Etikettenschwindel bei Omira: „Bodenseekäse“ kam aus Holland

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Die Ravensburger Molkerei Omira hat in großem Stil holländischen Käse als ein Bodensee-Produkt verkauft. Das bestätigte am Dienstag der Sprecher der Ravensburger Staatsanwaltschaft, Karl-Josef Diehl, der „Schwäbischen Zeitung“. Demnach sind von April 2003 bis März 2009 geschätzte 316 Tonnen Käse unter falschem Etikett in ganz Deutschland verkauft worden.

Von unserer Redakteurin Annette Vincenz 

Das Amtsgericht Ravensburg hat vergangene Woche einen leitenden Angestellten der Omira-Tochterfirma „Omira Bodensee Milch GmbH“ zu einer Geldstrafe von 9000 Euro verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, der Prokurist hat Rechtsmittel eingelegt. Den Sachverhalt räumt er jedoch ein.

Derzeit ermittelt die Staatsanwaltschaft auch gegen die beiden Omira-Geschäftsführer Wolfgang Nuber und Stefan Bayr, weil man es für wahrscheinlich hält, dass diese vom Verstoß gegen das Lebensmittelgesetz gewusst haben.

Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass die Omira nach dem Aus der eigenen Käseproduktion von April 2003 an Käse erst in Bayern und dann – als man mit der Qualität nicht zufrieden gewesen sei – in Holland herstellen ließ. Unter den Bezeichnungen „Deutscher Schnittkäse“, „Bodenseekäse“ und „Der mildwürzige Käse vom Bodensee“ sind die Produkte deutschlandweit in den Handel gekommen, obwohl der Käse mit holländischer Milch in einer holländischen Käserei hergestellt wurde. Festgestellt wurde dies Anfang 2010 bei einer routinemäßigen Kontrolle der Chemischen und Veterinärmedizinischen Untersuchungsstelle Freiburg.

„Nach unserer Rechtsauffassung sollte der Verbraucher, der ja darauf vertraut, ein Produkt vom Bodensee zu kaufen, mit der irreführenden Bezeichnung getäuscht werden“, sagte Staatsanwalt Karl-Josef Diehl. Während sich der angeklagte Omira-Prokurist auf den Standpunkt gestellt habe, nicht die Herkunft, sondern nur der Geschmack sei entscheidend für die Bezeichnung Bodenseekäse. Ähnlich wie bei „Limburger“ oder „Harzer Käse“, der auch nicht nur in Limburg und im Harz produziert werde. Der Omira-Mitarbeiter bestreitet, dass eine Irreführung des Verbrauchers beabsichtigt gewesen sei.

„Es war nicht unsere Absicht, jemanden zu täuschen, sondern wir wollten den speziellen Geschmack des Käses treffen. Uns lag die Qualität am Herzen“, sagte Nuber auf SZ-Anfrage. Sowohl an der sogenannten Kaseinmarke und am Genusstauglichkeitskennzeichen, die beide mit „NL“ beginnen, habe der Käufer erkennen können, dass das Produkt aus den Niederlanden stamme. Dem widerspricht Staatsanwalt Diehl: „Diese Codes sind nur klein auf der Käserinde aufgedruckt.“ Allenfalls Fachleute würden wissen, was sich dahinter verbirgt.

Handelte der Prokurist auf eigene Faust, oder wusste die Geschäftsleitung davon? Das wollte Geschäftsführer Nuber aus Rücksicht auf sein eigenes schwebendes Verfahren nicht kommentieren. Der fragliche Käse sei aber mittlerweile nicht mehr in Umlauf, und das Nachfolgeprodukt „Bodammer“ werde wieder in Bodenseenähe hergestellt.

Die Oberland Milchverwertung GmbH (Omira) mit Sitz in Ravensburg verarbeitet an vier Standorten Milch von rund 4200 Bauern zu Joghurt, Käse, Milchpulver und Butter. Die Omira hatte Ende vergangenen Jahres 375 Beschäftigte und erwirtschaftete 2009 einen Umsatz von 435 Millionen Euro.

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