Die Stadt Ravensburg zum Jahresbeginn im Stadtcheck

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 Das hat sich in Ravensburg getan: Zum Beispiel hat der Umbau des „Kaiserhofs“ zu einem Hotel mit „Vier-Sterne-Plus-Standard“ be
Das hat sich in Ravensburg getan: Zum Beispiel hat der Umbau des „Kaiserhofs“ zu einem Hotel mit „Vier-Sterne-Plus-Standard“ begonnen. (Foto: Wynrich Zlomke)
stellv. Redaktionsleiter

Die Redaktion hat zu Beginn des Jahres 2020 die Stadt Ravensburg in 14 Kategorien bewertet. Das ist das Ergebnis: 

Wirtschaft - Top

Das Wirtschaftswachstum im Kreis Ravensburg ist überdurchschnittlich gut, wie aus Zahlen des Statistischen Landesamtes hervorgeht. Statistik blickt nur zurück und die Wirtschaftsprognose hat sich inzwischen eingetrübt, auch für den Südwesten. Der Stadt Ravensburg fehlen schon 2019 aufgrund geringerer Gewerbesteuereinnahmen 4,5 Millionen Euro.

Aber was ist das auf die Firmen in der ganzen Stadt gesehen? Auch gebremstes Wachstum ist Wachstum. Die erfolgreichen Unternehmen sind weiterhin Garant für Wohlstand in der Region. (len)

Stadtentwicklung - Na ja

Ravensburg geht das Geld für Investitionen aus. Auf den ersten Blick sieht man das zwar nicht, da alte Projekte zu Ende gebracht und neue angestoßen werden. B 30 Süd, Marienplatztiefgarage, Sanierung der Gymnasien, Umgestaltung des Gespinstmarkts: Nach wie vor herrscht kein Stillstand in der Türmestadt.

Dennoch wird es notwendig sein, ein wenig langsamer zu tun in den nächsten Jahren. Wobei: Es muss nicht immer Neues entstehen, solange das Vorhandene gepflegt wird und den Menschen ein qualitätsvolles Leben bietet. (bua)

Handel - Na ja

Obwohl Stadtspitze und Händler immer das gute Miteinander betonen, gab es 2019 mächtig Zoff. Viele Geschäftsleute waren gegen die jetzt beschlossene Fußgängerzone auf dem Gespinstmarkt. Auch die Strenge der Stadt bei Gebühren für Ladenschilder und die Verzögerung bei der Eröffnung der Marienplatzgarage sorgten für Ärger.

Neue Händlerinnen hingegen schwärmen vom Flair und dem Image Ravensburgs als Einkaufsstadt – ein Optimismus, von dem sich Alteingesessene was abschauen könnten. (len)

Wohnen - Flop

In Ravensburg eine Wohnung zu finden, ist bei begrenztem Budget schwierig. Die Warteliste für Sozialwohnungen bei der Stadtverwaltung ist lang. Und die ersten sogenannten Bündniswohnungen mit reduziertem Mietpreis werden frühestens Anfang 2020 fertig.

Dass geförderter Wohnraum aus der Preisbindung gefallen ist und sich niemand um Ersatz gekümmert hat, rächt sich. Die Gründung eines Eigenbetriebs Städtische Wohnungen war ein richtiger Schritt. Doch wer eine Entwicklung verschlafen hat, braucht Zeit, um aufzuholen. (len)

Bildung - Top

Die Gemeinschaftsschulen wurden formal schon zusammengelegt, das Zusammenwachsen wird noch dauern. Die städtischen Gymnasien Albert Einstein und Spohn mussten die Sanierung ihres Gebäudes aushalten. Die Arbeiten sind aber demnächst beendet, dann kann wieder in Ruhe gearbeitet werden.

Nur der Schulhof ist noch aus grauer Vorzeit. Um viele andere Schulen ist es ruhig. In die frühkindliche Bildung hat die Stadt investiert und zusätzliche Plätze geschaffen. Das Bildungsangebot in Ravensburg ist mehr als vielfältig. (len)

Verkehr - Na ja

Selbst wenn sich Großstädter über Ravensburger Luxusprobleme kaputtlachen: Die Türmestadt ist in Relation zu ihrer Größe durch Indvidual- und Schwerverkehr extrem unter Druck. Die Schadstoffbelastung erreicht oder überschreitet Grenzwerte, zu viele Autos sind unterwegs auf dem schmalen Altstadtring.

Das liegt auch an denen, die sich zwar über Staus ärgern, aber dennoch jeden Meter motorisiert zurücklegen. Die neue B30 macht Hoffnung auf eine Entlastung des Durchgangsverkehrs. Doch alle Verkehrsprobleme löst sie nicht. (bua)

Sport - Top

Zum zweiten Mal in ihrer Vereinsgeschichte sind die Ravensburg Towerstars Meister in der Eishockey-Liga 2 geworden. Trainer Rich Chernomaz kam während der Saison, brachte die wankenden Towerstars wieder auf Kurs und führte sie gegen seinen Ex-Club Löwen Frankfurt zur Meisterschaft.

