Extratopf für Corona-Hilfen schon bald ausgeschöpft

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 Auch die Suppenküche Bad Waldsee wird bei Ihrer Arbeit unterstützt.
Auch die Suppenküche Bad Waldsee wird bei Ihrer Arbeit unterstützt. (Foto: Amelie Geiger)
Sibylle Emmrich

Die Corona-Krise macht auch der SZ-Nothilfe zu schaffen, und das in zweifacher Hinsicht. Zum einen hat die Zahl der Hilfegesuche zugenommen. Zum andern ist der gemeinnützige, vor 23 Jahren aus der SZ-Redaktion Ravensburg heraus gegründete gemeinnützige Verein mehr denn je auf Spenden angewiesen. Denn Benefizveranstaltungen können – coronabedingt – nicht stattfinden. So werden die derzeit 17 aktiven Mitglieder der SZ-Nothilfe Ravensburg in diesem Jahr auch nicht auf dem Ravensburger Christkindlesmarkt präsent sein. Ein Manko für die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins – und auch für die Finanzen.

Ein Glück, dass der Verein dank einer vor Jahren gemachten Erbschaft über eine Reserve verfügt. So konnte gleich im April ein Extratopf „Corona-Hilfen“ mit 50 000 Euro bestückt werden. Knapp 5000 Euro kamen an Spenden hinzu. Inzwischen hat sich der „Corona-Topf“ schon deutlich geleert, wie Schatzmeister Karl-Josef Gelder in der jüngsten Sitzung mitteilte. Auf Gelder sowie Angelika Vogler-Rieger und Matthias Stöckle aus dem Vorstandsteam lag in der durch Corona bedingten sitzungsfreien Zeit die Hauptlast der Arbeit. Auch wenn die Not von Menschen aus Stadt und Kreis Ravensburg bisweilen groß und drängend ist, so gilt es doch, die meist von Hilfsorganisationen und Beratungsstellen gestellten Anträge sorgfältig zu prüfen und mit dem Spendengeld verantwortlich umzugehen.

Leicht fällt beispielsweise die Entscheidung, wenn der rührige „Chef“ der Suppenküche Bad Waldsee, Rudi Heilig, um Unterstützung bittet, um buchstäblich Hunger zu lindern und Lebensmittelpakete zu finanzieren. Oder wenn Diakonie oder Caritas für Familien um Überbrückungshilfe bitten, wenn – auch im Gefolge der Corona-Krise – dem Familienvater der Arbeitsplatz gekündigt wurde oder Wohnungsverlust droht. Oder wenn die Sozialarbeiterin einer beschützenden Werkstatt um vorübergehende Finanzierung eines Bustickets für einen Schützling bittet, der sonst nicht mehr an seine Arbeitsstelle kommt. Schwieriger wird es, wenn sich schon so hohe Miet- und Stromschulden angehäuft haben, dass mit einer einmaligen Unterstützung wenig auszurichten ist.

„Wir fühlen uns nicht nur den Hilfesuchenden, sondern auch den Spendern gegenüber verpflichtet“, betonte die in der Jahreshauptversammlung wiedergewählte Vorsitzende der SZ-Nothilfegruppe für den Altkreis Wangen, Susi Weber. Man wolle immer im Blick haben, „ob wir mit unserer Unterstützung tatsächlich Not lindern, oder sie nur in die Zukunft verlagern und für die Betroffenen verzögern“. Es bringe wenig, zwei Monatsmieten zu übernehmen, wenn die Wohnung bereits gekündigt und keine Perspektive in Sicht ist.

Doch eigentlich stand in der jüngst im SZ-Medienhaus abgehaltenen Jahreshauptversammlung weniger die aktuelle Situation als vielmehr der Rückblick auf 2019 an. Und dafür konnten die Vorsitzende Angelika Vogler-Rieger und Schatzmeister Gelder wieder eine positive Bilanz vorweisen: Den Einnahmen von knapp 98 000 Euro stehen Ausgaben von rund 94 000 Euro gegenüber. 260 Hilfegesuche wurden positiv beschieden und im Durchschnitt 330 Euro an Unterstützung gewährt. Im Regelfall ist nur einmalige finanzielle Hilfe möglich, unbürokratisch und als Hilfe zur Selbsthilfe gedacht. Neben den eigenen Benefizveranstaltungen ist das von Radius und Reischmann getragene Indoor-Cycling inzwischen ein wichtiger Posten bei den Einnahmen, dazu kommen Spenden.

Genauso lieb und wert wie großzügige Privat- und Firmenspenden, traditionell von Moosmann, Rinker oder Rafi, sind Schatzmeister Gelder die kleinen Spenden von treuen Unterstützern der SZ-Nothilfe. Alljährlich würdigt er speziell diese Spender, die selbst finanziell nicht gerade auf Rosen gebettet sind und trotzdem ihr Scherflein für notleidende Mitmenschen abzwacken. Und immer wieder verweist der Schatzmeister auch auf die minimalen Verwaltungskosten, mit denen der Verein sein doch beträchtliches Jahrespensum bewältigt. Genau 435,14 Euro waren es im Jahr 2019.

Und dank der Mitarbeit treuer und neuer aktiver Mitglieder – darunter viele hauptberuflich im Sozialbereich tätig – ist auch im „Corona-Jahr“ 2020 wieder mit einer positiven Bilanz zu rechnen. Jetzt sind es freilich nur noch 17 Mitglieder bei der SZ-Nothilfe Ravensburg. Dieter Gmeinder, der in 16 Jahren kaum je eine der monatlichen Arbeitssitzung verpasst hat, schied aus Altersgründen aus dem Gremium aus. Dazu kommt noch das kleine Team der SZ-Nothilfe, das sich im Allgäu zwischen Bad Wurzach, Leutkirch, Isny und Wangen der dortigen Hilfegesuche annimmt und über die Vergabe eigenständig entscheidet – gleichfalls ehrenamtlich und mit geringsten Verwaltungskosten.

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