Erdbeben in der Region: Hier wackelt die Erde

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Digitalredakteur
Simon Haas (Karte)

Die Erde bebt, Häuser stürzen ein, unzählige Verletzte müssen versorgt werden – ein Szenario, welches im Südwesten und generell in Mitteleuropa in jüngster Zeit noch nicht eingetreten ist. Deutschland zählt nicht als stark gefährdetes Erdbebengebiet, anders als andere Staaten der Welt, die in der Nähe zweier aneinandergrenzenden Erdplatten liegen.

Doch ganz ohne Sorgen sollten die Menschen in der Region nicht sein. Denn auch in Baden-Württemberg und speziell in der Region ereignen sich in unregelmäßigen, aber stetigen Abständen Beben, die in teilweise vielen Kilometern Tiefe stattfinden.

Wieso diese Erdbeben jedoch meist folgenlos und kaum bemerkbar sind, liegt an ihrer Stärke. Die auf der sogenannten Richterskala eingeordneten Messwerte klassifizieren, wie stark die Erde bebt – je schwächer der Wert auf der Richterskala, desto weniger gravierend wirkt sich das Beben auf der Erdoberfläche aus.

Katastrophen, die wie das Erdbeben im Sommer 2016 im mittelitalienischen Amatrice sogar Todesopfer fordern, haben meist eine Magnitude, deren Wert auf der Richterskala über fünf – oder wie im Beispiel von Amatrice bei 6,2 – liegt. Zur besseren Einschätzung: die vom Landesamt für Geologie in Freiburg gemessenen Erdbeben im Südwesten haben in den allermeisten Fällen Ausprägungen von 2,0 oder weniger. Das sind Skalenwerte, die meist als Mikrobeben zwar registriert, aber nicht gespürt werden und auch keinerlei Konsequenzen an der Erdoberfläche haben.

Doch Ausnahmen bestätigen die Regel. Die Bodenseeregion und Teile Oberschwabens sind in offiziellen Erdbebenkarten als „Erdbebenzone 2“ ausgewiesen. Das bedeutet, das Beben hier durchaus Gebäudeschäden verursachen könnten, aber eher keine schweren Schäden. Als ebenfalls besonders erdbebengefährdet gelten der Rheingraben mit Basel als Großstadt oder Teile der Schwäbischen Alb.

DIESES VIDEO VOM 7.3.2017 ZEIGT, WIE EIN ERDBEBEN IN DER SCHWEIZ SOGAR IN OBERSCHWABEN ZU SPÜREN WAR

Erdbeben in der Region spürbar
Bebende Erde und wackelnde Hauswände in der Region.

Von dort meldet der Landeserdbebendienst Baden-Württemberg aktuell registrierte Erdbeben, die alleine seit Beginn des Jahres 2018 von einer Spanne der gemessenen Magnitude von 0,6 bis zu 4,2 reichen. Letzterer Wert kennzeichnet das Beben am 17. Januar im österreichischen Vorarlberg, welches bis in die Bodenseeregion zu spüren war, jedoch keinen Schaden ausgelöst hat.

Zuletzt war Anfang Mai ein stärkeres Erdbeben spürbar - an der deutsch-französischen Grenze bebte kurzzeitig die Erde, die Polizei erhielt zahlreiche Anrufer besorgter Bürger. Schäden hat das Beben allerdings nicht angerichtet.

Unsere Grafik zeigt darüberhinaus weitere, seit 2003 aufgetretene Erdbeben-Fälle, die die Menschen in der Region teilweise unmittelbar gespürt haben.

Ob ein leichtes Erdbeben überhaupt wahrgenommen wird, hängt allerdings von mehreren Faktoren ab. Wolfgang Brüstle, Leiter des Landeserdbebendiensts Baden-Württemberg, nennt unter anderem die Tageszeit: „Ein Erdbeben zur besten Fernsehzeit wird natürlich mehr wahrgenommen, wie eines mitten in der Nacht, wenn alle schlafen“, so Brüstle.

Doch auch die Beschaffenheit eines Hauses oder der Aufenthaltsort – in höheren Stockwerken sind Schwingungen stärker zu spüren – spielen für den Experten genauso eine Rolle wie die persönliche Sensibilität. Im Ernstfall solle man auf keinen Fall das Gebäude verlassen, insofern man sich in einem befindet. Herabstürzende Gegenstände können gefährlich werden, weiß Brüstle.

Erdbeben mit einer Stärke zwischen 4,0 und 5,0 kommen Schätzungen zufolge weltweit mehr als 6000 Mal pro Jahr vor. Der Südwesten Deutschlands wird in der Regel mehrmals pro Jahr Zeuge vergleichbarer Beben, die oft in Österreich oder der Schweiz ihren Ursprung haben.

Das stärkste, je in der Region gemessene Erdbeben kostete im Jahr 1356 in Basel bis zu 3000 Menschen das Leben. Ein 1911 mit 6,1 auf der Richterskala registrierte Beben in Albstadt-Ebingen richtete an tausenden Gebäuden Schaden an. Das jüngste stärkere Beben gab es vor knapp 40 Jahren am 3. September 1978, als der Wert von 5,7 erreicht, rund 25 Menschen verletzt und ein Schaden von 275 Millionen Mark verursacht wurden. Das Beben mit Epizentrum in Tailfingen war in einem Umkreis von 300 Kilometern zu spüren.

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