Eine junge Band mit großen Zielen

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Ravensburger Band „Tueday Night Project“ hat in kurzer Zeit schon viel erreicht.
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An den Wänden hängen Gitarren und Southside-Plakate, ein Johnny-Cash-Poster ziert die Tür, eingerahmte Zeitungsartikel und Flyer von vergangenen Konzerten dekorieren den Proberaum. Die freien Stellen und die Fenster sind mit einer Schalldämmung aus Schaumstoff verkleidet. Hinter dem Schlagzeug neben dem großen gemütlichen Sofa sitzt Paul Menz (20). Ihm gegenüber steht Milo Hölz (17) mit einer Gitarre in der Hand und einem Mikrofon vor den Lippen. Der Dritte im Bunde, Bassist Finn Rieber (18), muss arbeiten und ist deshalb bei dieser Probe der Band „Tuesday Night Project“ nicht dabei. Doch selbst in der kleineren Besetzung: Als Milo Hölz und Paul Menz ihren neuen Song „Johns Story“ anspielen, ist es kaum zu glauben, dass die Band der jungen Musiker gerade erst seit einem Jahr besteht.

Und wie klingt nun „Tuesday Night Project“? „Das ist immer die gemeinste Frage“, findet Paul Menz und lacht. Auch Milo Hölz tut sich damit schwer, denn der Sound der Band sei noch in der Entwicklung. Eine Mischung aus Jazz, Rock und Pop vielleicht – doch auch Einflüsse von Blues und Funk spielen eine Rolle. „Als Musiker will man sich auch nicht in eine Schublade stecken lassen“, sagt Milo Hölz. Die Vorbilder sind dann wieder leichter zu benennen. Zu ihnen gehören John Mayer, Sting und Elton John.

Wenn das Trio an neuen Songs arbeitet, entsteht die Melodie meistens zuerst. Gemeinsam sprechen sie dann über die Stimmung der Musik und welche Themen sie damit in Verbindung bringen. Die Texte stammen aus der Feder von Hölz.

Ursprünglich spielten die Bandmitglieder in unterschiedlichen Coverbands. „Irgendwann kannte man sich von Auftritten“, erzählt Paul Menz. Und irgendwann wollten sie mehr als nur die bekannten Songs der großen Bands zu covern. „Wir haben dann Kontakt aufgenommen und immer wieder zusammen Musik gemacht“, sagt Menz.

In nur zwei Wochen auf Bandcontest vorbereitet

„Erst haben wir das gar nicht so ernst genommen“, erinnert sich Milo Hölz. Dann hat die noch namenlose Band vom SZene-Bandwettbewerb erfahren. Zu gewinnen: Ein Auftritt auf dem Southside-Festival. „Wir hatten nichts zu verlieren, und dann ging es los“, erzählt Hölz. Innerhalb von nur einer Woche hat das Trio mit einem befreundeten Fotografen Fotos gemacht, ein Logo entworfen und ein Bandkonzept auf die Beine gestellt. Zwei Wochen verbrachten die jungen Musiker damit, eigene Songs zu schreiben, zu proben und aufzunehmen. „Wir haben uns viel Mühe gegeben, es nach etwas Großem aussehen zu lassen“, erzählt Milo Hölz. Am Abend vor dem letzten Abgabetermin fehlte schließlich nur noch der Bandname. Es war ein Dienstagabend – und so kam das Trio auf „Tuesday Night Project“.

Am Ende hat sich die Mühe gelohnt – im Juli 2017 stand die gerade einmal sechs Monate alte Band auf der White Stage des Southside-Festivals. „Der Auftritt war cool, aber das wirklich krasse war, die großen Bands mitzubekommen“, erzählt Paul Menz. „Da stehen dann Idole neben dir und trinken Kaffee. Später sieht man sie vor 60 000 Leuten spielen“, erinnert sich Milo Hölz. „Das war ein erster Einblick, wie es sein kann, wenn man erfolgreich ist. Das war ein riesiger Motivationskick.“

In diesem Jahr soll ein Album aufgenommen werden

Und so startet „Tuesday Night Project“ mit viel Elan und großen Plänen ins Jahr 2018. Ein Album soll in diesem Jahr aufgenommen werden. Außerdem hat sich die Band beim Bandpool-Förderprogramm der Popakademie Mannheim beworben, wo schon bald das letzte Vorspiel ansteht. „Das würde bestimmt viele Türen öffnen“, sagt Paul Menz. Ein weiterer Traum des Trios: eine Clubtour durch Deutschland. „Das größte Ziel wäre natürlich, von der Musik leben zu können“, sagt Milo Hölz.

Zu hören ist „Tuesday Night Project“ am Samstag, 20. Januar, in der Evangelischen Stadtkirche in Ravensburg. Das Kulturprogramm im Rahmen der Vesperkirche, die heute Abend eröffnet wird, kostet keinen Eintritt und soll damit für jeden erschwinglich sein. Bei dem Auftritt verzichtet das Trio auf eine Gage, freiwillige Spenden gehen an die Vesperkirche. „In unserem Alter haben wir wenig Optionen, solche Projekte finanziell zu unterstützen. Aber wir können musikalisch dazu beitragen“, sagt Milo Hölz. „Uns geht es ja gut. Mit dem was wir haben, können wir gut proben. Dass uns 500 Euro mehr oder weniger glücklicher machen, glaube ich nicht. Da ist es schön, wenn der Betrag einer breiteren Masse zugutekommt.“

Ein Videoporträt der Band gibt es unter www.schwaebische.de/vesperkirche. Dort sind auch alle weiteren Artikel und Videos zum Thema gesammelt.

Weitere Infos zur Band, Termine und Hörproben gibt es im Internet unter www.tuesdaynightproject.de

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