Ehrenbürger Karl Wäschle ist 91-jährig gestorben

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Der Ravensburger Alt-OB Karl Wäschle ist am Donnerstag verstorben.
Der Ravensburger Alt-OB Karl Wäschle ist am Donnerstag verstorben. (Foto: Roland Rasemann)
Schwäbische Zeitung
Günter Peitz

Karl Wäschle ist tot. Der Ravensburger Oberbürgermeister von 1966 bis 1987, Ehrenbürger und Träger des Bundesverdienstkreuzes, ist 91 Jahre alt geworden. Mit dem Ableben des geborenen Ravensburgers aus der Ziegelstraße und überzeugten Europäers ist die „Ära Wäschle“, von der man mit Fug und Recht sprechen kann und in der in dieser Stadt viel bewegt worden ist, endgültig Geschichte.

Karl Wäschle hat seine Heimatstadt, mit der er sich zeitlebens eng verbunden fühlte, vorzüglich repräsentiert. Souverän im Auftreten, fair, ein sehr guter Redner, ein Grandseigneur, wahrte er eine gewisse Distanz, was ihm an manchen Stammtischen verübelt wurde, konnte aber auch ein guter Unterhalter sein, gesegnet mit einem trockenen Humor. Dass er ein Meister der Selbstbeherrschung war, der selbst dann nicht aus der Rolle fiel, als der Kommunistische Bund Westdeutschland einmal eine Gemeinderats-Sitzung mit ihm als Vorsitzenden sprengte, war wohl nicht zuletzt auch auf die harte Schule der Kriegsmarine zurückzuführen, zu der er sich nach dem vorzeitigen Abitur am Spohngymnasium freiwillig gemeldet hatte. Als U-Bootfahrer kam er knapp mit dem Leben davon, studierte nach dem Krieg Jura und hätte als Regierungsdirektor im Kultusministerium im Stuttgart eine ruhige Beamtenlaufbahn absolvieren können, hätte er es nicht vorgezogen, sich als Nachfolger von Albert Sauer um den Sessel des Ravensburger Oberbürgermeisters zu bewerben.

In der Ära Wäschle sind kommunalpolitisch wichtige Weichen gestellt worden. So wurden die Kreis- und die Gemeindereform vollzogen, faire Ortschaftsverfassungen ausgehandelt, an die sich Karl Wäschle gewissenhaft hielt. Die große Lösung allerdings, die „Bandstadt“ im Schussental, die er energisch anstrebte, kam nicht zustande, weil sich die Weingartener quer legten und vom Staatsgerichtshof Recht bekamen. Als Ersatz hob er den Gemeindeverband Mittleres Schussental mit aus der Taufe, der immerhin einen gemeinsamen Flächennutzungsplan zustande brachte. Auch die Gründung des Regionalverbandes Bodensee-Oberschwaben mit ihm als Vorsitzenden fiel in diese Zeit. Im Kreistag war er Vorsitzender der CDU-Fraktion.

In Ravensburg trieben OB Karl Wäschle und der Gemeinderat den Bau dringend benötigter Schulen und Sportstätten voran. Er setzte durch, dass das Sportzentrum Rechenwiesen entstand. Das Großklärwerk Langwiese wurde gebaut, das Einkaufszentrum Gänsbühl, sowie eine neue Feuerwache. Die Stadtsanierung, sein besonderes Anliegen, wurde angekurbelt. Markante historische Gebäude brachte die Stadt in Ordnung und erfüllte sie mit neuem Leben. Umgehungsstraßenbau und neue innerstädtische Verkehrsführung waren große Themen, nicht zuletzt die Verkehrsberuhigung der Innenstadt. Nachdem OB Wäschle im Einvernehmen mit dem Gemeinderat den Marienplatz für den Durchgangsverkehr dicht gemacht hatte, musste er sich von manchen Bürgern, die den totalen Zusammenbruch des Verkehrs befürchteten, übel beschimpfen lassen. Doch der Verkehr kollabierte nicht, auch gab es keine befürchteten Gebäudeschäden infolge des Baues der Marienplatz-Tiefgarage. Jugendhaus, Seniorentreff, Musikschule – all das und noch viel mehr wurde in der Amtszeit von OB Wäschle realisiert, der sich als Ruheständler für die Europa-Union engagierte, deren Kreisvorsitzender er war. Seinen Wohnsitz hatte er von Ravensburg nach Waldburg verlegt, lebte aber zuletzt mit seiner zweiten Frau in Weingarten. Karl Wäschle hat sich um seine Heimatstadt Ravensburg verdient gemacht. Viele ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger, die ihn kannten und schätzten, werden in dieser Einschätzung übereinstimmen.

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