Eissportfreunde trauern um Wolfgang Roos

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 Wolfgang Roos ist mit 77 Jahren gestorben.
Wolfgang Roos ist mit 77 Jahren gestorben. (Foto: EVR)
Schwäbische Zeitung

Die Trauerfeier für Wolfgang Roos mit anschließender Urnenbeisetzung ist am Mittwoch, 23. Oktober, um 15 Uhr auf dem Kreuzbergfriedhof in Weingarten.

Der frühere erste Vorsitzende des Eissportsvereins Ravensburg (EVR), Wolfgang Roos, ist nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 77 Jahren gestorben.

Roos war laut Vereinsmitteilung lange Jahre Torhüter der ersten Mannschaft und habe in einer für den EVR sehr schweren Zeit als erster Vorsitzender an der Spitze des Vereins gestanden. 2009 wurde er für seine Verdienste mit der Ehrenmitgliedschaft geehrt.

Sportliche Laufbahn beginnt mit Fußball 

Sportlich begann Wolfgang Roos seine Laufbahn im Fußball. Er spielte beim damaligen TSV Ravensburg und beim TSV Berg, ehe er mit 21 Jahren seine Vorliebe für das Eishockey entdeckt habe. Das Stadion am St. Christinahang, das erste Kunsteisstadion in Baden-Württemberg überhaupt, war gerade neu erbaut. Der Eissport nahm seinen Aufschwung.

 Wolfgang Roos war lange Jahre Torhüter der ersten Mannschaft des Eissportsvereins Ravensburg.
Wolfgang Roos war lange Jahre Torhüter der ersten Mannschaft des Eissportsvereins Ravensburg. (Foto: EVR)

Wolfgang Roos war ab 1961 als Torhüter in der ersten Mannschaft des damaligen ERV Ravensburg mit dabei. Es sei eine Zeit gewesen, als der Goalie noch mit Gesichtsmaske und nicht mit den heute üblichen Hochsicherheitshelmen spielte, heißt es. Legendär sei ein Spiel in Augsburg gewesen, als Wolfgang Roos vom Puck am Kopf getroffen wurde, zum Nähen in die Kabine ging und kurz darauf wieder zwischen den Pfosten stand. 1967 habe Roos mit dem ERV im Endspiel gegen Hannover den größten sportlichen Erfolg des Ravensburger Eishockeys in jener Zeit gefeiert, die deutsche Oberligameisterschaft.

Auch nach seiner Zeit als Spieler sei er seinem Lieblingssport treu geblieben. 15 Jahre lang war er Schiedsrichter und pfiff in den drei höchsten deutschen Eishockeyligen. Aktiv war er auch in seinem Verein: Er rief den internationalen Oldstars-Cup ins Leben und übernahm als Abteilungsleiter und zweiter Vorsitzender verantwortliche Positionen.

Eine große Bewährungsprobe

Seine größte Bewährungsprobe sollte 1993 kommen. Es ging laut Verein um das Überleben des in größten wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckenden EVR, als sich Wolfgang Roos als erster Vorsitzender wählen ließ und auch unter Inkaufnahme persönlicher Risiken die Verantwortung übernahm.

In einer Mitgliederversammlung des EVR in Obereschach sei er aufgestanden und habe die entscheidenden Fragen gestellt, die letztlich in den Rücktritt des damaligen Vorsitzenden mündeten.

Der EVR sei bereits aus den Ligen des Deutschen Eishockeybundes abgemeldet gewesen, der Verein habe am Abgrund gestanden. Wolfgang Roos fuhr zusammen mit Karl-Heinz Fehr, dem dritten Vorsitzenden und seinem späteren Nachfolger, zum Verbandschef nach Kaufbeuren und habe erreicht, dass der EVR wenigstens in der vierten Liga, der Regionalliga, weitermachen durfte.

Darauf sei der neuerliche sportliche Aufschwung bis in die zweite Liga gefolgt, in der sich der EVR aber mit seinem offenen Stadion nicht behaupten konnte. In der Folge gab Wolfgang Roos Ende 1997 sein Amt auf.

Schließlich stand der Verein nach eigenen Angaben nicht nur wirtschaftlich und sportlich vor gewaltigen Problemen. Mit dem Stadion am St. Christinahang sei man kaum noch konkurrenzfähig gewesen. Wolfgang Roos habe sich an die Spitze des Kampfes um eine Überdachung auf St. Christina oder den Bau einer neuen Halle gesetzt.

Demonstrationen vor dem Rathaus und im Stadion sowie eine Gala mit den Eissportlegenden Erich Kühnhackl und Erich Buck vor 4000 Besuchern gehörten zu den spektakulärsten Aktionen. Es sei, begleitet von Verwaltungsgerichtsverfahren, ein ständiges Hin und Her um die Sanierungsfähigkeit des Stadions am Hang oder den Bau einer Halle gewesen, den die finanziell klamme Stadt aber zunächst nicht stemmen konnte.

Als 2003 die Eissporthalle eröffnete und Wolfgang Roos den 25. Oldstarscup in der neuen Halle ausrichten konnte, sei auch für ihn ein Traum Wirklichkeit geworden. Bis ins 75. Lebensjahr stand er bei den Trainings der Alt-AH noch in der Ausrüstung auf dem Eis.

Die Trauerfeier für Wolfgang Roos mit anschließender Urnenbeisetzung ist am Mittwoch, 23. Oktober, um 15 Uhr auf dem Kreuzbergfriedhof in Weingarten.

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