Es war eine von zwei Zweitliga-Meisterschaften in Ravensburg, denn auch die Ravensburg Razorbacks durften feiern. Anders als die Eishockeyprofis dürfen die American Footballer aufsteigen und spielen in der kommenden Saison erstklassig. (tk)

Umweltschutz - Flop

Früher sprach man über verunreingte Flüsse, über die Bedrohung durch Waldsterben, heute reden alle von Klimaschutz. Doch so richtig ernst scheinen die meisten dieses Thema noch immer nicht zu nehmen. Schießlich trifft dieses Problem erst nachfolgende Generationen. Wer in Ravensburg einen Stadtpark für mehr Grün fordert, der wird ausgelacht, die Bemühungen für bessere Radverbindungen sind da, aber nicht konsequent, der öffentliche Verkehr noch immer keine Alternative zum Auto, weil zu teuer und zu wenig attraktiv. (bua)

Kirche - Top

Die Ravensburger sind für die katholische Kirche unbequem. Dass der Bischof eine in der Ravensburger Erklärung bekräftigte Einladung zum ökumenisch gefeierten Abendmahl ablehnt, und dass die Forderung nach Abschaffung des Pflichtzölibats (Taldorfer Erklärung) verhallt, frustriert viele Gläubige.

Einige wollen trotzdem weiter für Veränderung kämpfen. So wie unter den Protestanten Bürgermeister Simon Blümcke: Er steht im Kirchenparlament künftig für die Segnung homosexueller Paare ein. Wandel muss von unten kommen. (len)

Brauchtum - Na ja

Mut ist nötig, um Traditionen infrage zu stellen. Und der Aufstand dagegen vorprogrammiert. Dennoch erlaubten sich 2019 zwei ehemalige Lands-knechte die Anmerkung, dass es angesichts der Feierlichkeiten zu 70 Jahren Grundgesetz und der allerorten gewünschten und geforderten Gleichberechtigung von Frau und Mann fragwürdig sei, dass bei den meisten Gruppen am Rutenfest Mädchen ausgeschlossen sind. Aber wollen die überhaupt mittrommeln? Man weiß es nicht. Und sollte daher weiter über dieses Thema diskutieren. (bua)

Kultur - Top

Die Ravensburger Kulturarbeit ist jetzt ganz in Frauenhand. Nach dem Weggang von Humpisquartier-Leiter Andreas Schmauder hat auch Kulturamtsleiter Franz Schwarzbauer aufgehört. Seine Nachfolgerin Verena Müller bringt seitdem frischen Wind ins Rathaus.

Zunächst hat sie die Traditionsveranstaltung „Ravensburg spielt„ ins Digitalzeitalter transformiert. Müller ist aber nicht die einzige Frau, die das Kulturleben prägt: Sabine Mücke leitet das Humpisquartier, und auch Bücherei, VHS und Kunstmuseum haben weibliche Chefs. (vin)

Denkmalschutz - Na ja

Denkmale so erhalten, dass sie auch genutzt werden können: Wer Denkmalschutz nicht allzu eng fasst, hat Grund zur Freude. In der Klosteranlage Weißenau entstehen Wohnungen, die Bauhütte wird zur Musikschule umgebaut, der einstige Kaiserhof öffnet wohl 2020 als Hotel wieder.

Traurige Ausnahmen sind das zerfallende WLZ-Gebäude und der leerstehende Weingartner Hof. Dass ein Denkmal auch ohne offensichtlichen Nutzen kostspielig erhalten werden muss, ist ein sauerer Apfel, in den die Stadt beim Eschersteg wird beißen müssen. (len)

Finanzen - Na ja

Irgendwie war es immer schon so. Entweder hatte Ravensburg Geld wie Dreck oder die Stadt größere finanzielle Probleme. Das lag am Auf- und Ab der kommunalen Steuerausgleiche, aber auch an der Wirtschaftssituation oder Sonderfällen wie der WGV-Steuerrückzahlung.

Mit der Umstellung der Steuersystematik und Einkommenseinbrüchen kommt nun so manches zusammen. Zwischenfazit: Ravensburg geht es wirtschaftlich noch immer gut. Aber sparen ist dennoch angesagt. Und das kommt bekanntlich selten gut an. (bua

Gemeinderat - Na ja

Der Gemeinderat ist 2019 neu gewählt worden. Dabei gab es Verschiebungen der Machtverhältnisse. Nun sind die Grünen die stärkste Fraktion. Die Umwelt-Partei hat bereits neue Akzente gesetzt beziehungsweise versucht, damit zu beginnen.

Dennoch kann Kommunalpolitik keine Parteipolitik sein, sondern muss gemeinsame Arbeit an gemeinsamen Zielen zum Wohl der Stadt bleiben. Auch wenn der Ton rauer wird: Es ist Ravensburg zu wünschen, dass alle im Gremium an konstruktiver Zusammenarbeit interessiert bleiben. (bua

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