Ein bezauberndes Mozartkonzert zum Jahresende

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Als sensibler Künstler begeistert Andreas Janke beim Silvesterkonzert der Sinfonietta Bodensee-Oberschwaben.
Als sensibler Künstler begeistert Andreas Janke beim Silvesterkonzert der Sinfonietta Bodensee-Oberschwaben. (Foto: Helmut Voith)

Mit „Mozart!“ hat die Sinfonietta Bodensee-Oberschwaben ihr Silvesterkonzert im Konzerthaus überschrieben, doch es hätten auch drei Ausrufezeichen sein dürfen, so begeisternd waren Programm, Orchester und Solist.

Eigentlich begrüße er zu einem Kinderkonzert, meinte Konzertmeister und Leiter Ulrich Gröner schmunzelnd im Blick aufs Programm, denn das Singspiel „Bastien und Bastienne“ hat Mozart mit 12, das Violinkonzert Nr. 1 B-Dur KV 207 mit 17 und die Sinfonie Nr. 29 A-Dur KV 201 mit 18 Jahren komponiert, während er beim Rondo für Violine und Orchester C-Dur KV 373 bereits 24 Jahre alt war. Eine frühe Meisterschaft, die nicht zuletzt auf der umfassenden Bildung beruhte, die Vater Leopold Mozart seinem Sohn angedeihen ließ.

Zart und duftig ließen die Musiker die Ouvertüre zum Singspiel „erwachen“, in leichtem Pulsieren schälten sich die Melodien heraus, ein bezaubernder Einstieg. Mo“zärtlich“ anmutig und beschwingt folgte Mozarts selten zu hörendes frühestes Violinkonzert. Graziös und zugleich stilistisch reif verband Mozart hier die Tradition eines Vivaldi und Tartini mit der eigenen Musiksprache, wobei seine Instrumentation mit zwei Oboen, zwei Hörnern und Streichern schon richtungsweisend war für den eigenen Weg. Mit Esprit spielte Andreas Janke, Violinprofessor an der Zürcher Hochschule der Künste und erster Konzertmeister des Tonhalle-Orchesters Zürich, seine Violine von Carlo Bergonzi, mit kristallklarem Ton schwebte er über dem klug zurückgenommenen Orchester, dialogisierte mit der Oboe. Gefühlsinnig sang die Violine im Adagio zum sanften Wogen der Streicher, graziös zwitscherte und tirilierte sie im Presto. In den drei Sätzen waren feine, spannungsreiche Kadenzen zu genießen. Seelenvoller war das anschließende Rondo C-Dur KV 373 für Violine und Orchester. Fein und weich war der Strich der Violine, berührend die große Sensibilität des Künstlers, der das Orchester ebenso feinfühlig begegnete.

Zuletzt stand die Sinfonie A-Dur KV 201 des 18-jährigen Mozart auf dem Programm, die bereits Haydns Tiefe der Gestaltung erreicht. Mit bezaubernd schlankem, transparentem Klang setzte das Allegro ein, immer wieder betörte die feine Pianokultur, die das Allegro in elastischem Musizieren wie eine Preziose behandelte. Über lebhaften Auf- und Abwärtsbewegungen der Streicher blühten in den Bläsern Melodien auf, ein dynamisches Spiel mit ruhigen Akzenten. Ein feines Klanggespinst war das Andante, ein graziöser Tanz das Menuetto, ehe das unmittelbar angeschlossene Allegro con spirito vital und lebensfroh tänzelte, hüpfte und zirpte.

Die Zuhörer spürten, was Gröner meinte, wenn er sich freute über diesen Kreis von Musikern, die mit intensivem Aufeinander-Hören auch ohne Dirigenten zusammenfinden – eine Freude sei es für ihn, mit diesen Kollegen aus dem Raum zusammenzuspielen, und eine Freude war ihr Musizieren für die Zuhörer.

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