Eltern müssen mehr für Hort zahlen

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Auch der Preis fürs Essen in der Spohnmensa steigt zum Jahreswechsel.
Auch der Preis fürs Essen in der Spohnmensa steigt zum Jahreswechsel. (Foto: Felix Kästle)
Schwäbische Zeitung

Mit etwa 1,3 Millionen Euro bezuschusst die Stadt Ravensburg jährlich die Betreuung von Grundschülern außerhalb der Unterrichtszeiten. So soll Eltern ermöglicht werden, ihrem Beruf nachzugehen. Die Elternbeiträge decken derzeit aber nur 15 Prozent der Kosten für die Hortbetreuung. Das soll sich im kommenden Jahr ändern. Wie bereits kurz berichtet („Was 2014 alles teurer wird“, SZ vom 26. November), werden die Gebühren angehoben, so dass ein Deckungsgrad von 20 Prozent erreicht wird.

Die Gebühr ist gestaffelt nach Dauer und Häufigkeit der Betreuung. Und nach der Zahl der Kinder, die das Angebot der verlässlichen Grundschule in Anspruch nehmen. Ein zweites Kind kostet nur die Hälfte, ein drittes Kind gar nichts. Daran soll sich auch nichts ändern. Der maximale Betrag für ein Kind steigt allerdings von monatlich 90 auf 115 Euro. Zudem kostet das Schulessen in den Mensen ab Januar 3,80 statt 3,60 Euro. Das entspricht eins zu eins dem Preis, den die Caterer bekommen. Kinder aus sozial schwachen Familien zahlen nur 1 Euro.

Diskussion eskaliert zu Streit

Der Verwaltungsausschuss des Gemeinderates billigte die geplante Erhöhung, die jedoch auch noch vom Gemeinderat abgesegnet werden muss. Die meisten Redner hielten die Steigerungen für moderat. Das Essen sei von hoher Qualität, der Preis immer noch sehr günstig. „Junkfood“ koste mehr, sagte etwa CDU-Stadträtin Margarete Eger. Michael Lopez Diaz (SPD) meinte, auch aus sozialdemokratischer Sicht könnte man zufrieden sein, da der Rabatt für Kinder aus armen Familien nicht angetastet werde und die Preissteigerung im Bereich des Normalen liege.

Einzig Siegfried Scharpf (Bürger für Ravensburg) stimmte dagegen und fand: „So zerstört man Familien.“ Der Stadtrat, der sich schon häufig dafür ausgesprochen hat, dass Kinder lieber zuhause betreut werden sollten, sprach von einer „völlig unheiligen“ Linie in der Stadtverwaltung. Die Betreuung sei für manche Familien nicht mehr zu bezahlen, selbst wenn beide Elternteile arbeiten würden.

Oberbürgermeister Daniel Rapp konterte, dass es nicht zuviel verlangt sei, wenn man den Eltern ein Fünftel der tatsächlichen Kosten für die Betreuung in Rechnung stellen würde. Scharpf warf er zudem vor, nicht logisch zu argumentieren. „Da Sie kein Freund der Betreuung sind, müssten Sie eigentlich für eine Erhöhung des Elternanteils sein, damit ein Elternteil zuhause bleibt.“ Der Eindruck, die Stadt würde im Rahmen der Haushaltskonsolidierung einseitig bei Familien sparen, sei falsch, so Rapp. Wenn die Kinder daheim essen würden, fielen schließlich auch Kosten an.

Erbost reagierte Manfred Lucha (Grüne). „Was der Scharpf hier verzapft, geht einfach nicht mehr.“ Mütter seien heutzutage meist darauf angewiesen zu arbeiten. Alleinerziehende sowieso, wenn sie nicht später in Altersarmut fallen wollten.

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