Drei Studentinnen der DHBW gewinnen Deutschen Jugendfilmpreis

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 Das erfolgreiche Filmteam der DHBW vor dem Eingang der Hochschule im Alten Theater: von links nach rechts: Annalena Greger, Ron
Das erfolgreiche Filmteam der DHBW vor dem Eingang der Hochschule im Alten Theater: von links nach rechts: Annalena Greger, Ronja Krohz und Natalie Friedrich. Vor Kurzem gewannen sie mit ihrer Filmanimation „Unlocky“ den Deutschen Jugendfilmpreis beim Wettbewerb in Wuppertal. (Foto: Dorothee Schaefer)
Dorothee Schaefer

Dreieinhalb Minuten Filmanimation und drei Monate Arbeit mit manchmal Zwanzigstundentagen: So sieht Begeisterung aus oder besser gesagt, ohne Begeisterung ist solch ein Projekt gar nicht möglich. Die drei jungen Frauen Natalie Friedrich, Annalena Greger und Ronja Krohz stammen nicht aus Ravensburg, aber sie sind seit ihrem Studienbeginn 2017 an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg miteinander befreundet und haben schon früh ein Team gebildet.

Deutschen Jugendfilmpreis gewonnen

2019 erhielten sie beim Baienfurter Jugendfilmfestival „abgedreht“ den Preis „Muse 18+“ und haben gerade in Wuppertal beim Bundes.Festival.Film den Deutschen Jugendfilmpreis gewonnen – mit 21 und 22 Jahren. Die Konkurrenz beim Bundesfilmfestival war groß: 600 Kurzfilme im Wettbewerb, neun Filme wurden von einer Jury ausgewählt. Vorher hatte „Unlocky“ bereits Nominierungen für kleinere Festivals erhalten und war beim ADC (Art Directors Club) gezeigt worden. Die Vorführung der prämiierten Filme – dank Corona im Autokino – verlief zwar ohne Glamour, aber in guter Stimmung.

Worum geht es bei „Unlocky“ mit dem Wortspiel-Titel? 2019 hatte die Hochschule für die Teams im Fachbereich Mediendesign, das heißt im vierten, dem Filmsemester, ihr Jahresthema „Brücke“ in Form einer Animation ausgegeben. Die drei waren sich ziemlich schnell einig, dass es eine Kurzgeschichte über die Liebesschlösser werden sollte, die schon manches Brückengeländer fast zum Einsturz gebracht hätten.

Digitale Zeichnungen

Dann aber ging gleich die Diskussion los: männliche oder weibliche Hauptperson? Es wurde eine männliche, der schnell in Rage geratende Norbert, spillerige Beine, Riesenkopf und immer mit roten Flecken im Gesicht, ein zeitgenössischer Heißsporn. Am Anfang stöckelt ihm seine Liebe Frida davon und er schluchzt ihr hinterher. Dann will er das Liebesschloss entfernen und stellt sich dabei nicht gerade männlich praktisch an. Also weder muskelbepackter Held noch totaler Loser – und am Ende eine andere Frau, Emma, als rettender Schlüsseldienst und vielleicht die neue Flamme. Feminismusalarm? Nein, strahlen die Drei, einfach nur ein kleines ironisches Plädoyer für „überlegtes Handeln“.

Im Gespräch mit dem Team schälen sich die Gewichtungen heraus: Annalena und Natalie haben gezeichnet, alles digital, mit Adobe Illustrator, vor allem Schwarzweiß mit wenigen, aber dynamisierenden Farbakzenten. Ronja setzte das Ganze mit Ton, Geräuschfetzen und Musik in Szene. Für die Auswahl der Musik beauftragten sie einen Profi, Viktor Cikarovski. Während drei Monaten konnten sie in der DHBW arbeiten mit ihren eigenen Laptops, ein iPad bekamen sie gestellt, auch das Tonstudio stand nach Anmeldung zur Verfügung.

12 Einzelbilder pro Sekunde

„Ziemlich diszipliniert“ seien sie vorgegangen, so Annalena. Die Zahlen machen schwindlig: 2700 Einzelbilder, im Klartext 12 Einzelbilder pro Sekunde, alles zeichnen und schneiden. Klar, dass manche Hintergründe und Gesten der Figur mehrfach verwendet werden konnten, aber der Witz steckt auch hier in vielen Details, die dazu verlocken, die dreieinhalb Minuten ein paar Mal anzusehen. Um alles zu koordinieren, war eine Exceltabelle nötig, mit manchen Zeitangaben im Nano-Bereich, so in etwa 0,05 Sekunden.

Was beschäftigt die drei nach dieser ermutigenden Auszeichnung? „Der Bachelor im September“, sagen sie fast im Chor. Natalie aus Schwäbisch Hall will die „Konsumenten-Bürger-Lücke“ in der Agrarwirtschaft untersuchen, Ronja aus Göppingen ein verständliches Finanzmagazin zusammenbauen und Annalena aus Karlsruhe beschäftigt sich mit der „akustischen Identität von Städten“. Die Filmanimation „Unlocky“ kann unter www.bundesfilmfestival.de mit einem kleinen Produktionsvideo vom Team noch bis 28. Juni online angeschaut werden.

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