Eine kleine Küchen-Reise in den Orient

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 Die Teilnahme an der kulinarischen Orientreise hat Spaß gemacht. Von links: Ayat, Koordinatorin Monika Bercea, Mohammad Obaidi,
Die Teilnahme an der kulinarischen Orientreise hat Spaß gemacht. Von links: Ayat, Koordinatorin Monika Bercea, Mohammad Obaidi, Heinz Hechinger, Genka Yankova-Brust mit den syrischen Mädchen Farah und Sham, Shukria Al Ali, Reinhard Nedela und Elisabeth Wanura. (Foto: Maria Anna Blöchinger)
Maria Anna Blöchinger

Der Geruch von Minze und Petersilie liegt in der Luft. Bald blubbert Teig im heißen Öl – und die Teilnehmer befinden sich, ohne einen Flug zu buchen, im Morgenland. So geschehen am Montagabend am Beruflichen Fortbildungszentrum (bfz) in der Escher-Wyss-Straße, der Einblicke in die arabische Küche gegeben hat. Menschen fünf verschiedener Nationalitäten lernten sich beim gemeinsamen Kochen kennen.

Als Gastgeber will das bfz die Begegnung von Zuwanderern und Bürgern der Stadt, von Menschen aus unterschiedlichen Kulturen anregen. Dabei geht es um die Einübung von Toleranz, aber auch ganz praktisch darum, sich auf Deutsch zu verständigen. Bisher gingen die kulinarischen Abendreisen des bfz-Projekts nach Persien, Westafrika und Mitteleuropa. Koordinatorin Monika Bercea und Genka Yankova-Brust organisieren die Reihe „kulinarische (Entdeckungs-) Reise durch die Kulturen“.

Kinder helfen mit

Am vierten Abend des interkulturellen Projekts steht Shukria Al Ali am Herd und hat das Sagen Die elfjährige Sham und die siebenjährige Farah gehen ihrer Mutter zu Hand. Seit vier Jahren ist die syrische Familie in Deutschland. Am Arbeitstresen der großen Küche liegen dunkelviolette Auberginen, leuchtend rote Tomaten, grüne Gurken, Gewürze, Kräuter, Knoblauch, Sesampaste und Yoghurt. „Shukria Al Ali kocht richtig, nichts Fertiges. Die Kichererbsen hat sie zu Hause vorbereitet“, versichert Yankova-Brust. Sie hat mir ihr zusammen die Zutaten eingekauft. Die Zubereitung der Speisen ist nicht organisiert. „Wir machen halt mit“, sagt die in Bulgarien geborene bfz-Mitarbeiterin. Bei der Begrüßung der Gäste lobt sie das gemeinsame Kochen und die Wärme einer Küche.

Heinz Hechinger aus Friedrichshafen und Reinhard Nedela aus Salem schneiden Tomaten und große Mengen grüner Petersilie klitzeklein. „Petersilie und Minze sind das A und O der arabischen Küche“, betont der Mehmet Aksoyan von Tavir. Er kommt aus der Türkei, das im Süden an Syrien grenzt.

Neue Schneidetechniken erlernt

Die 24-jährige, syrisch-stämmige Ayat und ihre Freundin Ayah bearbeiten die Auberginen. Ayats Mutter will im Hintergrund bleiben, ist aber unter anderem für den aufsehenerregenden Petersiliensalat verantwortlich. Die Syrerin aus Damaskus gibt in den Salat, der von dem aromatischen, heilsamen Küchenkraut beherrscht wird, flugs noch ein Stück Zwiebel dazu, das sie mit der linken Hand hält und mit der rechten schneidet. Reinhard, der stolz auf seine Kocherfahrung ist, staunt und sagt: „Jetzt habe ich noch zwei neue Schneidetechniken gelernt.“

Etwas Mut braucht es, sich auf das Unbekannte einzulassen. Reinhard ist erleichtert: „Die Joghurtsauce gibt es auch ohne Knoblauch.“ Mehrere Teilnehmer rätseln: Was ist das, was im Öl schwimmt? Wie heißt das? Shukria Al Ali lässt sich von den Fragen nicht rausbringen. „Sie macht das jeden Tag“, weiß Yankova-Brust. Farah schaut überrascht auf einen in Öl ausgebackenen Kringel. „Zu Hause macht sie es besser“, stellt die Siebenjährige fest. Doch die nächsten gelingen perfekt. Das sind Dschelabi, meint der 21-jährige Mohammad Obaidi aus Afghanistan. Seit drei Jahren ist er in Deutschland, macht eine Ausbildung als Anlagenmechaniker und hilft unter anderem beim Landratsamt als Übersetzer.

Die Dinger schmecken sehr gut

Hingebungsvoll deckt die kleine Farah den Tisch. Das Menü geht seiner Vollendung zu. Der Appetit steigt. Elisabeth Wanura aus Tettnang kostet vorsichtig einen heißen Kichererbsen-Taler. „Ein Geheimrezept“, vermutet Genka Yankova-Brust, die krossen Dinger schmecken unbeschreiblich gut.

13 Menschen aus fünf Nationen sind sich am Montagabend nähergekommen, setzen sich wie Freunde an den Tisch. Koordinatorin Monika Bercea ist dankbar, dass das alles gelungen ist.

Glückliche Gesichter beugen sich über die Teller. Die Speisen sind einfach, aber für den deutschen Gaumen überraschend würzig. Die Tischgemeinschaft plaudert über fremde Sprachen und Gebräuche und fühlt sich wie im Paradies. Shukria Al Ali, Sham und Farah lächeln. Die Syrerinnen haben den Gästen ein Stück ihrer Heimat nahegebracht.

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