Ein Ravensburger hat mutige Pläne für die Mobilität der Zukunft

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 Akasol-Vorstandschef Sven Schulz (links) und sein Finanzchef bei der Bilanzpressekonferenz des Batterieherstellers am Montag in
Akasol-Vorstandschef Sven Schulz (links) und sein Finanzchef bei der Bilanzpressekonferenz des Batterieherstellers am Montag in Darmstadt. (Foto: Akasol)
Ressortleiter Wirtschaft
Mischa Ehrhardt

Akasol ist eine bislang nur in Fachkreisen bekannte Firma. Das könnte sich in Zukunft ändern. Denn das Unternehmen, das seit 2018 an der Börse gelistet ist, liefert Lösungen für die Mobilität der Zukunft, insbesondere Batteriesysteme. Zwar hat der Konzern im vergangenen Jahr einen Verlust verbucht, dafür sind die Auftragsbücher prall gefüllt.

Busse, Lastwagen, Schiffe: Die Mitarbeiter von Akasol denken in größeren Dimensionen. Am Montag hat der Batteriesystemhersteller aus Langen bei Darmstadt seine erste Bilanz nach dem Börsengang im vergangenen Sommer präsentiert – und die kann sich sehen lassen. Denn der Umsatz ist im vergangenen Jahr um fast 50 Prozent gestiegen – auf 21,6 Millionen Euro. Das ist zwar noch überschaubar, doch im gerade laufenden Jahr soll er sich auf dann rund 60 Millionen Euro verdreifachen.

Möglich sind solche gewaltigen Sprünge, weil Akasol sich in einem zukunftsträchtigen Bereich betätigt: Das Unternehmen stellt Batteriesysteme für die Mobilität von morgen her, nicht aber für Autos, sondern für Bahnen, Busse, Lastwagen oder Schiffe. Unter anderem der Börsengang im vergangenen Jahr hat die Bilanz belastet, sodass unter dem Strich ein Verlust von 726 000 Euro herauskam. Auch blieb der Umsatz etwas unter den Erwartungen. Dennoch zeigt sich die Unternehmensführung zufrieden. „Wir haben alle Aufträge, die wir eigentlich haben wollen, nach wie vor an Bord“, sagte Carsten Bovenschen, der Finanzchef des Unternehmens. „Und wir werden die Umsätze nachholen. Insofern sind wir ganz zufrieden.“

Dass dies kein frommer Wunsch ist, kann man im Auftragsbuch des Unternehmens ablesen. Das ist mit einem Volumen von 1,5 Milliarden Euro bis 2024 prall gefüllt. Denn Nutzfahrzeughersteller wie Daimler bestellen ebenso die Batteriesysteme des Unternehmens wie die Konkurrenz in Schweden, also Volvo. Die Energiesysteme werden in Busse ebenso eingebaut wie in Lkw. „So ein Wachstum ist natürlich eine große Herausforderung, das wird kein Spaziergang“, sagte Unternehmenschef Sven Schulz der „Schwäbischen Zeitung“. Schulz ist gleichzeitig auch Vorstandschef der Schulz-Gruppe aus Ravensburg, die industrielle Produktionsanlagen, Maschinen und Softwarelösungen konstruiert und auch Batteriesysteme für Nutzfahrzeuge herstellt. „Das macht mir zwar keine Angst, aber Respekt habe ich schon. Denn dieses Wachstum muss man im Unternehmen auch erst einmal bewältigen.“

Dabei stellt Akasol aber keine Batterien her, sondern Batteriesysteme. Zu diesem Zweck werden einzelne Batteriezellen in Module mit Kühlsystem gepackt. Elektronik überwacht und steuert die Module. Die Module sind Bestandteil eines größeren Systems, das elektronisch gesteuert mit dem Antriebssystem der Fahrzeuge kommuniziert. „Man kann die Systeme fast schon vergleichen mit einem Hochleistungsrechner mit angegliederter Großbatterie, die natürlich nötig ist, um elektrisch zu fahren“, sagt Schulz.

Von Projektentwicklungen ist Akasol im Jahr 2018 zur Serienproduktion übergegangen. Wie andernorts ist eine der großen Herausforderungen, in folgenden Generationen der Batteriesysteme noch größere Reichweiten hinzubekommen. Das dürfte gerade für lange Strecken mit der vorhandenen Batteriezellentechnologie nur schwer zu erreichen sein. Deswegen machen sich Schulz und seine Mitarbeiter keine Illusionen, was künftige Technologien in Nutzfahrzeugen angeht. „Insbesondere für Langstrecken glauben wir, dass es auch dort Lösungen mit Brennstoffzelle oder Diesel-Hybrid-Lösungen geben wird. Das schöne aber an diesen Systemen ist: Dort wird auch eine Batterie enthalten sein – und einige davon kommen dann natürlich von Akasol.“

Für das Abarbeiten seines Auftragsbuches plant das Unternehmen, seine Produktionskapazitäten zu erweitern. Bis 2020 will Akasol seinen Ausstoß in den Fabrikhallen in Langen verdoppeln. In diesem Jahr will das Unternehmen auch in den USA ein Werk eröffnen. Dabei wolle man darauf bedacht sein, die eigenen Möglichkeiten nicht zu überschätzen und nur die Aufträge anzunehmen, die man bewältigen könne.

Finanziell sei das Unternehmen jedenfalls solide aufgestellt, nicht zuletzt durch den Börsengang im vergangenen Jahr. Denn der hatte Akasol rund 100 Millionen Euro in die Kassen gespült. „Wie angekündigt, arbeiten wir fokussiert an den wichtigen nächsten Entwicklungsschritten der Akasol AG und verwenden die Mittel aus dem Börsengang zielgerichtet für die Umsetzung unserer Wachstumsstrategie“, sagte Finanzchef Bovenschen.

An der Börse waren manche Anleger weniger zuversichtlich oder weniger geduldig: Der Kurs der Aktien liegt mit gut 42 Euro deutlich unter dem Einstandskurs an der Börse.

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