Die Turngala bietet in Ravensburg spektakuläre Artistik und innovatives Turnen

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Barbara Sohler

Die große Turngala des Schwäbischen Turnerbundes (STB) und des badischen Turner-Bundes (BTB) hat auf ihrer Tournee durch 15 Städte am Montagabend in der Oberschwabenhalle Station gemacht. Mehr als 2000 Zuschauer ließen sich faszinieren, in einer knapp dreistündigen Show von 20 artistischen Darbietungen zum Motto „Reflexion“.

Vielleicht lässt sich das Erleben der Gala-Show am ehesten zusammenfassen unter: Wer braucht schon Zirkus, Ballett oder die Chippendales, wenn er das alles geballt in einer Turngala haben kann? Denn tatsächlich ist Turnen packend und spektakulär, wenn es Körperbeherrschung und Leidenschaft vereint, präzise choreografiert und mit schnellen Beats unterlegt daherkommt. Und – Überraschung – Turnen ist eine Augenweide.

Tradition trifft auf Moderne

Bei der 31. Auflage der Sportgala haben die Verantwortlichen vom STB und BTB wieder einmal 15 Städte in Baden-Württemberg beglückt. Ein Mix aus Turnen, Gymnastik und Sport solle die Gala bieten, eine Show, in der Tradition auf Moderne trifft, so preist es das Programmheft an. Und die Macher – allen voran die Regisseurin Claudia Marx, eine erfahrene und erfolgreiche Trainerin aus der Rhythmischen Sportgymnastik, die auch Sportmusicals choreografiert – haben nicht zu viel versprochen. Das „Duo Sienna“ (zwei wunderbar biegsame und furchtlose Frauen) schafft intensive Momente an der Pole-Stange und im überdimensionalen, schwebenden Reifen. Ungesichert. Atemberaubend auch die Körperbeherrschung des „Duo Hand2Stand“: Der Kanadier Louis-Marc Bruneau (der durchaus der smarte, verlorene Drilling der Kaulitz-Brüder sein könnte) und seine Partnerin Camille Tremblay sind bildschön und perfekt. Und das trifft auch auf das vierköpfige Show-Projekt „Barrolin“ zu. Vier junge, tschechische Profiturner vereinen Trampolin-Springen und Barren-Turnen zu einer rasanten Nummer. Wuchtig auch: Die ebenso präzisen wie beindruckenden Künstler von „Blue Tokyo“, die Streetdance und Akrobatik vereinen.

Örtlicher Turnvereine sind dabei

Ein großes Plus im Programm: Neben all den professionellen Elementen streuen die Verantwortlichen auch Darbietungen örtlicher Turnvereine ein. Im Ravensburger Gala-Fall sind das die herzallerliebsten Turner-Fröschchen des TSB Ravensburg. Und eine Gruppe des TSV Lorch (mit Tanz und Akrobatik) sowie des TG Biberach. Dass die nötigen Umbaupausen nicht zu zäh werden, dafür sorgen etliche ehrenamtliche Helfer, die fast unsichtbar und in Windeseile die Bühne neu herrichten. Und für das Publikum wird in alter Zirkus-Manier dafür der Comedian Marc Haller engagiert, der als schrulliger, leicht verklemmter Schweizer „Erwin“ die Zuschauer amüsiert. Mit Zauberei und Blödeleien. Die irgendwie immer eingeschränkte Sicht von den Plätzen im Parkett aus, die bemängeln einige Besucher in der Pause. Das dürfte auch den Veranstaltern aufgefallen sein. Sogar noch vor Beginn der Show. Denn die Turngala galt als ausverkauft. Auf den äußeren, seitlichen Rängen wie auch in jeweils mindestens fünf Stuhlreihen im Parkett herrschen jedoch die leeren Plätze vor.

Davon abgesehen gibt es nun aber wirklich nichts zu kritisieren. Das dürften auch Gäste wie Rolf Wilhelm vom TV Weingarten, die Sportfamilie Grimm, Landtagsabgeordneter August Schuler oder Stadtrat Rolf Engler so unterschreiben. Turnen at it‘s best und auf höchstem Niveau, das präsentiert die Turngala. Und macht bei etlichen Lust darauf, sich selbst wieder zu bewegen. Nach alter Turnvater-Jahn-Idee, dass Leibesübungen Kondition und koordinative Fähigkeiten schulen.

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