Für viele Sterbende strahlte sie Heiterkeit und Kraft aus

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 Schwester Gudrun Härle
Schwester Gudrun Härle (Foto: OSK)
Maria Anna Blöchinger

Nach 28 Jahren Seelsorge im St.-Elisabethen-Klinikum und Jahren hingebungsvollen Dienstes im Hospiz ist Schwester Gudrun Härle im Alter von 77 Jahren gestorben. Viele Menschen werden sie auch im Alltag vermissen, denke man nur an die Gottesdienste in der EK-Kapelle oder „Orten des Zuhörens“ und Stundengebet in der Liebfrauenkirche. Die ihr begegneten, von ihrem freundlichen Blick, einem verständnisvollen Wort gesegnet, werden sich dankbar erinnern.

„Heiterkeit und Kraft am Lebensende, das strahlte Schwester Gudrun für viele Sterbende und Angehörige aus“, schreibt die Generaloberin der Franziskanerinnen von Reute, Sr. M. Hanna Löhlein, in einem Nachruf. Durch den Blick auf den Tod habe Sr. Gudrun das Leben neu wertzuschätzen gelernt. Im Jahr 1943 in Ingoldingen im Kreis Biberach geboren, trat Sr. Gudrun Härle 1963 in die Gemeinschaft der Franziskanerinnen von Reute ein.

Sie schloss eine Ausbildung zur Erzieherin ab, arbeitete im Kindergarten in Reute und übernahm 1970 im Mutterhaus des Ordens die Leitung des Noviziats. 1986 besuchte sie das Institut für klinische Seelsorgeausbildung im Krankenhaus in Heidelberg, um am damals noch von ihrem Orden getragenen Ravensburger Elisabethenkrankenhaus in der Seelsorge tätig zu sein.

„Über allen tiefgreifenden Änderungen der folgenden Jahrzehnte hinweg, von der Gründung der Oberschwabenklinik im Jahre 1997 bis hin zum Neubau des Klinikums in der jüngsten Vergangenheit, zählte sie zu den Persönlichkeiten, die dem Haus innere Kontinuität und ein Gesicht gaben“, schreibt Pressesprecher Winfried Leiprecht. Sr. Gudrun Härle zählte zum Gründerkreis des Ethikbeirates am St.-Elisabethen-Klinikum und war eine Wegbegleiterin der Ökumene in der Krankenhauseelsorge.

Auszeichnung von Bundespräsident Wulff

Beim Neujahrsempfang 2014 im Schloss Bellevue erhielt sie vom Bundespräsidenten Christian Wulff eine Auszeichnung für ihr Engagement und ihre Verdienste um die Klinikseelsorge. Wenig später trat sie im Alter von 70 Jahren in den Ruhestand. „Hinhören“ sei immer ein elementarer Teil ihrer Arbeit gewesen, sagte Sr. Gudrun beim Abschied. Krankenhauspfarrer Dieter Sasser aber wünschte ihr damals „die Weisheit, das Wort Ruhestand nicht zu verdrängen“.

Wenige Wochen danach übernahm die Franziskanerin bis Februar 2015 als Aushilfe im Gut-Betha-Haus in Reute, dem Alten- und Pflegeheim der Gemeinschaft, die Aufgaben der Oberin. Danach betreute sie Trauergruppen und begleitete als Seelsorgerin bis zuletzt Sterbende und deren Angehörige im Hospiz Schussental in Ravensburg. Zusammen mit der St. Elisabeth-Stiftung hatte Sr. Gudrun bei der Hospiz-Gründung mitgewirkt.

Im Jahr 2016 wurde sie in den Generalrat des Ordens der Franziskanerinnen von Reute gewählt. Der „Schwäbischen Zeitung“ sagte die damals 73-jährige Seelsorgerin, die jeden Tag im Hospiz war: „Wenn man weiß, dass das Leben definitiv bald zu Ende ist, tauchen viele Fragen auf. Das ‚Warum?‘ verändert sich in ein ‚Wozu?‘ und ein ‚Was dann?‘. Ich kann dann nur weitergeben, was ich selber glaube.“

Die Ordensfrau erzählte, dass es sie immer wieder neu berühre, wie offen und gelassen die Menschen im Hospiz über ihr Sterben redeten. Sie staune über deren innere Kraft und Heiterkeit. Angesichts des nahenden Endes dürfe man klagen und weinen oder auch schweigen. Sie habe erfahren, wie wichtig es ist, gute Momente im Leben zu haben und sich an diese zu erinnern.

Auf dem Schwesternfriedhof in Reute beerdigt

Schwester Gudrun fand immer das richtige Wort, wusste aber auch wohltuend zu schweigen. Ohne Aufhebens schien sie geradezu von einem inneren Schweigen begleitet und gehalten. Als Franziskanerin lebte Schwester Gudrun Härle auch die Nähe zur Natur. Sie freute sich am Garten der Hausgemeinschaft und den prächtigen Hochbeeten, in denen eines schönen Tages das Gemüse in rauen Mengen gedieh. Nach einem abendlichen Gottesdienst lud sie ein paar Frauen in den Garten ein, um mit ihnen die Ernte zu teilen. Am Dienstag wurde Schwester Gudrun Härle auf dem Schwesternfriedhof in Reute beerdigt.

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