Die „Sexpertin“ kennt kein Pardon

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„Sexpertin“ Barbara Balldini löst wahre Lachsalven mit ihrem lockeren Aufklärungskabarett in der Zehntscheuer aus.
„Sexpertin“ Barbara Balldini löst wahre Lachsalven mit ihrem lockeren Aufklärungskabarett in der Zehntscheuer aus. (Foto: Babette Caesar)
Babette Caesar

Sie nennt beim Namen, was sich die meisten Menschen öffentlich nicht zu sagen trauen. Barbara Balldini gilt als Österreichs lustigste „Sexpertin“. Dass dem so ist, durften Besucher in der ausverkauften Zehntscheuer am Mittwochabend miterleben. Von wegen prüde und ernst. Davon konnte keine Rede sein, wurde über Balldinis Aufklärungskabarett „Von Liebe, Sex und anderen Irrtümern“ doch so viel gelacht wie selten.

Lustiges Kabarett? Nein, das lehnt die gebürtige Tirolerin vehement ab. Es sei ein Fachvortrag. „Aber keine Sorge, es wird lustig!“, entwarnte sie gleich zu Beginn und behielt rund zwei Stunden lang Recht. „Von Liebe, Sex und anderen Irrtümern“ ist ihr erstes von vier Programmen, mit dem sie 2007 ihre Bühnenkarriere startete. Die Sexualpädagogin mit eigener Praxis seit über 20 Jahren versteht es, ein bis heute mit Tabus beladenes Thema so zu servieren, dass es einem mehr als einmal die Sprache verschlägt. „Wir tun es alle und keiner kennt sich aus“, sind Statements, die nicht wehtun, doch in denen sich Frauen wie Männer ertappt fühlen. Schadet nichts, denn sogleich kontert Balldini mit ihrem unwiderstehlichen Humor, der allen Ernst wegwischt. Das ist ihr Rezept, sich auch über die eigenen Hemmnisse zu amüsieren. Wie schaffe man es ein Leben lang zu lieben? Ja, das gehe schon, wenn’s nicht immer derselbe sei, sind treffsichere Pointen, mit denen Balldini bisweilen das Funktionieren partnerschaftlicher Beziehungen hinterfragt.

Balldini tritt in wallendem Gewand mit Stöckelschuhen auf

Damit ging dieser Abend in die erste Runde. Balldini im wallenden Gewand und auf Stöckelschuhen besitzt einen Charme, dem man nach wenigen Minuten erliegt. Neben ihr ein opulenter Polstersessel, um sich auch mal so richtig zurücklehnen zu können. Ein Flipchart, auf dem sie Stichwörter wie „Loben“ festhält. „Tut’s immer loben. Am besten ständig“, an die Männer gewandt. Sie gab „Geheimnisse“ preis, warum Männer nicht so gut über ihre Gefühle sprechen können. Das liege an deren Gehirn. 30 Prozent weniger Synapsen habe deren limbisches System, das beide Gehirnhälften verbinde. Jetzt wüssten die Frauen, warum ihre Männer nur sitzen und schauen können bei der quälenden Frage „An was denkst du gerade?“. Am besten gar nicht erst fragen.

Sie plaudert locker über Details ihrer Praxiserfahrung

Balldini riet Paaren zum Abstandhalten, denn Nähe töte Erotik. Kinder und Stress seien die absoluten Libido-Killer. Dabei würden viele Menschen einfach vergessen, dass sie Liebespaare seien. Am besten gemeinsame Dates im Kalender eintragen, rät sie. All das stamme aus ihrer Praxiserfahrung, aus der sie plauderte, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Dann ging Balldini in die zweite Runde. Jetzt als „Rosi“ mit weißer Schürze und zünftiger Haube. Dem Publikum führte sie die Funktionsweise eines pink leuchtenden Sextoys vor.

Barbara Balldini, Kind eines norddeutschen Vaters und einer italienischen Mutter, verkörpert die Sexpertin schlechthin. Sie ist authentisch und scheut vor keinem Tabu zurück. Doch sie haut die Themen ihrem Publikum nicht um die Ohren, sondern löst mit ihrem verständigen und lustvollen Vortrag wahre Lachsalven aus.

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