Erfolgreiche Premiere von „Hase Hase“ im Theater Ravensburg

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Crossmedia Volontärin
Dorothea Halbig

„Ich liebe meine Mutter sehr, ich liebe meinen Vater sehr und auch meine Brüder und Schwestern“, sagt Hase Hase zu den Zuschauern. „Ich bin sehr froh, gerade in diese Familie geraten zu sein. Sie sind sehr freundlich zu mir, es ist tatsächlich, als wäre ich einer der ihren, sie glauben es sogar wirklich.“ Nicht erst bei seinem Monolog beschleicht den Zuschauer der Verdacht, dass mit Hase Hase, dem jüngsten Sohn der Familie Hase, etwas nicht ganz rundläuft.

33 Jahre altes Stück so aktuell wie nie

Das skurrile Stück „Hase Hase“ von der französischen Filmemacherin und Schriftstellerin Coline Serreau bewegt sich zwischen Science Fiction und Revolution, Realität und Dystopie, zwischen Krimi und Komödie. Das Stück, uraufgeführt 1986 in Paris, hat nichts von seiner Aktualität verloren. Vielleicht ist es heute sogar wichtiger denn je. Thematisiert werden gesellschaftskritische Themen wie Fluchtbewegungen und Terrorismus. Mit der richtigen Menge an Optimismus und Humor ist das Stück „Hase Hase“ am Theater Ravensburg zu einem wahrhaftigen Erfolg geworden.

Großartige Darstellung eines chaotischen Familienlebens

Der freischaffende Regisseur Karsten Engelhardt lebt in Hamburg und arbeitet an Bühnen im gesamten deutschsprachigen Raum. Schon mehrfach hat er Stücke in Ravensburg inszeniert. Beim Stück „Hase Hase“ bringt er Schauspieler des Theater Ravensburg, des Theaterclub 4 und einen Gast aus dem Kulturverein Manufaktur Baienfurt zusammen auf die Bühne zum Familiespielen. Familie Hase lebt in einer Art gemütlichem Hasengehege. Ein grandioses Bühnenbild, welches die Szenerie zu einem Schauplatz für allerlei absurde Geschehnisse macht. Eigentlich ist alles gut, beschwichtigt auch das Fernsehen: „Es ist alles gut, wir sind reich, sind völlig unabhängig, haben pünktliche Züge und unsere Kinder sind zufrieden in der Schule“. Aber darf Familie Hase dem Glauben schenken?

Hauptdarsteller Sebastian Prasse hat bereits in TV-Serien wie Großstadtrevier und Notruf Hafenkante mitgespielt. Nun versucht er als Hase Hase in seinem Zimmer heimlich Kontakt zu seinen außerirdischen Kollegen aufzunehmen, während sein großer Bruder Jeannot, gejagt von der Polizei, mit dubiosen Koffern Unterschlupf sucht. Der älteste Sohn Bébert (Tobias Bernhardt) gibt vor, jemand ganz anderes zu sein. Mama Hase (Jutta Klawuhn) schert die anklopfenden Gerichtsvollzieher zum Teufel, bewahrt auch hier noch einen kühlen Kopf und manövriert die Familie durch schwierige Zeiten wie die Kündigung von Papa Hase (Alex Niess) und die Beziehungsprobleme der beiden Töchter Marie (Hannah Rech) und Lucie (Clea Roth). Doch die Ereignisse überschlagen sich weiter, sodass auch Multitasking-Talent Mama Hase irgendwann droht die Nerven zu verlieren.

„Ein Saustall ist das hier!“

Neben dem liebevoll gestalteten Bühnenbild kam auch die Auswahl des Soundtracks nicht zu kurz. Plastic Bertrands „Ça plane pour moi“ (frei übersetzt: „Für mich läuft’s glatt“) begleitete die singenden und pfeifenden Zuschauer offensichtlich noch bis in die Pause hinein. Mit mehreren überraschenden Wendungen und Szenen – oft zum vom Stuhlpurzeln komisch – hinterließ das Stück durch und durch gute Laune. Die Darsteller spielten sich mit ihren authentischen und nahbaren Rollen mitten ins Herz des Publikums. Sehr stark in Mimik und Gestik, zogen sie die Besucher in ihren Bann.

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