei den Übungsabenden sind wir Betreuer nicht dabei“, erklärt Werner Duttle, „wir überlassen das Einstudieren den Verantwortlichen der jeweiligen Gruppen. Wir schauen nur immer wieder vorbei, ob alles funktioniert. Alles Organisatorische erledigen Ralf Kreuzer und ich gemeinsam.“

„Mädchen waren bisher kein Thema, wir haben immer genügend Interessenten bei Buben“, so Ralf Kreuzer. Das Trommeln mit den Langtrommeln und das synchrone Fahnenschwingen sei schon eine enorme körperliche Belastung. „Ein tolles Bild, aber auch eine starke Herausforderung“, weiß er.

„Wir freuen uns, dass wir das Rutenfest haben und ein Teil davon sind“, bringen es die beiden Betreuer auf den Punkt.

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