Elite-Meisterschaften halten, was sie versprechen

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Marcel Orsinger (rechts, gegen Roland Gräf) kam in Ravensburg im Weltergewicht der A-Klasse bis ins Finale.
(Foto: Derek Schuh)

Die Baden-Württembergischen Meisterschaften im Boxen der Elite haben am Freitag fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit begonnen. An den anderen beiden Tagen durften sich die zahlreichen Boxfans in der Kuppelnauhalle über etliche hochklassige Duelle vor allem in den schweren Gewichtsklassen sowie über einige Erfolge der hiesigen Vereine freuen.

Für Jürgen Hauser vom ausrichtenden Champ-Boxing Ravensburg wurden die Titelkämpfe dank seines „großartigen Helferteams“ und auch aufgrund des Lobes vom Boxverband Baden-Württemberg (BVBW) zu einem vollen Erfolg. Der Champ-Boxstall jubelte über die Meistertitel von C-Halbweltergewichtler Viktor Haruna und C-Schwergewicht Tufan Bülent, Halbfliegengewichtler Dejan Cajic verlor allerdings.

Krankheits- und verletzungsbedingt traten zwar nur 90 Athleten, darunter lediglich sechs Boxerinnen, in den Ring. Diese zeigten jedoch überwiegend guten bis sehr guten Boxsport. „Vor allem, weil die Unterteilung in eine A- (über 15 Siege; Anmerkung d. Red.), B- und C-Klasse (bis sechs Siege) überaus sinnvoll ist. Athleten, die zusammenpassen, bieten auch bessere Vorstellungen“, sagt Hauser. Meist nicht gepasst hat es bei den Frauen, wo Melike Meddur (Boxteam Langenargen) die Gewichtsklasse wechseln musste, um überhaupt in den Ring steigen zu können. Die Langenargenerin verlor ebenso wie Halbweltergewichtlerin Sabrina Stotz (Kings Gym), Meddur wurde dennoch Vizemeisterin des Weltergewichts.

Cajic verliert sein Duell

Das Champ-Duo Kai Klaiber und Arnel Causevic wiederum war im Halbschwergewicht der Klasse C mit 13 anderen Boxern am Start. Causevic unterlag Simon Stützle vom VfB Friedrichshafen durch K.o. in der zweiten Runde, Klaiber gewann gegen den VfBler Oskar Huber nach Punkten und musste am Abend wie Stützle gleich ein zweites Mal in den Ring. Während der Häfler verlor, qualifizierte sich der Ravensburger durch ein 2:1-Punkteurteil gegen Markus Kontny (Bruchsal) für das Halbfinale, das er mit 1:2 gegen Cebrail Turan (SU Neckarsulm) verlor. „Ich habe hier ebenso oft geboxt wie in meiner gesamten bisherigen Karriere. Es war eben Pech, dass ich trotz zweier Siege keine Medaille mitnehmen darf“, sagte der 21-Jährige erstaunlich locker.

Während Cem Güzelarslan im C-Schwergewicht dem VfBler Cem Kosal 0:3 unterlag, boxte sich Tufan Bülent mit 2:1 gegen Steven Dawodu (RW Stuttgart) ins Finale, das er gegen Geri Aliaj (TG Nürtingen) mit 3:0 gewann. Auch Viktor Haruna gewann zweimal, erst gegen Paul Gurtowetz (TSGG, 3:0), dann gegen Hrisowalandis Tsiapinakis (Neckarsulm, 2:1). Der Bulgare meinte dennoch trocken: „Ich kann das besser!“ Besser kann es auch Daniel Schlarb, allerdings stieg der Ravensburger Schwergewichtler ins B-Superschwergewicht auf, um sich dem eigenen Publikum präsentieren zu können. Der Mut des 23-Jährigen wurde nicht belohnt, nach dem 0:3 gegen Fethulla Kilicaslan (BC Esslingen) meinte Trainer Giovanni Saravo: „Daniel hat so lange für die Meisterschaft trainiert, aber wenn dein Gegner 15 Kilo mehr wiegt, ist das Unterfangen fast aussichtslos.“

Champ-Boxing-Aushängeschild Dejan Cajic machte sich im letzten Kampf des Events auf, den dritten Titel für sein Team zu holen. Doch das Halbfliegengewicht war nach fast einem Jahr Pause noch lange nicht wieder der „Alte“ und verlor gegen den 17-jährigen Cristos Cherakis (MBC Ludwigsburg) mit 1:2. Ein Anzählen nach einem Treffer auf den Hinterkopf machte es für den auch zu passiv agierenden Cajic nicht einfacher, Baden-Württembergischer Meister zu werden. Der BVBW dürfte Cajic laut Saravo wohl dennoch für die U-21- sowie die Männer-DM berücksichtigen.

Schwer hatten es Cajic und Cherakis auch, weil sie unmittelbar nach einem Höhepunkt an der Reihe waren. Die Topfavoriten ihrer Gewichtsklassen – Kastriot Sopa (SpVgg Ludwigsburg), Vjaceslaw Spomer (VfL Neckargartach) oder Patrick Hill (Rheinstrom Konstanz) – hatten bereits triumphiert, als sich der ehemalige Ravensburger Johann Witt (Boxing Villingen-Schwenningen) und Konstantin Biegler (VfB Friedrichshafen, K-1-Weltmeister) aufmachten, im „Traumfinale“ des Superschwergewichts die Zuschauer in ihren Bann zu ziehen. Teils mit herausragender Technik, teils mit brachialer Gewalt begegneten sich die Schwergewichte. Witt gewann und wurde zum besten Kämpfer der Meisterschaften, die der SV Heilbronn als bester Verein abschloss, gekürt.

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