Eine extravagante Session ohne Genre

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 Die Christoph Neuhaus Group und Jazz-Sängerin Fola Dada (im Bild) bei ihrer Funk- und Soul-Session in der Zehntscheuer.
Die Christoph Neuhaus Group und Jazz-Sängerin Fola Dada (im Bild) bei ihrer Funk- und Soul-Session in der Zehntscheuer. (Foto: Babette Caesar)
Babette Caesar

Wie machen sie das, dass ihre Musik so spielerisch leicht tönt? Dass die Christoph Neuhaus Group und Sängerin Fola Dada so viel Spaß mit- und aneinander haben wie am Samstag auf Einladung von Jazztime Ravensburg in der Zehntscheuer. Wie sie das genau machen, dass die Besucher sich ihrem Charisma vom ersten Ton an nicht erwehren können, bleibt ein Stück weit ihr Geheimnis. Sonst wäre die Faszination vorbei, mit der sie ihren groovenden Sound auf die Bretter legen.

Eine hochenergetische Mischung aus Funky, Soul und Modern Jazz bestimmte diesen gut besuchten Abend. So genau lässt sich der Rhythmus von E-Gitarrist Christoph Neuhaus aus Stuttgart zusammen mit Kontrabassist Axel Kühn aus Tübingen und Schlagzeuger Axel Pape aus Wiesbaden nicht auf den Punkt bringen. Und soll er auch nicht.

„Das Schöne an den Musikern ist, dass alles erlaubt ist. Ohne Festlegung auf ein bestimmtes Genre“, stellte Neuhaus gleich zu Beginn klar. Also mit vielen melodischen Anleihen auf die Zeiten ab den 70er-Jahren, in denen die Jazzgitarre zusehends in den Vordergrund rückte, im Bestreben Traditionelles neu zu beleben. Diese extravagante Session stand für genau das. Für ein grandioses Zusammenspiel zwischen Neuhaus, Kühn und Pape, deren Groove einem sofort in die Glieder fährt als ein Geflecht aus fein abgestimmter Dosiertheit und einem rhythmischen Flow, der keine Grenzen zu kennen scheint. Neuhaus zu erleben, kommt einem Feuerwerk aus dicht an dicht gelegten Akkorden gleich – einem Cluster, das von Zeit zu Zeit mit Kühns Kontrabasssaiten einen frisch-frechen Dialog eingeht. Aus Richtung Papes Schlagzeug echot eben dieser fein gesponnene Sound, der zugleich alle Schleusen für transsphärische Höhenflüge öffnet.

„Wir sind befreundet und es ist toll, sich bei solchen Anlässen auf der Fahrt ins Oberschwäbische wieder zu begegnen“, betrat Jazz-Sängerin Fola Dada die Bühne. Sie strahlt eine ungebremste Lebensfreude, aus die ansteckend ist. Und sie verfügt über eine stimmliche Bandbreite, die von soften Scatgesang hin zu Soul, von leise gehaucht und hyper lasziv bis zu so lautgewaltig reicht, dass ihre Vocals Schallmauern durchbrechen könnten. Ja, wie macht sie das bloß? Es sieht so leicht, so einfach und unbeschwert aus in Songs wie „Stormy Monday“ der Allman Brothers. Die deutsch-nigerianische Künstlerin bewegt sich als Pop- und Jazzsängerin, Komponistin, Liedtexterin, Gesangslehrerin und Hochschuldozentin auf immens vielen musikalischen Feldern und verliert dabei nie ihren Charme.

Was Neuhaus da an Effekten – mal smooth, mal aggressiver – aus seiner Gitarre herausholt, bewerkstelligt Kühn auf den Basssaiten. Er und Pape sind Taktgeber, die alle Register ziehen. Die Session wartete mit einer Reihe von Neuhaus’ eigenen Kompositionen auf. Darunter das dem Blues-Soul-Funk gewidmete Stück „Don’t you“ von 2017 und im Gegenzug die Ballade „Poem“, die Fola Dada nonchalant dahin zaubert. Wie macht sie das bloß, dass man ihr augenblicklich zu Füßen liegt.

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