E-Autos könnten bald deutlich billiger werden

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Armin Jöchle ist Innungsmeister des hiesigen Elektro-Handwerks und Experte für E-Mobilität.
Armin Jöchle ist Innungsmeister des hiesigen Elektro-Handwerks und Experte für E-Mobilität. (Foto: Karin Volz)

Um den Verbrennungsmotor aus dem Straßenverkehr zu verdrängen, reicht es nicht, einfach mehr Elektroautos zu verkaufen. Abgesehen davon, dass diese in der Anschaffung noch teuer sind und zum Teil sehr geringe Reichweiten haben, fehlt eine für breite Massen ausgelegte Infrastruktur. Diese müsse vor allem dort entstehen, wo die Autos nachts parken: in den Garagen und Carports der Bürger, meint Armin Jöchle. Der Baindter ist Obermeister des Elektro-Innung Ravensburg.

Ungefähr einmal wöchentlich tankt Jöchle sein eigenes E-Auto, einen Tesla, mit Strom auf. Dieser hat jedoch auch leistungsstarke Motoren und eine Reichweite von 400 Kilometern. Andere Fabrikate, etwa der Renault Zoe oder der E-Smart, bringen es auf 120 bis 160 Kilometer. Da das öffentliche Tankstellennetz für E-Fahrzeuge noch in den Kinderschuhen steckt und die wenigen bestehenden Plätze meist schon belegt sind, ist eine Auflademöglichkeit daheim also unabdingbar.

Die Nachfrage steigt

„Die Nachfrage steigt ganz klar“, sagt Jöchle, der seinen Handwerksbetrieb mit zwölf Mitarbeitern zum E-Mobilität-Fachbetrieb weiterentwickelt hat. Zunächst muss ein Fachmann nämlich überprüfen, ob die bestehenden Stromleitungen im Haus fürs Tanken in der eigenen Garage überhaupt ausgelegt sind. Das fange beim Hausanschluss mit ausreichender Leistung an, gehe weiter mit der richtigen Leitungsinfrastruktur und schließe beim sicheren Anschluss in der Garage ab. „Grundsätzlich können solche Ladestationen aber auch im Freien aufgestellt werden. Schnee, Kälte oder Regen schaden ihnen nicht.“

Strom fürs Auto aus Photovoltaik

Etwa die Hälfte der Gebäude im Land sei älter als 50 Jahre und erfülle ohne Umrüstung die technischen Anforderungen derzeit nicht. Je nach Aufwand muss der Käufer eines Elektroautos für die Umrüstung zwischen 2000 und 2500 Euro zum Kaufpreis hinzurechnen – samt der Ladestation. Gut integriert werden können dabei auch bestehende Photovoltaikanlagen. „Den Strom kann man fürs Auto abzweigen.“ Bei neueren Gebäuden ist die Montage der sogenannten Wallbox (einer Ladestation an der Wand oder an einer Säule) einfacher, da die elektrische Infrastruktur schon stimmt.

Derzeit überlegt die Landesregierung in Baden-Württemberg, die Landesbauordnung dahingehend zu ändern, dass bei Neubauten die vorbereitenden Maßnahmen für eine Ladestation Pflicht werden. Jöchle, der auch überregional als Experte auf dem Gebiet gilt, ist gerade in einem Schreiben darum gebeten worden, die Kosten zu kalkulieren, um die sich das Bauen dadurch verteuert.

Wie schnell soll es gehen?

Wichtig sei bei der Hausinstallation die Frage, wie schnell die künftigen Besitzer von E-Autos ihre Wagen aufladen wollen. Eine 22-kW-Station ist zwar sehr schnell (je nach Motorleistung braucht sie eine bis anderthalb Stunden zum Vollladen), dafür braucht man jedoch eine vorherige Genehmigung des örtlichen Energieversorgers. Interessant eher für größere Betriebe und Arbeitgeber. „95 Prozent der Privatleute entscheiden sich für 11 kW“, sagt Jöchle.

Etwa 20 solcher Beratungen und Installationen hat sein Unternehmen im vergangenen Jahr durchgeführt. Tendenz steigend. „Aktuell haben wir drei Anfragen auf einmal.“ Jöchle glaubt aber, dass der große Durchbruch erst 2025 kommt, wenn der Feststoffakku auf den Markt kommt. Im Gegensatz zum derzeit gebräuchlichen Lithium-Ionen-Akku sei dieser günstiger in der Herstellung, so dass die Elektroautos in Massenproduktion gehen können und billiger werden. Zudem sei er schneller zu laden. Jöchle: „Wenn die Kosten erst runter gehen, ist die Elektromobilität nicht mehr aufzuhalten.“ Zumal erste Hersteller schon angekündigt haben, bald keine Autos mit Verbrennermotoren mehr zu bauen, etwa Volvo und Toyota.

Strom ist billiger als Benzin

Selbst bei einem deutlich höheren Anschaffungspreis haben E-Autos auch Vorteile: Strom ist billiger als Benzin, und die Wartung ist wesentlich günstiger. Da Teile wie Kupplung, Getriebe, Vergaser und Auspuff wegfallen, müssen sie auch nie repariert werden. Ölwechsel sind ebenfalls überflüssig. Jöchles Tesla kann beispielsweise von der Werkstatt in Stuttgart per Computer ferngewartet werden. „Ich muss nur selbst Wischerwasser nachfüllen.“

Eine Weile werden Verbrenner und E-Autos nebeneinander auf den Straßen fahren, sagt Jöchle. „Aber keine 25 Jahre mehr.“ Dann könnte auch schon die nächste Revolution im Verkehr anstehen: In Dubai wurde vor einigen Monaten erfolgreich das erste elektrische Drohnentaxi getestet. Es wurde von einer deutschen Firma konzipiert, fliegt autonom und kann bis zu zwei Passagiere tragen.

Ladestationen für Elektroautos in der Region

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