„Er ist voll integriert“ – Gambier unterstützt Lebenshilfe

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Aladi Njei aus Gambia lebt seit einem Jahr im Asylbewerberheim in der Ravensburger Schützenstraße. Um seinem Leben einen Sinn zu
Aladi Njei aus Gambia lebt seit einem Jahr im Asylbewerberheim in der Ravensburger Schützenstraße. Um seinem Leben einen Sinn zu
Schwäbische Zeitung

Aladi Njei kommt aus Gambia. Seit gut einem Jahr lebt der 31-Jährige in Ravensburg im Asylbewerberheim in der Schützenstraße. Hier angekommen, hat er zwar bekommen, was er zum täglichen Leben braucht, doch eins hat ihm gefehlt: ein Sinn im Leben. Deshalb arbeitet er seit einem Jahr ehrenamtlich in der Lebenshilfe. Ein bemerkenswertes Beispiel gelungener Integration.

Von unserer Mitarbeiterin  Katharina Brenner

Eine Gruppe der Lebenshilfe macht sich auf den Weg, in der Turnhalle der Martinusschule Sport zu betreiben. Aufgewärmt, Beine, Arme und Gelenke gestreckt und gedehnt, geht’s los. Betreuer bauen verschiedene Stationen auf. Der Gambier Aladi Njei ist mit dabei und mitten drin. Eine Riesenschaukel, ein Basketballkorb und ein Trampolin – in luftige Höhen schwingen sich die Gruppenmitglieder heute.

„Die Lebenshilfe ist ein Freizeitreservat für Menschen mit geistiger Behinderung“, erklärt Gerold Rid, Leiter der Lebenshilfe Ravensburg. Sie wohnen zuhause oder in Pflegefamilien und treffen sich regelmäßig in Clubs oder bei Wochenendaktionen, um gemeinsam etwas zu unternehmen, so Rid weiter. Ein Mittag mit der Hundestaffel, Klangschaltherapie, meditative Angebote, Kegeln und Thermalbad – das Programm der Lebenshilfe ist abwechslungsreich und ausgewogen. 105 Leute im Alter von zehn bis 65 Jahren nehmen laut Rid derzeit die Angebote der Lebenshilfe wahr.

Vor einem Jahr stand Aladi Njei in Rids Büro und fragte auf englisch frei heraus: „Hallo, kann ich hier arbeiten?“ Damals sprach er noch kein Wort Deutsch. Rid stimmte zu. Mittlerweile ist der Gambier fester Bestandteil der verschiedenen Gruppen. „Alle mögen Aladi sehr“, sagt Rid. Einige Mädchen seien sogar in den Gambier verliebt, schmunzelt er.

„Really good – wirklich gut“, antwortet Aladi Njei auf die Frage, wie es ihm in der Lebenshilfe gefalle. Jeden Tag helfe er aus, sagt der Gambier. „Ich bekomme mehr von ihnen als sie von mir“, so der 31-Jährige weiter. Als er in Deutschland vor über einem Jahr ankam, hätte er zwar Kleider am Leib gehabt, einen Platz zum Schlafen und etwas zu essen -- aber nichts zu tun.

Nach zwei Monaten war er so frustriert und zugleicht motiviert, etwas zu ändern, dass er zur Ausländerbehörde ging und nach einer Beschäftigung fragte. Der Weg führte ihn über die Caritas schließlich ins Rathaus, von wo aus man ihn an die Lebenshilfe vermittelte. Ohne ein Wort Deutsch zu sprechen und genau zu wissen, was da auf ihn zukommen würde, landete er in Herrn Rids Büro. Heute spricht er ganz gut Deutsch, auch wenn er recht schüchtern damit umgeht. Für die Bewohner des Asylbewerberheims werde einmal die Woche Deutschunterricht angeboten. „Das ist sehr wenig“, findet der Gambier. Da bringe ihm die Mitarbeit in der Lebenshilfe wesentlich mehr. Außerdem lassen sich Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft auch ohne Worte kommunizieren. Was ihm die größte Freude bereitet in der Lebenshilfe, findet er sehr schwer zu beantworten. Er lacht. „Grillen ist viel Spaß“, sagt Aladi Njei.

Nicht nur die Mitglieder der Lebenshilfe, auch die Eltern wissen seinen Einsatz sehr zu schätzen. Als sie einmal Schlitten fuhren, hätte Aladi so schlechte Schuhe dabei gehabt, erzählt Rid, dass eine Mutter, ihm neue gekauft hätte. Als ihm sein Fahrrad geklaut wurde, hätten auch Eltern eines gespendet. „Er ist voll integriert“, sagt der Leiter der Lebenshilfe. Erst vor Kurzem hat der Gambier eine Arbeitserlaubnis bekommen. Jetzt versuchen Mitarbeiter der Lebenshilfe und Eltern, einen Job für ihn zu finden. Es ist Aladi Njei zu wünschen, dass auch diese Suche erfolgreich endet.

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