Eine Meisterin ihres Fachs

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 Eröffnung der „UltraLines“ in der Kreissparkasse Ravensburg mit (von links) Manfred Schöner, der Künstlerin Gabriele Janker-Dil
Eröffnung der „UltraLines“ in der Kreissparkasse Ravensburg mit (von links) Manfred Schöner, der Künstlerin Gabriele Janker-Dilger, Kunsthistorikerin Andrea Dreher und den Tänzerin aus der Ballett-Werkstatt von Bettina Owczarek. (Foto: Babette Caesar)
Babette Caesar

Vielen ist sie in der Region längst bekannt. Mehrheitlich durch ihre „Mikrokosmen“ in Gestalt von Stoffcollagen, wie sie 2011 in der Gruppenausstellung „Schaumal – Machmal“ auf Schloss Achberg zu sehen waren. Jetzt ist die Ravensburger Künstlerin Gabriele Janker-Dilger mit einer sehenswerten, am Montag eröffneten Einzelschau in der Kreissparkasse Ravensburg vertreten. „UltraLines“ titelt sie und wartet mit Objekten aus Peddigrohr auf.

„Wie ordnet sich die Welt? Diese Frage interessiert mich“, zitierte Kunsthistorikerin und Galeristin Andrea Dreher in ihrer Einführung die Künstlerin von einst, als sie noch mit Stoffen, Nähgarnen, Spitzen und Farben arbeitete. Diese Zeiten sind vorüber, doch Janker-Dilgers bildnerischer Ansatz ist geblieben. Vorstandsmitglied Manfred Schöner schlug in seiner Begrüßung der vielen Besucher einen Bogen über den Tag des Schutzes des Ozonloches hin zu den rund 30 ausgestellten Objekten. So hänge die Heilung des Ozonloches von den Polarwirbeln ab, das mit Schwingungen und energetischen Prozessen zu tun habe. Um Universen, Chaos, Materie und elementare Teilchen ging und geht es auch in einem übertragenen künstlerischen Sinne in Janker-Dilgers Ultralines.

Collagen sind out, Peddigrohr ist in

1961 in München geboren und in Ravensburg aufgewachsen, hat sie an der Fachhochschule für Gestaltung in Pforzheim Modedesign studiert. Weniger die Mode als vielmehr das Material hat sie von Anfang interessiert, was sie zum Experimentieren mit textilen Collagen ermutigte. Erst mit 40 Jahren sei sie damit an die Öffentlichkeit getreten. Erstmals in einer Ausstellung in der Alten Kirche Mochenwangen, der viele weitere folgten. Bis zu dem Moment, in dem sie mehr durch Zufall das eher sperrige Peddigrohr für sich entdeckte, womit der Stoff vom Tisch war. Denn, wenn einmal etwas abgeschlossen ist, will sie Neues kreieren.

In dem Fall sind es feingliedrige „Air Lines“ (2017), die als Wandobjekte fungieren und in weiteren Ausführungen skulptural von oben herab frei im Raum schweben oder am Boden platziert sind. In allen Fällen zeichnen sie sich durch ihr Ineinander-verschlungen-Sein und ihre farbliche Gestaltung aus. Für Bewegung, Veränderung und Energie stehe das Material, mittels dessen sie ausgetretene Pfade verlasse und neue Raumebenen schaffe. Insbesondere in Form von sich spiegelnden Wand- und Bodenzeichnungen je nach Tageslichteinfall.

„Das eigentliche Geschehen findet in den Zwischenräumen statt“, betonte Dreher, was sich beim Blick auf die unterschiedlich stark schlingenartig verwobenen und verdichteten Strukturen bestätigt. Um dieses Spiel aus Ver- und Entflechtung, aus Be- und Entschleunigung für einmal mit Modern Dance in einen Dialog zu bringen, überraschte am Abend die Ravensburger Ballett-Werkstatt von Bettina Owczarek mit einer gelungenen Choreografie. Unter dem Motto „Wie bringe ich diese Linien in Bewegung?“ ließen sich fünf junge Tänzerinnen zu Janker-Dilgers „Linear Flowers“ (2018) und „Sparkling Lines“ (2019) inspirieren.

Bewegung und Freiheit sind Leitmotive

So luftig leicht wie ihr Tanz und die über dem Boden oder vor einer Wand schwebenden Peddigrohre wirken, so viel Handarbeit steckt hinter ihrer Fertigung. Das meint das stundenlange Einweichen der Stäbe, das Fixieren, um sie in die gewünschte Form zu bringen und letztlich das Besprühen mit Acrylfarbe als einen durchaus bildhauerischen Prozess. Dreher nannte sie „eine Meisterin ihres Fachs“, deren Leitmotive Experiment, Bewegung, Umwege und Freiheit sind. Starre, Statik und Ausharren gehören hingegen zu den Tabus.

Ganz frisch sind die „Ultra Lines“, die Flächiges mit Dreidimensionalem verbinden und somit weit in den Raum ausgreifen. Demgegenüber stellt sie erstmals in Acryl auf Leinwand gemalte Bilder, die sich durch eine stark verschattete blauschwarze Tongebung und im Gegenzug lichte Raumtiefen auszeichnet. Darüber gesetzt ist eine gebogene singuläre Ultra Line, die den Dialog mit der Malerei sucht. Dass sich Janker-Dilgers Werk nicht ausschließlich auf Geschwungenes konzentriert, zeigen ihre „Sparkling Lines“. Sie polarisieren mit Eckigem und Spitzem, indem sie auf Umwegen an Vergangenes, an einstige Collagen erinnern.

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