Die Streitigkeiten im Umfeld des Kegel- und Bowlingcenters in Ravensburg finden kein Ende.
Die Streitigkeiten im Umfeld des Kegel- und Bowlingcenters in Ravensburg finden kein Ende. (Foto: Felix Kästle/Archiv)
Schwäbische Zeitung
Sportredakteur

Der Deutsche Keglerbund Classic (DKBC) hat den ESV Ravensburg mit der Austragung von zwei Großereignissen beauftragt. Eigentlich. Weil der Streit zwischen dem insolventen Verein und dem derzeitigen Pächter am Samstag eskaliert ist, musste der zweite Teil des Jugendvergleichs kurzfristig nach Kehlen verlegt werden. Die Deutsche Meisterschaft der Senioren – eigentlich vom 27. bis 29. Juni in Ravensburg – ist nun in Öhringen. „Für die Stadt Ravensburg und uns als Verein ist das natürlich ganz schlecht“, sagt der ESV-Vorsitzende Karsten Arndt.

Doch was ist genau vorgefallen? Da gibt es unterschiedliche Aussagen. Karsten Arndt will sich nicht groß zum Zwischenfall äußern und verweist auf eine offizielle Mitteilung des Vereins, die es in den kommenden Tagen geben solle. „Wir sind froh, dass die Jugendlichen noch zu ihrem Erfolg gekommen sind, alles Schlechte haben wir versucht, von ihnen fernzuhalten“, sagt Arndt. „Aber klar, es ist eine riesige Enttäuschung bei allen Keglern.“ Vonseiten des ESV hieß es am Dienstag, der Pächter hätte sich am Samstag über zu wenig Umsatz beschwert und daher beschlossen, die Veranstaltung abzubrechen.

Das Streitthema Umsatz bestätigt Volker Schüßler im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“. „Finanziell wäre es ein Desaster geworden“, sagt der Hauptgesellschafter der Firma Strike Ball, die das zur Zwangsversteigerung ausgeschriebene Kegel- und Bowlingcenter momentan gepachtet hat. Rund 150 Personen seien im Gebäude gewesen. „Aber wir haben am ganzen Tag nur rund 60 Getränke verkauft.“ Im Vorfeld hatte es laut Schüßler Absprachen mit dem ESV gegeben, dort sei ein Mindestumsatz festgelegt worden. Stattdessen, so Schüßler, hätten die Besucher sogar am Rande des American-Football-Spiels nebenan beim TSB Ravensburg gegessen und getrunken, nicht im Kegelcenter. Dazu habe es noch andere Vorfälle gegeben. „Wenn man so hintergangen wird, dann ist jegliche Zusammenarbeit sinnlos.“

Also hat Schüßler am Samstagabend von seinem Hausrecht Gebrauch gemacht und das Kegelcenter am Sonntag nicht mehr geöffnet. „Bestimmte Dinge sind nicht eingehalten worden“, sagt Schüßler. Näher will der Pächter nicht darauf eingehen, denn womöglich sehen sich beide Parteien vor Gericht wieder. Zwar soll es in den kommenden Tagen noch einmal ein Gespräch zwischen Strike Ball, dem ESV Ravensburg und dem Zwangsverwalter Jan van Aken geben. „Aber“, so Schüßler, „vielleicht stellen wir sogar Schadenersatzforderungen.“

Beiderseitige Schuldzuweisungen

Das Pikante an der Geschichte: Volker Schüßler ist Steuerberater mit einer Kanzlei. „Ich weiß, was und wie ich es juristisch mache.“ So etwas sei ihm in seinem gesamten Berufsleben noch nie passiert. Langjährige Kegler des ESV behaupten im Gespräch mit der SZ jedoch das Gleiche. Immer wieder seien dem ESV vom Pächter Knüppel zwischen die Beine geworfen worden, sagt ein ESV-Akteur. „Dabei hatte es in Gesprächen eigentlich versöhnlich ausgesehen.“ Am Samstag hätten nun auch die Vertreter des DKBC und der Landesverbände gesehen, dass den ESV keine Schuld treffe, heißt es vonseiten des Kegelvereins. „Natürlich war es aber für alle, vor allem für Karsten Arndt, peinlich.“ Zwangsverwalter van Aken war am Dienstag wegen anderweitiger Termine nicht erreichbar.

Unklar ist nach dieser Geschichte, wie es mit dem Kegel- und Bowlingcenter im Ravensburger Sportzentrum Rechenwiesen weitergeht. Wie es in der vergangenen Woche hieß, gebe es wohl einige Interessenten. Schüßler sagte damals: „Durch die Mithilfe aller können wir weiter Kegelsport in Ravensburg bieten.“ Die Vorfälle am Samstag haben dieses Ansinnen ad absurdum geführt.

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