Franziska Stölzle

Die Sommerferien sind fast vorbei, und der Herbst steht vor der Tür. Und dieser Sommer hat gezeigt: Die Reiseregion Oberschwaben wird für den Tourismus immer attraktiver. Von Januar bis Juni diesen Jahres wurden mehr als zwei Millionen Tourismus-Übernachtungen in Oberschwaben und dem Württembergischen Allgäu verzeichnet. Dazu gehören die Landkreise Ravensburg, Sigmaringen und der Bodenseekreis. Und eines überrascht: Es übernachten auch immer mehr Touristen auf dem Land.

Aus Erfahrungswerten heraus kann Tamara Fischer von der Touristeninformation in Wolfegg sagen, dass es sich überwiegend um Kurzurlauber handelt. Diese kommen meist aus der Schweiz, Österreich oder der Bodenseeregion. Eher selten ist Besuch aus Frankreich und Italien. „Sie bleiben meist drei bis vier Tage. Viele wollen in dieser Zeit sowohl sportlich aktiv sein, als auch die Seele baumeln lassen“, sagt sie. Dafür biete die Region Oberschwaben die perfekten Bedingungen. Besonders beliebt ist der Bodensee, die Insel Mainau und Konstanz. Häufig werden auch die Ravensburger Altstadt und die Basilika in Weingarten als Tagesziel ausgewählt. „Nach der Basilika sind die Touristen immer ganz verrückt“, erzählt Fischer. Für Familien sind die umliegenden Museen, wie das Bauernhaus- und das Automuseum interessant. Vor allem, wenn Veranstaltungen angekündigt sind. Zusätzlich lädt das Allgäu mit schönen Touren zum Wandern und Radfahren ein.

Veronika Kantsevaya aus Weißrussland wohnt seit drei Monaten mit ihrem Mann in Lindau. „Wir sind wegen der Arbeit aus Weißrussland nach Deutschland gezogen. Es ist wirklich schön hier“, sagt sie. Seit einer Woche sind ihre Verwandten Alexej und Hanna Kantsevye zu Besuch. „Wir haben uns einiges rund um Lindau angeschaut. Heute sind wir noch einen Tag in Ravensburg, bevor wir abreisen“, erzählt Alexej. „Die Altstadt soll schön sein, dort wollen wir hin“, fügt er hinzu. Aber auch die Natur scheint dem Paar sehr gut zu gefallen. „Alles ist so hügelig, das gibt es bei uns in Weißrussland nicht“, sagt Hanna Kantsevye und lacht.

Die Highlights in Ravensburg sind das Museumsviertel und die historische Altstadt. Oft wird Ravensburg von den Touristen auch die Einkaufsstadt genannt. „Vor allem die Schweizer kommen viel zum Einkaufen hier her“, sagt Selina Krämer von der Touristeninformation in Ravensburg. Die Besucher stammen primär aus der Bodenseeregion, dennoch kommen während der Sommerzeit auch einige Urlauber aus Italien, Frankreich und Spanien nach Ravensburg. „Die Leute genießen das Flair der Stadt mit vielen Cafés und kleinen Geschäften“, sagt Selina Krämer. Über die vergangenen Jahre beobachtet sie eine klare Zunahme an Touristen.

Mehr Übernachtungen im Dorf

So sind auch Raphael Baier und Larissa Rudolph aus München für einen Tag nach Ravensburg gekommen. „Das sah auf Bildern einfach so nett aus“, sagt Raphael Baier und lacht. „Außerdem kennt man Ravensburg durch die Spiele“, fügt er hinzu. Das Paar ist beeindruckt vom Flair der Stadt und freut sich auf die Aussicht von der Veitsburg. „Das ist eine goldige Stadt, viel schöner als München“, sagt Larissa Rudolph.

Das Publikum in der Reiseregion Oberschwaben ist bunt gemischt, von jungen Paaren über Familien bis hin zu Rentnern. Die Auswahl der Unterkünfte ist ganz unterschiedlich. Rund zwei Drittel der Touristen schlafen in Hotels in den Zentren der Städte, ein Drittel entscheidet sich für eine Ferienwohnung außerorts. Das sei auf die Planung des Urlaubs zurückzuführen. „Leute, die ihren Urlaub planen, buchen ihre Unterkunft schon sehr früh und bevorzugen eher eine Ferienwohnung. Spontan Reisende wollen einfach nur ein Bett. Sie schlafen deshalb eher in den Hotels im Zentrum“, erklärt Tamara Fischer von der Touristeninformation in Wolfegg.

Dennoch scheint das Übernachten auf dem Land immer beliebter zu werden, das zeigt sich im Gasthaus zum Amboss in Grünkraut. „Wir sind immer gut ausgebucht, vor allem im Sommer“, sagt Geschäftsführerin Tanja Forstenhäusler. Kurzurlauber aus ganz Deutschland, Österreich, Italien und der Schweiz besuchen das Gasthaus. Die ländliche und dennoch zentrale Lage scheint den Touristen zu gefallen. „In den vergangenen zwei Jahren kommen immer mehr Urlauber zu uns“, erzählt sie. Die Tage können von dort aus unterschiedlich gestaltet werden. Wandern, Radfahren oder die Natur genießen geht direkt vor Ort, aber auch Ravensburg oder der Bodensee ist schnell erreicht.

Einen allgemeinen Zuwachs an Urlaubern erkennt auch Geschäftsführerin Daniela Leipelt, von der Oberschwaben Tourismus GmbH. Sie führt diesen vor allem auf den Center Parcs bei Leutkirch zurück. Der Park bringt 750 Ferienhäuser und 5000 zusätzliche Betten. Zudem bietet der Center Parcs auch für Nicht-Gäste ein vielfältiges Tagesprogramm, beispielsweise mit Kletterhalle, Minigolfbahn und Mountainbiketouren. Durch eine Ausweitung des Erlebnis-Tourismus in der Region und eine Saisonerweiterung auf die Herbst- und Wintermonate könne ein Ganzjahrestourismus in der Region Oberschwaben angestrebt werden, so Daniela Leipelt.

Magnet Bauernhausmuseum

In der Nähe des Center Parcs in Leutkirch liegt das Bauernhausmuseum Wolfegg. Auf dessen Parkplatz lassen sich meist Nummerntafeln aus Vorarlberg und Ulm erkennen. „Wir haben einen Touristenumkreis von ungefähr 80 bis 100 Kilometern“, sagt Pressesprecherin Martina Heise. Während der Saison von April bis Anfang November tummeln sich meist Familien auf dem Gelände. „Bei Veranstaltungen wie dem Eseltreffen oder dem Museumsfest kann es schon mal sein, dass bis zu 8000 Leute da sind“, sagt Martina Heise. Trotzdem muss das Museum immer wieder auf Werbemaßnahmen zurückgreifen, um auf sich aufmerksam zu machen. „Wir haben schließlich keine Laufkundschaft, der Besuch muss geplant werden“, so Heise.

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