Ein großer Songpoet feiert seine Solo-CD

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Michael Moravek und seine Mitstreiter glänzten.
Michael Moravek und seine Mitstreiter glänzten. (Foto: Kleinecke)
Tim Jonathan Kleinecke

Als Michael Moravek und der Geiger Steve Wickham mit der letzten Zugabe das Konzert beendeten, konnten sie in viele glückliche Gesichter blicken – in der ausverkauften Zehntscheuer war die einhellige Meinung, ein ganz hervorragendes Konzert erlebt zu haben.

Moravek ist einer der kreativsten und vielseitigsten Musiker in der Region: Neben seinen „Plane Austers“ macht er in lockerer Folge mit verschiedenen Autoren und Schauspielern Themenabende über Bob Dylan oder Mark Twain, die er mit Songs, Stimme und Gitarre veredelt. Nun war es an der Zeit für ein Soloalbum und eben das Release-Konzert zu „In Transit“. Das Cover der CD ist in dunklem Braun gehalten, was die Stimmung der Songs wunderbar illustriert: Wickham attestiert ihm in den Liner Notes „songs of sadness, heartbreak, dreams and love“ – für die Texte mag der dunkle Teil stehen, die erdig-braunen Töne spiegeln die Wurzeln der Songs in Folk, Blues und der Singer-Songwriter-Tradition.

Allein beginnt Moravek mit akustischer Gitarre, schon hier zeigt sich die Klasse seiner Melodien: „Jules, Jules“ ist ganz einfach, aber keineswegs banal – das muss man erstmal schaffen. Nach und nach gesellen sich seine Gäste hinzu: Sean Highboy hatte schon das Vorprogramm bestritten und kam nun mit Mandoline, Steve Wickham stammt ebenso aus Irland, hat schon mit den Waterboys und Elvis Costello gespielt und reiste extra für seinen Freund Moravek aus Dublin an. Wickham entpuppt sich als großer Gewinn für die Band, die konzentriert und meistens recht luftig agiert. William Bruce Kollmar am Bass und der vorzügliche Drummer William Widmann schaffen das Fundament, auf dem Wickham und vor allem der grandiose Posaunist Michael Huber für instrumentale Glanzlichter sorgen. Den Szenenapplaus gönnt ihnen Michael Moravek gern: „Ich genieße diesen Abend am meisten“, sagt er zwischendrin, das glaubt man ihm sofort.

Sehr gute, zeitlose Songs hat er geschrieben: „Lullaby on West Chicago Avenue“ oder „What are you waving at?“ und die Titelsongs der CD ragen heraus. „Tut mir leid, ich habe keinen Gitarren-Roadie“, meint Moravek entschuldigend während längerem Umstimmen des Instruments, um nach 20 Sekunden nachzulegen: „Aber nach diesem Konzert kann ich mir einen leisten“ – es sind Sätze wie dieser, lakonisch und mit ein wenig Selbstironie, die bei Moraveks gelassener Bescheidenheit von großer Souveränität zeugen. Gegen Ende, wenn sich Moravek zu seinen Musikern umdreht, könnte man meinen, sein Geist würde den Körper mal eben verlassen und kurz über der Bühne schweben – so, wie er dann ins Publikum lächelt: Denn was er da sieht, ist nicht nur gut. Es ist sehr gut.

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