„Ein krasser sozialer Rückschritt“

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Schwäbische Zeitung

Vor der Informationsveranstaltung der Stadtverwaltung (Dienstag, 19 Uhr, Mensa Alte Spohnhalle) wird das Thema Ganztagsgrundschule in Ravensburg weiter kontrovers diskutiert. Wie berichtet, hat eine Bürgerintitiative gegen die Pläne inzwischen mehr als 220 Unterschriften gesammelt.

Gegen das Rahmenkonzept für die Einführung der Ganztagsschule hatte im Gemeinderat alleine die Fraktion der Bürger für Ravensburg (BfR) gestimmt. Alt-Stadtrat Peter Schröder, der am 25. Mai für die BfR kandidiert, schließt sich der Kritik an und bezieht sich dabei auf Aussagen von Bürgermeister Hans Georg Kraus in einem Gespräch mit der SZ: „Konkret kann er (Kraus) die zahlreichen konkreten Kritikpunkte von Eltern, Lehrkräften, Erziehern in keinem einzigen Punkt widerlegen.“ Die Entscheidung solle jetzt „anscheinend gegen alle Widerstände durchgezogen werden“. Schröder wirft der Stadt weiterhin vor, sie rede entstehende Kosten schön.

Für schwer fassbar hält er den Beschluss, „ein bewährtes Betreuungsangebot gänzlich zu verändern“: „So soll das bisherige umfassende Hortsystem, das eine große Flexibilität ermöglicht, in die Ganztagesschule mit ihren festen Vorgaben umgewandelt werden. „Für mich ist dieser Gemeinderatsbeschluss ein krasser sozialer Rückschritt. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird insbesondere für viele Mütter in Teilzeitarbeit massiv erschwert.“

Die SPD-Fraktion stellt sich dagegen klar hinter den Beschluss des Gemeinderates: „Den Eltern entstehen keine zusätzlichen Kosten mehr, Hausaufgaben gehören der Vergangenheit an und den Kindern steht ab 15.30 Uhr der Restnachmittag zur freien Verfügung. Vollbeschäftigte Elternteile weisen häufig auf die Betreuungskluft zwischen dem Kindergartenangebot mit Hortberteuung und der Grundschule in der bisherigen Form hin“, so die Stadträte Gisela Müller und Wolfgang Engelberger. Diese Kluft werde künftig erheblich reduziert, was zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf beitrage. Durch die Wahlmöglichkeit zwischen Halb- und Ganztagesform sieht die SPD die geforderte Entscheidungsfreiheit für Eltern gewährleistet.

„Gute Wahlmöglichkeiten“

Unterstützung auch von der Agenda „Schule neu denken“, die aus „pädagogischen und familienbezogenen Gründen“ das Angebot der Stadt für sinnvoll hält. Es gelte, unvoreingenommen die gegebenen Möglichkeiten zu prüfen. Das Ravensburger Modell beinhalte gute Wahlmöglichkeiten. Zur bisherigen Praxis sagt die Agenda: „Hortplätze werden nur dann vergeben, wenn beide Eltern berufstätig sind. Wer die Betreuung seines Kindes auch nachmittags für sinnvoll hält, hat keine Chance, einen Hortplatz zu bekommen, wenn nur ein Elternteil arbeitet.“ Im Ganztagsbetrieb geführte Schulen könnten viel mehr Kindern den Zugang zu schulischen Angeboten und pädagogischer Betreuung ermöglichen, als es im Halbtagsbetrieb mit Hortangebot möglich wäre.

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