Erwin Teufel plädiert in Ravensburg für Subsidiarität

Lesedauer: 5 Min
 Den Festvortrag hielt Erwin Teufel, der frühere Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Moderiert wurde die Veranstaltung von
Den Festvortrag hielt Erwin Teufel, der frühere Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Moderiert wurde die Veranstaltung von Frank Hautumm, Redaktionsleiter der „Schwäbischen Zeitung“ Ravensburg (links), daneben Oberbürgermeister Daniel Rapp. (Foto: Wolfgang Steinhübel)
Wolfgang Steinhübel

Mit einem bunten Programm hat sich die Stiftung „Solidarität am Ort“ am Samstag im neuen Haus der Katholischen Kirche in Ravensburg präsentiert. Ehrengast war der frühere Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Erwin Teufel. Als Ziel hat sich das 2016 gegründete Kuratorium die konkrete, persönliche und niederschwellige Hilfe in der Nachbarschaft auf die Fahnen geschrieben. Mit im Boot sind die 13 katholischen Kirchengemeinden, die Caritas Bodensee-Oberschwaben, die katholischen Krankenpflegevereine Obereschach, Ravensburg und Weißenau sowie die katholische Fördergemeinschaft Taldorf.

Erwin Teufel hielt den Festvortrag. Von 1991 bis 2005 war er Ministerpräsident. In seiner engagierten Rede spann Teufel, der im September 80 Jahre alt wird, den Bogen historisch vom Ritter von Buß, der 1837 vor dem Badischen Landtag die erste Sozialrede hielt, bis in die Gegenwart, wo globale Katastrophen durch die Medien ganz nah sind und wir die Auswirkungen, etwa durch die vielen Flüchtlinge, unmittelbar zu spüren bekommen. Subsidiarität war dabei ein Kernpunkt.

Jeder Mensch ist für sich und für sein Tun verantwortlich.

Erwin Teufel

„Jeder Mensch ist für sich und für sein Tun verantwortlich“, so Teufel. Erst wenn das nicht mehr möglich ist, in der Familie zum Beispiel durch den Tod des Ernährers, dann sei die nächste Ebene zuständig. Diese sei jahrhundertelang durch die Kirchen wahrgenommen worden und habe wesentlich zu deren Glaubwürdigkeit beigetragen. Wichtig sei es gewesen, nicht nur zu verkünden, sondern zu handeln. Inzwischen ist dies Allgemeingut geworden. Das Subsidiaritätsprinzip forderte er auch strikt auf staatlicher Ebene. Teufel: „Staat und politische Gemeinschaft müssen vom einzelnen Menschen denken. Wir hätten viele Probleme nicht, wenn wir wieder Aufgaben nach unten delegieren würden. Die wichtigste Ebene ist die Gemeinde.“

Die wichtigste Ebene ist die Gemeinde.

Erwin Teufel

Der Ravensburger Oberbürgermeister Daniel Rapp griff die jahrhundertealte Tradition der Stadt auf, die Geschäfte selbst in die Hand zu nehmen. Besonders betonte er die religiöse Toleranz, die von der Stadtgemeinschaft 1555 beschlossen wurde – übrigens als erste Stadt in Europa. Dies sei bis heute so und im Hinblick auf die Forderung zu mehr Ökumene sagte er: „Wir in Ravensburg werden diesen Weg unbeirrt weitergehen.“

Bürokratieabbau gefordert

Unter der Moderation von Frank Hautumm, Redaktionsleiter der „Schwäbischen Zeitung“ Ravensburg, wurde das Thema Solidarität vertieft. Neben Erwin Teufel waren mit dabei: Monika Braun die zweite Vorsitzende der Kirchengemeinde Liebfrauen; Ursula Bauer, die Einsatzleiterin der Nachbarschaftshilfe Weststadt; Sabine Zappe, die Bereichsleiterin Pflegebereich der kirchlichen Sozialstation sowie Hans Georg Kraus, Ravensburgs ehemaliger Erster Bürgermeister in seiner Funktion als Vorsitzender des Betreuungsvereins St. Martin. Auf die Frage des Moderators, was man sich denn wünsche, waren sich alle einig: „Abbau der immer mehr werdenden Bürokratie und Vorschriften.“

Die Arbeit, sei es hauptberuflich oder ehrenamtlich, macht allen große Freude und gibt viel positive Resonanz. Wichtig sei auch eine qualifizierte Schulung der Helfer. Auf die letzte Frage von Frank Hautumm: “Was schulden wir einander?“ antwortete Erwin Teufel:“ Nicht egoistisch durchs Leben gehen. Fremde Not sehen und nicht wegsehen.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen