Ein besonderer Konzertort: Weißenau

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Im Kloster Weißenau finden unter anderem die Orgelkonzerte bei Kerzenschein statt.
Im Kloster Weißenau finden unter anderem die Orgelkonzerte bei Kerzenschein statt. (Foto: Roland Rasemann)
Schwäbische Zeitung
Dorothee L. Schaefer

25 Jahre sind eine lange Zeit für die Kulturarbeit in Zeiten knapper Kassen. Mit Recht darf der Kulturkreis Eschach stolz sein auf die beeindruckende Reihe der Weißenauer Konzerte oder die Orgelkonzerte in der Kirche bei Kerzenschein. Beim Jubiläumskonzert am Sonntagnachmittag brachen die Sonnenstrahlen in die noch kalte Klosterkirche und verbreiteten wohlige Wärme.

Aber nicht nur ihr leuchtendes Licht erhellte das Gemüt der Besucher, sondern auch ein sehr schönes Konzert, das schon mit den ersten Takten der „Sinfonia“ von Bachs Kantate BWV 4 „Christ lag in Todesbanden“ einen wunderbar runden Klang entfaltete. Das lag zuvorderst an den 18 Instrumentalisten der Süddeutschen Kammerphilharmonie, einem 2001 von Profimusikern gegründeten Projektorchester, hier unter der Leitung des Organisten, Komponisten und Chorleiters Gregor Simon.

Da sowohl in Bachs Kantate wie auch bei Haydns „Theresienmesse“ das Orchester fast durchgehend als Begleitung und Untermalung auftritt, wurde umso deutlicher, wie tongenau, modulationsfähig und strukturgebend dieses auch altersmäßig junge Ensemble ist. Von den Streichern bis zur Pauke und bis in die Einzelstimmen von Klarinette und zwei Trompeten hinein waren die Präzision, das Eingehen auf die Solisten oder auch die instrumentalen Vor- oder Zwischenspiele mit ihrer musikalischen Ausdruckskraft eine reine Freude für das Ohr.

Dies schätzte wohl auch der erst seit einigen Monaten bestehende und glänzend aufgestellte Konzertchor Oberschwaben mit 28 Sängerinnen und Sängern. Nach Bachs musikalisch sehr farbenreicher Kantate, die in einem getragenen Choral ausklang, war wohl die größte Herausforderung Gregor Simons Chorstück mit Orgel „Christus in aeternum“, mit dem der 45-jährige Komponist 2007 den Kompositionswettbewerb von St. Marien in Stralsund gewonnen hatte. Simon benutzte für diese etwas angestrengt disharmonisch wirkende Komposition drei Texte, ein kurzes Gebet von Padre Pio, einen Ausschnitt aus Psalm 27 und das Gedicht „Anruf“ von Maria Menz mit einem lateinischen Gebetsruf zum Abschluss. Die Orgel hat in dem Stück oft nur eine andeutende rhythmisierende Funktion, bisweilen aber tritt sie auch mit großem Volumen in Erscheinung.

Der größte Teil des eineinhalbstündigen Konzerts war dann Joseph Haydns „Theresienmesse“ von 1799 gewidmet, einem sechsteiligen Werk, in dem die Harmonie von Text und Musik, die Ausgeglichenheit von Chorpassagen und Solostimmen den vollen und ständigen Einsatz erfordern. Außerdem zeigt es – wie oft bei Haydn – seinen freien, musikalischen, modernen Geist. Auch hier ergänzten sich wieder Chor und Orchester und die vier renommierten Solisten –die Sopranistin Simone Schwark, die Mezzosopranistin Cornelia Lanz, der koreanische Tenor Joung-Woon Lee und der Bass Jens Hamann – aufs Schönste.

In den Arien bildeten sie meist ein Duo, ein Terzett oder Quartett und ein musikalisches Gewebe, in das bisweilen Cello- oder Kontrabasstöne oder andere Orchesterstimmen wie große Tropfen fielen. Dagegen waren das „Gloria“ und das „Credo“ des Chors, auf die das Orchester perfekt reagierte, oft von voluminöser Kraft und großer Bewegung getragen. Ein ausgewogenes Plenum im „Agnus Dei“ setzte den Schlusspunkt unter eine wohlgelungene Aufführung.

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